Logistik-Dienstleister
Materialfluss Round Table: Metamorphose zum Alleskönner
Logistik-Dienstleister können helfen, die Prozesse von Unternehmen effizienter darzustellen. Dabei werden immer neue Branchen aufgetan und auch in puncto Energieeffizienz wird sich noch einiges tun. Das Round-Table-Gespräch, das Materialfluss exklusiv mit wichtigen Vertretern der Logistik-Branche auf dem BvL-Kongress führte, begann mit einem Thema, an dem derzeit keiner vorbei kommt: mit der Konjunktur.

Karl Engelhard, Generalbevollmächtigter bei Hellmann fragte sich, ob der Wirtschaftsaufschwung erhalten bleibt oder wie stark Abflachungen ausfallen müssen: „Wenn man sich die Vorhersagen anschaut und anhört, dann sind diese ja sehr schwankend - auch von den Märkten in der Welt. Ich denke die Gefahr einer Überhitzung von Märkten ist nach wie vor vorhanden. Wir haben im Moment die Situation, dass Asien auch die Lokomotive in der Weltwirtschaft mit darstellt - insbesondere China. Und gleichzeitig ist Deutschland im Prinzip der Wirtschaftsmotor in Europa. Ich hoffe und wünsche mir, dass wir im Jahre 2011 doch mit einem ordentlichen Jahr auch im Wachstum durchmarschieren werden. Aber ich bin mir nicht sicher. Garantie hat keiner dafür. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass wir durch die Krise noch nicht durch sind.“
Dem stimmte auch Marco Schlüter, Senior Vice President Sales & Business Developement von Ceva zu: „Ich bin nach wie vor noch ein bisschen skeptisch, ob wir wirklich schon den Aufschwung haben, von dem derzeit alle reden. Nach meinem Gefühl, zieht die Konjunktur zwar an, aber meines Erachtens könnte es nur eine sehr kurze Welle sein, weil weltweit ja auch wirklich Lagerbestände nach unten gefahren worden sind, die natürlich jetzt zunächst erst wieder gefüllt werden müssen. Ich glaube, dass im Moment dieser sehr starke Anstieg einfach darauf zurückzuführen ist, dass wirklich nach dem Runterfahren von Beständen derzeit die Lager wieder gefüllt werden müssen. Ich frage mich nur: Was passiert dann, wenn diese Lagerbestände gefüllt sind? Ich rechne eigentlich damit, dass wir Anfang nächsten Jahres erst mal wieder mit einer Delle zu rechnen haben.“
Auch für Beutner-Geschäftsführer Jürgen Beutner ist es schwierig, den Markt einzuschätzen: „Wir als Logistiker müssen uns überlegen: Können wir neue Nischen erarbeiten, wo wir unsere Dienstleistung platzieren. Der Markt ist einfach zu unruhig, um zu behaupten, wir hätten jetzt ein kontinuierliches Wachstum. Auch meiner Meinung nach ist es weiterhin ein schwieriges Geschäft. Jeder von uns muss sich mit neuen Nischen wiederfinden.“

Große Hoffnungen „Geht es jetzt bergauf? Wie lange geht es bergauf?“, fragte sich auch Robin Otto, Direktor Business Developement bei Geodis: „Die Hoffnungen sind natürlich relativ groß. Für mich stellt sich eher die Frage - auch wenn es nicht wieder so schnell weiter nach oben gehen soll: Für den Dienstleister bringt das auch gewisse Möglichkeiten und Chancen. Wir haben im letzten und in diesem Jahr festgestellt, dass unsere Kunden, die Inhouse-Logistik betrieben haben, dieses Thema ganz neu auf die Agenda bekommen haben und gesagt haben, dass sie an den Kosten arbeiten müssen. Variabilisieren ist ein Riesenthema im letzten Jahr gewesen. Ich glaube aber auch, dass eine rückwärts orientierte Entwicklung für einen Dienstleister auch gewisse Chancen mitbringen kann, weil Unternehmen sich weiterhin die Frage stellen: Mache ich etwas inhouse oder realisiere ich das Outsourcing. Wir sind Outsourcing-Spezialisten - ich denke alle, wie wir hier am Tisch sitzen, für Kontraktlogistik. Und von daher muss ich sagen: Die Geschäfte, gerade Ende 2009/Anfang 2010, waren aus unserer Sicht sehr erfolgreich, weil Kunden sich ganz neu die Frage gestellt haben: Ist jetzt der Zeitpunkt für Outsourcing?“
