Kolumne: Was Würmser wurmt
Öl und Wasser
Googeln Sie mal "Nachhaltigkeit". 5,4 Millionen Treffer. Es gibt einen Rat für Nachhaltigkeit, die Bundesregierung hat sie zur Leitlinie der Politik gemacht, es finden sich Definitionen, Kommentare und haufenweise Stories über CO2-Einsparungen im Netz. "Nachhaltigkeit" ist so etwas wie Sandra Bullocks "Weltfrieden" in dem Film-Klassiker "Miss Undercover", wie Der Spiegel mal geschrieben hat. Sehr passend! Alle reden pausenlos über Nachhaltigkeit und niemand meint es wirklich ernst. Man kann ja auch schlechterdings nichts dagegen sagen, dass die nachfolgenden Generationen die gleichen Chancen auf ein erfülltes Leben haben sollen wie wir, und wir deshalb unseren Teil dazu beitragen müssen. Kommt es darauf an, ist die Kasse trotzdem wichtiger als die Zukunft der eigenen Kinder... na gut, die Kinder der Nachbarn.
In der Logistik irrlichtert der Begriff Nachhaltigkeit mittlerweile so allgegenwärtig durch die Landschaft, dass es schon fast weh tut. System Alliance Europe gab kürzlich bekannt, man wolle jetzt auf Nachhaltigkeit setzen, indem man die CO2-Emissionen aller Netzwerksendungen ausrechnet. Ist das schon nachhaltig? Der Kaffeeröster Tchibo wurde im März sogar mit einem Nachhaltigkeitspreis für seine Logistik ausgezeichnet, weil man durch eine bessere Koordination und weniger Fahrten Kosten reduziert und das Ergebnis - nicht dumm - mal schnell in eingesparte Kohlendioxidemissionen umgerechnet hat. Ist das nachhaltig? Die Bahn ändert die Farbe ihrer Bahncard von rot nach grün und verlangt dafür 12 Euro für mehr für die gleiche Leistung. Nachhaltig?
Zeitgemäß, sicher. Wirtschaftlich, ja. Umweltbewusst, ganz ohne Zweifel. Aber von Nachhaltigkeit so weit entfernt, wie die Erde vom Weltfrieden. Mit Nachhaltigkeit und Logistik verhält es sich nämlich wie mit Öl und Wasser. Beides lässt sich nur schwer verbinden, aber beides ist keine Frage des Ob. Es ist nicht Aufgabe der (Logistik-)Wirtschaft, nachhaltig zu agieren. Sie muss in einem vorgegebenen Rahmen maximale Gewinne erwirtschaften, um im globalen Wettbewerb überleben zu können. Wenn beides sich vereinbaren lässt, umso besser. Es ist Aufgabe der Politik, einen Rahmen zu schaffen, in dem eine ideologiefreie, nachhaltige Wachstumspolitik realistisch möglich ist. Eine, die den Unternehmen die Chance auf Erfolg und Gewinn lässt und sie nicht zu ehr- und skrupellosen Ökokriminellen macht. Nachhaltigkeit muss messbar sein und sich lohnen, wenn sie Wirklichkeit werden soll. Wenn es jemals eine Aufgabe gab, die staatstragender wäre, dann diese.










