Kolumne: Was Würmser wurmt

Anita Würmser,

Goldrausch 4.0

Wo Gold ist, ist erfahrungs­gemäß der Rausch nicht weit. Der erste Goldrausch der Geschichte wurde vor 325 Jahren in Brasilien dokumentiert. Die berühmtesten Räusche haben sich – wie soll es auch anders sein – in Nordamerika abgespielt. 1799 etwa in Charlotte, North Carolina, der größte war der Kalifornische Goldrausch, und wer kennt nicht den Colorado Gold Rush oder den Goldrausch am Klondike River, wo bis heute 570 Tonnen Gold geschürft wurden. Heutiger Wert nicht weniger als: 27.468.300.000.000 Euro.

Anita Würmser schrieb bis Ende 2020 exklusiv in LT-manager die Kolumne „Was Würmser wurmt“. Die Agenturinhaberin und Chefin des IFOY Awards und der Logistics Hall Of Fame hat viel zu sagen – und das nun in materialfluss. © privat

Das Gold zog Zehntausende Menschen an, aber schon ­damals waren weniger als die Hälfte gar nicht auf das magische Metall aus. Die meisten suchten das Abenteuer oder Beschäftigung in den neuen Gewerben der ­explosionsartig anwachsenden Goldgräberstädte. Den besten Schnitt machten sowieso die Händler und Gewerbetreibenden, die die Berauschten mit allerlei Gadgets versorgten. Dagobert Duck soll hier den Grundstein für sein Vermögen gelegt haben, das auf die unglaubliche Summe von fünf Fantastilliarden, 9neunTrillionen Taler und 16 Kreuzer geschätzt wird.

Die Nuggets von früher sind Geschichte. Daten sind das neue Gold und wartet angeblich nur darauf, gehoben zu. Goldrausch 4.0, sozusagen. Die Welt scheint sich seit damals allerdings nicht grundlegend geändert zu haben, denn im ersten Datengoldrausch der Geschichte kommt einem Vieles seltsam bekannt vor, nur die Namen sind anders: Das Silicon Valley ist der neue Klondike, Jeff Bezos gibt den Dagobert Duck und die B2C-Händler bedienen sich nach Herzenslust am Datengold, das im Internet so herumliegt und machen damit das ganz große Geld.

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Aber was kostet eigentlich so ein Datum? Wieviel könnte ich verlangen für meine Bewegungs- und Begegnungsdaten vom 6. Juli 2021? Okay, die sind jetzt nicht für jeden so wahnsinnig interessant, aber die aller Pkw, Paletten oder Pakete, die Daten aus der NFZ-Telematik oder anderen Maschinen schon eher.

Gold hat nur deswegen eine derart unglaubliche Karriere ge­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­macht, weil es zu jeder Zeit gehandelt werden konnte. ­Aktuell kostet der Kilobarren rund 49.000 Euro. Wenn, allen voran im B2B Sektor, das viel zitierte Datengold gehoben werden soll, muss da endlich mal ein Preisschild dran.

Die Kolumne erschien materialfluss SPEKTRUM 2021.

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