Förder- & Hebetechnik
Ohne Umwege steuern
Im neuen Zentrallager der Schweizer SFS unimarket AG wurde die weltweit erste Logistikanlage mit SAP EWM MFS implementiert. Der Vorteil: Das gesamte Lagertypologie wird in nur noch einem IT-System abgebildet.
Die Dematic GmbH hat laut eigenen Angaben einen Innovationssprung für die SAP-Welt in der Lagerlogistik vollzogen: Als Generalunternehmer für die Intralogistik des neuen Zentrallagers der Schweizer SFS unimarket AG, einem führenden Schweizer Anbieter von Befestigungssystemen, Werkzeugen und Beschlägen, haben die Offenbacher am Standort Rebstein ein Anlagenkonzept umgesetzt, bei dem erstmals die speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) der automatisierten Lagersysteme direkt aus SAP EWM MFS angesteuert werden können. Damit lässt sich nun die gesamte Lagertypologie in nur noch einem IT-System, dem von Dematic kundenspezifisch zugeschnittenen SAPSystem „Extended Warehouse Management“ (SAP EWM), abbilden.
Das von Dematic realisierte Schnittstellenkonzept ermöglicht SFS nun überdies eine durchgängig SAP-basierte IT-Infrastruktur, die vom übergeordneten Enterprise Resource Planning-System (ERP) des Konzerns bis hin zur Steuerungsebene (SPS) der Lagerautomatisierung reicht. Die weltweit erste erfolgreiche Implementierung einer solchen Lösung, die softwareseitig ausschließlich SAP EWM und die integrierte Materialflusssteuerung (SAP MFS) nutzt, verwendet auch ein spezielles Steuerungsbauteil der Dematic GmbH, den Dematic Sub- Driver.

Weitere Besonderheit des weltweiten Pilotprojektes: Der Zuschnitt des SAP-Systems erfolgte auf die komplexen Prozesse eines modernen, hochdynamischen Behälterlagers, dem innovativen Kompaktlagersystem Multishuttle von Dematic. Ungeachtet der speziellen Herausforderungen dieser Pionierleistung konnte Dematic die Anlage nur 14 Monate nach Auftragsvergabe termingerecht übergeben.
„Mit der erfolgreichen Projektrealisierung haben wir nicht nur unsere Ziele hinsichtlich Produktivitätssteigerung, höherer Flexibilität und einer zukunftsorientierten Lösung verwirklichen können, erläutert Dietmar Kabasser, Leiter Competence Center WMS beim zuständigen SFS-ITDienstleister SFS services AG in Heerbrugg, Schweiz.
„Sie ist zugleich als Grundsatzentscheidung dafür zu sehen, die IT in allen Lägern der SFS Gruppe weltweit zu vereinheitlichen, die Prozesssteuerung auf SAP EWM umzustellen und direkt an unser ERP-System SAP R/3 anzubinden: Die von Dematic realisierte Lösung bildet nun die Vorlage für das weltweite Roll-Out einer konzernweit standardisierten IT und Lagertechnik für alle unsere Lagerstandorte.“
Über 100 000 Artikel verwaltet Rund 47 000 Artikel, Kleinteile der Befestigungstechnik, Schrauben, Werkzeuge und Beschläge stehen in dem neuen SFS-Zentrallager im direkten Zugriff. Mehr als 100 000 Artikel verwaltet die Lager-IT. Täglich gilt es, bis zu 1 000 Wareneingangspositionen zu erfassen, umzupacken und einzulagern. Durchschnittlich 4 000 Lieferpositionen, in Spitzenzeiten bis zu 5 500, sind pro Tag in der Kommissionierung.
„Für diese Anforderungen haben wir mit dem Multishuttle von Dematic zunächst die beste Lager- und Fördertechnik identifiziert“, erklärt Kabasser. „Darauf aufbauend erfolgte die Planung der Infrastruktur von Neu- und Umbau des Lagerstandortes Rebstein.“ In einem weiteren Schritt wurde Dematic – als einer von wenigen profilierten und auf Lagerlogistik spezialisierten Implementierungspartner der SAP – von SFS mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Sie sollte zeigen, ob und wie die Prozesssteuerung aus SAP EWM und SAP MFS eine direkte Ansteuerung der speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) für die geplante Mechanik und die neuen Lagerprozesse zulassen. Ergebnis: Mit Erweiterungen in SAP ist dies möglich.
