Kolumne: Was Würmser Wurmt
Es liegt was in der Luft
Die Kuh muss weg. Gülle ist für 45 Prozent der Feinstaubbelastung in Deutschland und jährlich 50.000 Tote verantwortlich, hat das Max-Planck-Institut herausgefunden. Woraufhin die Vegane Gesellschaft prompt Fleisch verbieten lassen will.
Bei der Luft, die wir atmen, hört der Spaß auf. 3,3 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von Luftverschmutzung. 120.000 vorzeitige Todesfälle gehen allein in Deutschland auf das Konto des Feinstaubs. Hinzukommen 13.000 Menschenleben durch Stickoxide, davon 7.000 durch das Dieselgift Stickstoffdioxid. Basis für derlei morbide Statistiken sind eine ganze Reihe Untersuchungen renommierter Institute und die Zahlen der WHO.
Alles Blödsinn! Das sagen jetzt mehr als 100 Lungenfachärzte und rühren damit an einer anderen, einer heiligen Kuh. Die Studien zu Feinstaub und Stickoxiden, so die Wissenschaftler, seien mehrheitlich hanebüchen und unwissenschaftlich, die gesundheitlichen Schäden durch den Diesel bei weitem nicht so dramatisch, wie behauptet wird und die EU-Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid gar völlig unsinnig. Würde man nämlich die angebliche Belastung durch Feinstaub mit der millionenfach höheren eines Rauchers vergleichen, müsste eigentlich jeder Raucher binnen weniger Wochen tot umfallen. Ein Bauer mit Kuhstall würde wahrscheinlich nach wenigen Tagen das Zeitliche segnen. Da beides offensichtlich nicht der Fall ist, kann hier etwas nicht stimmen.
Wer hat jetzt recht? Anstatt der Sache auf den Grund zu gehen, setzt der Verteidigungsreflex und der Glauben an die eigene Unfehlbarkeit ein. Die öffentliche Diskussion ist ideologisch derart aufgeheizt, dass sie längst nicht mehr sachlich geführt wird. Studien spiegeln weniger die Tatsachen, als vielmehr persönliche Überzeugungen wider. Und die Lust an der Selbstzerstörung wird nur noch von der Leichtigkeit übertroffen, mit der Industrien im Namen der Umwelt zerstört und Arbeitsplätze vernichtet werden.
Kritik ist dabei unerwünscht. Zweifel werden totgeschwiegen, die Zweifler mundtot gemacht oder als Büttel der Industrie diskreditiert. Wir haben ein Recht auf saubere Luft. Wir haben aber auch ein Recht auf saubere Gutachten. In dieser Sache liegt einer falsch. Um die Wahrheit herauszufinden, gehören sämtliche Untersuchungen und damit auch die Dieselfahrverbote neu auf den Prüfstand. Es liegt was in der Luft. Denn so oder so, einer Kuh geht es an den Kragen.
Anita Würmser ist Wirtschafts- und Logistikjournalistin, Initatorin der Logistics Hall of Fame und der IFOY-Awards. In LT-manager nimmt „Mutti“, wie sie die Branche respektvoll nennt, exklusiv seit Ausgabe eins kein Blatt vor den Mund.