Auch für Detlef Kurzbuch, Director Logistics Developement & Strategy von Schenker, ist das wahr, was gesagt wurde: „Vielleicht ist die Situation der Kontraktlogistik in der Wahrnehmung etwas positiver, aber wir sind dennoch mit der Kontraktlogistik im Moment zufrieden. In Asien, aber auch Nordamerika und speziell auch bei uns in der Region Zentraleuropa ist ein deutlicher Trend nach oben zu erkennen. Wir sind auch dieses Jahr vom Wachstum her bisher zufrieden. Die Nachfragen, die im letzten Jahr stark in Richtung Preisvergleiche, Ausschreibungen tendierten, werden jetzt zunehmend abgelöst von wirklich innovativen neuen Themen, die auf den Markt kommen. Diese haben wir in der Intensität und Fülle für dieses Jahr noch gar nicht erwartet. Dies gilt speziell auch in Zentraleuropa, wo sich auch in den klassischen Industrien und im Automobilbereich sehr viel getan hat. Die Automobilindustrie legt hier Wert auf interessante neue Konzepte, die aus Zentraleuropa eben auch heraus reichen. Für das nächste Jahr sehen wir diesen Trend im Moment erst mal ungebrochen.“

Auch für die BLG war laut Geschäftsführer Robert Bommers zumindest das erste Halbjahr 2009 schwierig: „Nach erdrutschartigen Volumenzusammenbrüchen kamen aus dem Nichts im Juli Nachfrage ohne Ende. Alle Welt rief plötzlich nach Partnern für China und USA. Für uns stellte sich damals die Frage, ob dies nachhaltig oder nur eine Spekulationsblase ist. Aber der Trend nach Asien ist nach wie vor ungebrochen. Südamerika und besonders Brasilien ist ein weiteres Thema. Wir sind trotz Krisenjahr letztes Jahr gewachsen, und haben vor allem im Ausland stark zugelegt. Das ist auch für uns eine neue Strategie, dass wir mehr auf internationales Wachstum setzen. Die Frage, die sich mir allerdings stellt, ist, wie nachhaltig das Ganze ist. Wenn etwa in China die erste Blase auf dem Bausektor platzt, kann das schnell zum Dominoeffekt werden. Südamerika sehen wir dagegen als sehr stabil an.“
Viele ernste Ausschreibungen „Grundsätzlich stellen wir eine Flut an ernsten Ausschreibungen fest. Wir hatten im letzten Jahr eine Menge von Anfragen mit dem Ziel, die Preise runterzudrücken. Aber ein ernster Dienstleisterwechsel wurde nie in Betracht gezogen. Weil man die Umstellungskosten wahrscheinlich scheute. Das ist jetzt anders. Reine Benchmarks gibt es nicht. Das Volumen steigt deutlich an. Auch der Trend mehr out zu sourcen - und sich die Tarifstrukturen der Dienstleister zu nutze zu machen, ist genau so zu erkennen, wie der, Risiken auszulagern. Was sich teilweise in so Vertragsentwürfen an Risikobeschreibungen wiederfindet spottet jeder Beschreibung.“
„Ich denke, das die Vertragsthematik wirklich auch ein Riesenthema ist,“ stimmte Otto dem Vorredner zu: „Es gibt Ausschreibungen, da müssen Sie, bevor Sie die erste Antwort schicken, erst mal bestätigen, dass Sie den Vertrag akzeptieren.“
Konventionalstrafe wird gestrichen Auch Kurzbuch freut es zu hören, dass die Kollegen das ähnlich sehen: „Ich mache mir immer etwas Sorgen, dass wir großen Konzerne etwas zu genau hin gucken. Aber das ist auch der Punkt, an dem wir im Moment arbeiten: Wir sehen da zunächst einmal eine starke Intensität in der internen Diskussion, während wir beginnen an einer Ausschreibung zu arbeiten.“
„Bei uns im Hause ist das ganz klar: Wir akzeptieren keine Vertraulichkeitserklärungen mit Konventionalstrafen und streichen die gnadenlos“, machte Engelhard deutlich: „Wenn wir den Vertrag dann nicht kriegen, ist es eben so. Ich sehe nicht ein, dass irgendjemand 500 000 Euro Strafe einträgt. Sie können das nie sicherstellen, dass nicht jemand über dieses Thema spricht. Wir sehen nicht ein, dass der eine Partner nur schafft - und das sollen dann wir sein.“