„Eine wichtige Aussage für uns“, sagt Kabasser. „Neben der Anbindung an unser SAP-ERP sichern die Einstellungen von EWM und MFS im SAP-Standard die Releasefähigkeit des Systems auf SAP-Niveau.“ Dematic erhielt den Auftrag als Generalunternehmer für die Anlagenkonzeption, die Mechanik, die SPS-Steuerungen und den Zuschnitt der System-IT – „alles aus einer Hand“, so Kabasser.
„In ihrer Konzeption eine in vielfacher Hinsicht bemerkenswerte Anwendung“, urteilt Thomas Preller, Leiter SAP IT bei Dematic. So gilt das Multishuttle von Dematic bereits an sich als innovative Kompaktlager-Lösung für automatische Behälterlagerung und Kommissionierung nach dem Warezum- Mann-Prinzip. Das Multishuttle basiert auf den Komponenten Regal, schienengeführtes Shuttle, Fahrschienen und Steuerung. Die Shuttles bewegen sich auf Fahrschienen innerhalb der Regalebenen. Diese übernehmen neben der Führung auch die Spannungsversorgung der Fahrzeuge.
Die Fahrzeuge ziehen die Behälter aus den Lagerplätzen und befördern sie zum Gassenende. Den Transport der Behälter aufwärts und abwärts übernehmen Lifte. Sie übergeben die Ware an die Fördertechnik, die die Behälter zu den Kommissionierplätzen führt. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil neben der Effizienz: die hohe Flexibilität des Systems. So können etwa in der auch bei SFS installierten Roaming- Variante die einzelnen Shuttles über hochdynamische Shuttle-Lifte je nach Bedarf auch zwischen den Regalebenen umgesetzt werden.
Resultat: kompakter Bauraum, hohe Stellplatzkapazität. Und: Anders als herkömmliche AKLLösungen muss das Multishuttle nicht direkt auf dem Hallenboden montiert werden. So konnte in Rebstein eine zweite Ebene in das Zentrallager von SFS eingezogen werden, auf dem das fünfgassige Multishuttle-System installiert wurde. „Bei einer AKL-Lösung, die Wettbewerber uns anboten, wäre ein zusätzlicher Anbau erforderlich gewesen“, erklärt Kabasser.
Drei Shuttles pro Gasse Die fünf Gassen des Multishuttle bei SFS besitzen jeweils 17 Ebenen, wobei pro Gasse drei Shuttles den Zugriff auf die einzelnen Ebenen sicherstellen. Insgesamt bietet das System 32 000 Behälterstellplätze, ausgeführt als doppelttiefe Anlage. Eine im Anlagenlayout bereits vorgesehene, optionale Erweiterung um zwei Gassen bietet Platz für weitere 13 000 Lagerplätze. Zum Einsatz kommen drei unterschiedliche Behälterhöhen. Die Behälter sind teilweise mit Fächern versehen und bieten bis zu acht unterschiedlichen Artikeln Platz.

Die Unterteilungen können je nach Artikelabmessungen unterschiedlich ausfallen, was in 17 verschiedenen Kombinationen resultiert. Die Leistung des Multishuttles ist mit bis zu 500 Einsowie 500 Auslagerungen pro Stunde auf die bei SFS erforderliche Tageslast ausgerichtet. Darüber hinaus sind weitere manuelle Lagerbereiche wie ein Sperrgutlager, Gefahrgutlager und ein Palettenlager im SAP EWM mit Datenfunkanbindung im RF-Framework abgebildet.
Statement „Alle Prozesse von der Dekonsolidierung und der Zulagerung des Wareneingangs über die Ein- und Auslagerungen des Multishuttles sowie die Versorgung und Steuerung der Kommissionier- und Packarbeitsplätze bis hin zu den Materialflüssen im Sperrgut- und im Palettenlanggutlager werden über Dialoge im EWM und im MFS geführt und abgebildet“, erläutert Preller.
SFS unimarket AG, E-Mail: [email protected], www.sfsunimarket.biz Dematic GmbH, E-Mail: [email protected], www.dematic.com










