Kolumne: Was Würmser wurmt

Anita Würmser,

Fünf Mark für den Wandel

Warum regen sich eigentlich alle über die hohen Spritpreise auf? Nach fast einem Vierteljahrhundert liegen die jetzt auf dem Niveau, das Die Grünen schon gefordert haben, als Lkw noch mit Euro 2 unterwegs und die Zapfsäulen in D-Mark beschriftet waren. 1,14 D-Mark für den Liter Diesel und 1,59 für Super stand damals drauf, umgerechnet 58 bzw. 81 Cent. Auf ihrer Bundesdelegiertenkonferenz 1998 – dem Jahr als Gerhard Schröder Bundeskanzler wurde – schrieben Bündnis 90/Die Grünen den so genannten Fünf-Mark-Beschluss in ihr Wahlprogramm. Er besagt, der Preis für einen Liter Benzin müsse schrittweise auf fünf Mark angehoben werden.

Anita Würmser schrieb bis Ende 2020 exklusiv in LT-manager die Kolumne „Was Würmser wurmt“. Die Agenturinhaberin und Chefin des IFOY Awards und der Logistics Hall Of Fame hat viel zu sagen – und das nun in materialfluss. © privat

Das wäre geschafft. So war das zwar nicht geplant, aber es passt: Klimaneutralität ist angesagt und der Verkehr spielt dabei eine Hauptrolle. Ein Drittel der Verkehrsemissionen in Deutschland gehen allein auf das Konto des Straßengüterverkehrs. Und wer will schon ernsthaft bestreiten, dass Wandel im Allgemeinen und hin zur E-Mobilität im Speziellen am besten über den Preis funktioniert. Allenfalls einige Hilfspakete müssen geschnürt werden, Disruption ist schließlich nicht Aufgabe der Politik. Sie muss für Kontinuität, Sicherheit und Frieden sorgen, die Folgen von Transformation abmildern, um möglichst große Teile der Gesellschaft mitzunehmen. Denn günstiger wird es mit einem großen E vor der Mobilität nicht werden, eher komplizierter, auch nicht zwangsläufig besser, bestenfalls anders. Bleibt das gute Gewissen, die Welt zu retten, und selbst das ist zweifelhaft, wenn man bedenkt, dass Deutschland insgesamt gerade mal 1,8% zum weltweiten CO2 Ausstoß beiträgt, China emittiert über 30% und damit doppelt so viel CO2 wie alle OECD-Länder zusammen.

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Deutschland ist gut darin, sich an die Spitze von idealistischen Bewegungen zu setzen, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Es ist ehrenwert, aber eben auch sinnlos, utopisch und macht zudem abhängig, CO2-Emmission auf null zu reduzieren, wenn gleichzeitig weltweit mehr Erdöl denn je verbrannt wird, die Klimaprotokolle nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben wurden und in über 30 Staaten Kohlekraftwerke entstehen, allein China und Indien bauen zurzeit hunderte davon.

Ziele müssen realistisch und erreichbar sein, sonst verliert man die Motivation, und die fundamentale Frage muss lauten: Wie kommen wir von einer wachstumsorientierten Konsumgesellschaft zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft?

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