„Insgesamt muss man noch dazu sagen, dass die einzelnen Branchen auch sehr unterschiedlich auf die Krise reagiert haben“, ergänzte Schlüter: „Also wenn wir klassisch den Automotive-Bereich nehmen - dann ist das sicherlich eine Branche, die sehr, sehr stark und extrem negativ auf die Krise reagiert hat. Auch im Investitionsgüter-Bereich ist das mit Sicherheit sehr deutlich so gewesen. Wenn Sie sich jetzt aber den Consumer-Retail-Bereich angucken - speziell hier in Deutschland - dann hatten die eigentlich nur eine Stagnation und nicht wirklich echte Verluste. Das zeigt für mich auch wie wichtig es auch für Logistiker ist, sich innerhalb der Branchen sehr ausgewogen zu bewegen.“
Nischen im Blick Beutner führte den Aspekt an, dass er im Gegensatz zu den anderen am Round-Table vertretenen Unternehmen national und auf die Werkslogistik bei großen Konzernen ausgerichtet sei: Ich habe festgestellt, dass die Werkslogistik wie etwa die Versorgung von Produktionslinien oder Ladungssicherung eine Nische ist. Und der Kunde wünscht transparente Kosten. Wir werden bezahlt nach vorheriger Arbeitsplatzanalyse, nach Palettenvolumen oder nach Palettenhandling. Wenn wir im Kommissionierbereich tätig sind, werden wir nach Preiseinheiten bezahlt. So hat der Kunde den Vorteil, ganz variable Kosten zu haben. Er weiß genau: wenn er uns das und das Volumen gibt, kann er sagen am Jahresende habe ich das zu zahlen an den Dienstleister. Von diesen Unternehmen werde ich dann angesprochen, ob ich im großen Zentrallager auch etwa Interesse habe, zusätzlich die Reinigung oder die Instandhaltung noch zu übernehmen. Auch da sehe ich wieder neue Chancen, tätig zu werden.“
Otto hingegen sah eine große Chance für seine Branchen im Bereich E-Commerce und B2C: „Wie sollten uns auch die letzte Lieferung zum Kunden und die Retoure anschauen. Ich glaube das wird ein Riesenthema und ein Bereich, bei dem es stark bergauf geht. Gucken Sie sich die Umsätze tatsächlich an - das wächst jetzt langsam. Ich glaube ein Riesenthema wird gerade in diesem Bereich grundsätzlich das Thema IT werden. Es geht um Themen wie Scoring, Kreditoren-Management oder Mahnwesen und da müssen wir uns die Frage stellen, ob ein Logistikdienstleister das können muss, und unsere Antwort ist: ja. Der Kunde will klipp und klar ein komplettes Package kaufen. Aber das ganze Thema IT ist relativ komplex. Und ich denke, die Investitionen müssen spätestens vor fünf Jahren schon angefangen haben, sonst kommt man da nicht rein.“

Kurzbuch führte dazu an, dass Schenker im Bereich der regenerativen Energien punkten konnte: „ Ein Stichwort lautet Wind- oder Solarenergie. Dort sind wir gut voran gekommen. Wir haben basierend auf unseren Hightech-Aktivitäten der vergangenen Jahre im Bereich Semiconductor auch die Weiterentwicklung in Richtung Solar stark aufgreifen können und betreuen jetzt eben auch diese Solarkunden weltweit. Wir sind aber auch hier in Zentraleuropa mit der Windenergie sehr stark unterwegs, die enormes Wachstum generiert. Überall da, wo Windparks entstehen - auf dem Lande wie auch auf dem Wasser - wollen wir unsere Kunden bedienen. Und natürlich wächst jedes Mal der ersatzteillogistische Bedarf mit. Da sehen wir großen Chancen für uns.“
Grün aufgestellt Generell sieht sich die Branche als ein ökologischer Motor in Deutschland, was eben auch der Bereich Green Logistics unterstreiche. „Das ist für uns ein Thema,“ erläuterte Otto: „Es gibt verschiedene Komponenten - aber im Mittelpunkt erst mal Einsparung von Energie. Wir sind nicht nur im Transportbereich tätig, sondern konzentrieren uns zudem auf den Bereich Kontraktlogistik. Dort sehen wir im Wesentlichen auch erst die Einsparung an Energie. Wir haben beispielsweise einen Standort in Lüdinghausen, den wir für einen Kunden betreiben. Dort haben wir seit eineinhalb Jahren ein Projekt laufen und bereits 20 - 25% Energieeinsparnis erreicht. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass das Ganze imagefördernd für uns und unseren Kunden ist.
