EPAL-Jubiläum
Von der Holzpalette zum Datenträger
Die Europalette entwickelt sich zum digitalen Informationsträger. Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die Jubiläumskonferenz der EPAL in München. Mit digitalem Palettenpass, KI-gestützter Inspektion und neuen Automatisierungslösungen will die Organisation die Zukunft ihres offenen Palettenpools gestalten.
Die European Pallet Association (EPAL) feierte am 19. Juni 2026 ihr 35-jähriges Bestehen mit einer internationalen Konferenz in München, dem Gründungsort des Verbands. Rund 320 Teilnehmende aus fast 30 Ländern diskutierten aktuelle und zukünftige Herausforderungen der Logistik, darunter Digitalisierung, Automatisierung, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit. Die EPAL blickte aber nicht nur auf ihre Geschichte zurück. Im Mittelpunkt der Jubiläumskonferenz standen vielmehr die Digitalisierung der Palettenlogistik, KI-gestützte Qualitätskontrollen und der Digitale Palettenpass. Bereits neun Millionen EPAL-Paletten sind mit einem QR-Code ausgestattet, der künftig die Grundlage für eine digitale Identität jeder einzelnen Palette bilden soll.
Die Jubiläumskonferenz wurde von Bernd Dörre, CEO der EPAL, und An Xiaowei von EPAL Asia moderiert. Im Dampfdom der Motorworld München begrüßten sie die internationalen Gäste und führten mit großer Souveränität und persönlicher Note durch das Programm. Die Veranstaltung verdeutlichte die internationale Ausrichtung der EPAL und die Bedeutung des offenen Palettenpools für globale Lieferketten. In Vorträgen und Diskussionsrunden wurde deutlich, welche Rolle Digitalisierung und Künstliche Intelligenz künftig in der Logistik spielen werden.
Neben den historischen Rückblicken standen insbesondere die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt der Konferenz. Jarek Maciążek, Präsident der EPAL, machte in seiner Ansprache deutlich, dass Nachhaltigkeit für die Organisation weit mehr als ein aktueller Trend sei – sie gehöre zur „DNA der EPAL“. Was die EPAL seit ihrer Gründung vor 35 Jahren lebe, gelte heute mehr denn je als Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften. Die Wiederverwendbarkeit und Langlebigkeit der Paletten sowie eine konsequent gelebte Kreislaufwirtschaft seien von Beginn an zentrale Säulen des EPAL-Systems.
Dirk Hoferer, Präsident der EPAL, unterstrich, dass Innovation und Digitalisierung die nächsten Meilensteine für den offenen Palettenpool seien. Mit dem Digitalen Palettenpass und der EPAL Pallet App entwickle sich die Palette zunehmend zu einem intelligenten Informationsträger innerhalb moderner Lieferketten.
Diesen Wandel griff auch Mateusz Boruta, Geschäftsführer von ECR Polska, in seinem Vortrag auf. Er beschrieb die Palette als digitales Werkzeug und Träger wertvoller logistischer Informationen. Im Rahmen eines von ECR Polska initiierten Programms zur Förderung nachhaltiger Palettenwirtschaft wurden bislang 35 Zertifikate an Unternehmen und Organisationen für nachhaltiges Handeln vergeben.
Zentrales Zukunftsprojekt: Digitaler Palettenpass
Ein zentrales Zukunftsprojekt der EPAL ist der Digitale Palettenpass. Über einen QR-Code auf jeder Palette sollen künftig Informationen zu Herkunft, Nutzung und Zustand digital verfügbar gemacht werden. Bereits heute befinden sich rund neun Millionen entsprechend gekennzeichnete EPAL-Paletten im Markt. Zusammen mit der EPAL Pallet App bildet der Digitale Palettenpass die Grundlage für eine effizientere Verwaltung und Nachverfolgung von Ladungsträgern.
Michael Brandt, Head of Logistics bei EPAL, erläuterte die Bedeutung dieser digitalen Werkzeuge für die Automatisierung logistischer Prozesse. Noch immer würden weltweit zu viele Paletten manuell geprüft und sortiert. Künftig sollen die EPAL Pallet App sowie KI-gestützte Inspektionsverfahren die automatische Bewertung und Klassifizierung von Paletten ermöglichen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz werde dabei eine zentrale Rolle spielen, um Qualitätssicherung und Effizienz weiter zu verbessern.
Einen Blick in die Zukunft der Logistik warf Timo Landener von Körber, der auch als Host des Podcasts „Das Gleiche in Grün?“ bekannt ist. Er skizzierte den Weg hin zu zunehmend autonomen Logistiksystemen, in denen Künstliche Intelligenz – insbesondere im Zusammenspiel mit Digital Twins und Robotik – zum entscheidenden Gamechanger wird. Für die Verbindung aus intelligenter Software und physischer Automatisierung prägte er den Begriff „Embodied AI“. Den häufig verwendeten Ausdruck „humanoide Roboter“ hält Landener dagegen für nicht zielführend. Die Zukunft liege aus seiner Sicht vielmehr in spezialisierten Embodied-AI-Lösungen, die gezielt für Automatisierungsaufgaben entwickelt werden. Sie seien kostengünstiger, flexibler einsetzbar und könnten sich dadurch deutlich schneller in der Logistik durchsetzen.
35 Jahre EPAL: Ein Kreis schließt sich
Mit der Wahl von München als Ort der Jubiläumskonferenz schließt sich für EPAL ein Kreis. In München fand Anfang 1991 die Gründungsversammlung der EPAL statt. Heute ist EPAL in mehr als 40 Ländern aktiv, von denen die meisten in München vertreten waren. Neben zahlreichen Herstellern und Reparateuren von EPAL-Paletten nahmen auch viele Industriepartner an der Konferenz der EPAL teil und feierten neben dem 35. Geburtstag der EPAL auch den 35. Geburtstag des EPAL-Palettenpools , der gemeinsam mit der EPAL im Jahr 1991 entstand.
Den festlichen Abschluss in München bildete nach dem Konferenzprogramm eine abendliche Jubiläumsfeier, bei der die Teilnehmer viele weitere internationale Kontakte knüpfen konnten. Einhelliges Fazit der Teilnehmer: Spätestens zum 40. Geburtstag der EPAL im Jahr 2031 sollte eine Neuauflage der Konferenz stattfinden.














