RBG, Shuttle und Robotik
Mehrere Lagerstandorte von Decathlon einheitlich automatisiert
Der Sportartikel-Spezialist Decathlon suchte nach einer standardisierten Automatisierungslösung für sieben Lagerstandorte. Exotec, End-to-End-Integrator für Lagerautomatisierung, lieferte diese mit dem Multi-Site-Programm Skyfleet.
In mehreren Ländern die Filialbelieferung mit Einzelstückkommissionierung automatisieren – so lautete die Zielsetzung des Sportartikelherstellers Decathlon. Genauer gesagt ging es um sieben Lagerstandorte in England, Frankreich, Deutschland, Italien und Portugal. Nach mehrjährigem Wachstum im E-Commerce und im Standortortgeschäft war eine Neustrukturierung der Intralogistik erforderlich. Eine leistungsfähige Automatisierung für alle besagten Lager sollte die Planungshorizonte bei der Bestandsprognose verkürzen. Mit einem doppelten Ziel: zum einen effiziente Prozesse in den Lagern implementieren, zum anderen die erforderlichen Bestände zurückfahren, standardisiert an allen Standorten.
Die Herausforderung: standardisierte Automatisierung
Wenn sich Intralogistiker mit der Automatisierung eines Kommissionierlagers befassten, dauerte es rückblickend nur wenige Minuten, bis jemand den "schweren Individualisierungs-Bremsklotz" in die Besprechung schob: Alles musste auf individuelle Anforderungen und Gegebenheiten zugeschnitten sein. Das funktionierte vielleicht gut, bedeutete aber, dass man die Lösung für Lager A nicht so ohne Weiteres auf das Lager B übertragen konnte. Wie also sollte man unter solchen Voraussetzungen sieben über Europa verteilte Lager in Sachen Automatisierung unter einen standardisierten Hut bringen, in weniger als drei Jahren? Die Antwort hieß Standardisierung. Exotec lieferte diese mit dem Multi-Site-Programm Skyfleet.
Ausgangspunkt der Decathlon-Lösung ist das modular konzipierte Skypod-System für die Lagerung und Kommissionierung mit autonomen Robotern. Zu den System-Komponenten gehören unter anderem Kommissionier- und Packstationen, Fördertechnik und das Warehouse Execution System (WES) Deepsky. Darauf aufbauend entwickelte Exotec speziell für und mit Decathlon das Skyfleet-Programm: ein Lösungsframework, das in den Lagern einheitlich ausgerollt wurde. Entstanden sind sieben nahezu identische Automatisierungen vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Ergänzende Module, die nicht Basisbestandteil des Skypod-System sind, aber in ein modernes Lager gehören, hat Exotec in die Gesamtkonzeption integriert. Dazu gehören unter anderem Depalettierer, Kartonöffner, RFID-Tunnel und Palettierer.
Die Geschwindigkeit der Implementierung war für Decathlon das entscheidende Argument für die Zusammenarbeit mit Exotec. Das Fazit von Jérôme Saillour, Head of Automation für Decathlon Logistik, fällt rundum positiv aus: "Wir suchten jemanden, der uns bei der Rationalisierung unseres Logistiknetzwerks unterstützt. Wir haben Exotec gewählt, weil dieser Partner viele Standorte in kurzer Zeit ausrollen und skalierbare Lösungen integrieren konnte, die sich an unsere sich wandelnden Anforderungen anpassen." Exotec hat für die Automatisierungslösung an den sieben Decathlon-Lagern auch den Betrieb und die Wartung übernommen.
Hohe Verfügbarkeit erreicht
Mit dem Skyfleet-Programm hat Decathlon seinen Filial-Nachschub auf dem europäischen Kontinent vereinheitlicht. Die Distributionszentren versorgen die Filialen, sie beschleunigen den Warenfluss und ermöglichen eine Reduzierung der Lagerbestände bei spürbarer Flächen-, Zeit- und Kosteneinsparung. "Die von Exotec gelieferte Standardisierung hat es uns ermöglicht, Lagerengpässe zu vermeiden", sagt Jérôme Saillour. Und Siré Aw, Manager bei Decathlon France Logistics, ergänzt: "Was wir nachweisen konnten, ist eine Verfügbarkeitsrate von über 99 Prozent seit der Installation."
Einfache Skalierbarkeit
Die Standardkonfiguration sieht pro Lager 150 bis 200 Skypod-Roboter vor. Das sind mobile Einheiten, die sich autonom durch das Lager bewegen. Ihre Anzahl lässt sich flexibel verändern. Die Lager verstärken ihre Skypod-Flotte je nach Bedarf – zum Beispiel zu saisonalen Spitzenlasten – und verkleinern sie in ruhigen Phasen. Decathlon macht auch von der Möglichkeit Gebrauch, Roboter zwischen Standorten zu verlagern. Die Flexibilität zeigt der Standort Ferrières in Frankreich, wo kurzfristig 13 zusätzliche Roboter an den Start gegangen sind, ohne dass dazu der laufende Betrieb beeinträchtigt wurde.
Am englischen Standort Northampton ist es zudem gelungen, die für die Auftragsvorbereitung benötigte Fläche von 17.000 auf 5.000 Quadratmeter zu verkleinern. Mit gravierenden Folgen für die "Laufleistung" der Belegschaft: Der täglich pro Mitarbeiter zurückgelegte Fußweg verkürzte sich von durchschnittlich 10 auf nur noch 1 Kilometer. Dazu Jérôme Saillour: "Unsere Lagermitarbeiter profitieren von verbesserten Arbeitsbedingungen, da ihre Tätigkeiten abwechslungsreicher und körperlich weniger belastend geworden sind."
Wissenstransfer zwischen Portugal und Baden-Württemberg
Zu den großen Vorteilen der europaweit einheitlichen Konzeption von sieben automatisierten Lagern gehört das Voneinander-Lernen: Jede Systemimplementierung profitierte von der vorherigen. Die letzte dauerte nur neun Monate. Über standardisierte Dashboards in der Warehouse Execution Software Deepsky überwacht Decathlon die Leistung aller Standorte und optimiert den Betrieb im gesamten Netzwerk.
Auch im Alltagsbetrieb tauschen die Standorte ihre Erfahrungen aus, wie Diego Fernández, Warehouse Director bei Decathlon Schwetzingen (Baden-Württemberg), anschaulich erläutert: "Bisher war es so, dass jedes Lager seine eigenen Besonderheiten hatte: seine Strukturen, seine Wege, sein Bestandsmanagement. Durch Exotec verfügen wir nun über ein hochgradig standardisiertes System, das es uns ermöglicht, Verbesserungen, die wir in Portugal erzielen, hier schnell und unkompliziert umzusetzen. Und das natürlich auch in die andere Richtung."