Für Schlüter ist das Thema Green Logistics ebenfalls sehr interessant. „Ich sehe, vielleicht nicht in den nächsten zwei, drei Jahren, aber spätestens mittelfristig, da eine Riesenveränderung auf die Logistik zukommen. Ich glaube auch, dass der Einfluss des Endverbrauchers auf uns und unser Verhalten größer werden wird. Die großen Markenartikler werden zunehmend dieses Thema gegenüber dem Endverbraucher vermarkten. Ich habe durchaus schon erste Ausschreibungen gesehen, bei denen es durchaus eine Grundforderung war, den CO2-Ausstoß messbar zu machen, um überhaupt an der Ausschreibung teilnehmen zu können.“
Stichwort Elektrofahrzeuge „Bei uns laufen auch verschiedene Projekte“, merkte Bommers dazu an: „Wir haben im Lagerbereich die gesamte Lichttechnik auf den Prüfstand gestellt. Es gibt beispielsweise innovative LEDs, die brauchen Sie nur kaufen und an der Hardware selber muss nichts verändert werden. Um dann aber auch wirklich Emissionen praktisch zu vermeiden, sind auch Elektrofahrzeuge ein Thema. Und im Transportbereich unserer Lkw-Flotte haben wir alle Euro-3-Fahrzeuge abgestoßen und durch Euro-5-Fahrzeuge ersetzt. Wir haben letztes Jahr in der Krise 80 neue Lkws gekauft, um auch diesem Ansatz Rechnung zu tragen.“
Beutner muss hingegen die Konzepte, die der Kunde vor Ort entwickelt hat, auch 1:1 zu übernehmen: „Aber auch hier stelle ich bei unseren Kunden fest, dass wirklich Überlegungen in Richtung Kosteneinsparung beim Strom durchgeführt worden sind. Aber da bin ich leider angewiesen auf die Konzepte unserer Kunden. Da passen wir uns als Dienstleister natürlich zu einhundert Prozent an.“
„Wenn man mal zurück blickt was wir aus der Kontraktlogistik in der Hochzeit des Krisenjahres 2009 zum Thema Green überlegt haben, dann müssen wir uns korrigieren“, resümiert Kurzbuch: „Wir haben gesagt: Es bleibt ein mittelfristig extrem wichtiges Thema. Aber wir werden in der nächsten Zeit damit weniger zu tun haben. Das war unsere Meinung aus 2009. Und aus heutiger Sicht war das verkehrt. Es war für uns etwas unerwartet, wie stark die Kunden jetzt wieder hier auf dieses Thema eingestiegen sind - so wie der Trend eben im Jahr 2008 in dem Thema auch schon gewesen ist. Wir haben jetzt versucht, sehr schnell umzuschalten. Mit Hilfe natürlich der Bahn haben wir da natürlich einen Shareholder, der sehr starke Akzente setzt. Die Bahn hat sich selbst vorgenommen den eigenen CO2-Ausstoß bis 2020 um 20% zu reduzieren.“ Auch für Otto scheint ein eigener Gleisanschluss für Kunden immer wichtiger zu werden.
Für Engelhard hingegen fehlt es der Schiene jedoch an Flexibilität: „Wenn Sie heute eine neue Schienenstrecke brauchen, um Güter auf den Weg zu bringen, dann stellen Sie heute den Antrag - den können Sie, glaube ich, nur einmal im Jahr stellen. Ich bin nicht der Experte für die Bahn, aber ich kriege da so einiges in der Geschäftsführung mit. Dann bekommen Sie ein Jahr oder 1,5 Jahre später die Entscheidung, ob es geht oder ob es nicht geht. Dann sind Sie in der Logistik schon lange wieder drei Kilometer weiter. Also das kann man nicht in dem Maße machen. Weil, ich glaube, der Bahn fehlt ein Konzept: Wie kriege ich mehr Güter auf die Schiene? Von irgendwelchen anderen Themen, die da sind - wie kriegt man es gebacken? Unser früherer Seniorchef hat immer gesagt: Lasst das heutige Schienennetz da unten und baut oben drüber den Transrapid und unten lasst ihr die Güter fahren und oben die Personen. Natürlich geht das nicht auf, aber so in der Tradition. Ich muss Ihnen ganz offen sagen: unter Green Logistik verstehe ich auch ein Konzept, bei dem ich einen ganzen Lkw an den Bahnhof auf den Zug fahre und schiebe ihn am Empfangsort wieder runter und liefere aus.“

Beutner Logistik-Dienstleistungen GmbH, E-Mail: [email protected], www.beutner-logistik.de BLG Logistics Group AG & Co. KG, E-Mail: [email protected], www.blg.de Ceva Logistics GmbH, E-Mail: [email protected], www.cevalogistics.com Geodis Logistics Deutschland GmbH, [email protected], www.geodis.de Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG, E-Mail: [email protected], www.hellmann.net Schenker Deutschland AG, [email protected], www.dbschenker.de









