Lager- & Kommissioniertechnik

Materialfluss Round Table: Synergien für Anbieter und Kunden

Wie „Green Logistics“ mit konkreten Produkten und Lösungen unterstützt werden kann, was bereits umgesetzt wurde, um die Nachhaltigkeit der Intralogistik zu erhöhen, und wo noch Potenziale brach liegen, darüber diskutierte Materialfluss jüngst bei einem Round-Table-Gespräch.

Lager- & Kommissioniertechnik: Materialfluss Round Table: Synergien für Anbieter und Kunden

Grundsätzlich, so der Tenor der Gesprächsteilnehmer Lothar Käufler (Stöcklin), Frank Labes (Kardex mlog), Rudolf Muhlfinger (SSI Schäfer), Ingo Rose (Nissan Forklift) und Mark Vogt (TGW), beschäftigt man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit schon seit vielen Jahren. Der hohe Energieverbrauch, speziell bei Regalbediengeräten, habe vor 20 Jahren noch keine Rolle gespielt, aber in den letzten Jahren habe man immer mehr darüber nachgedacht, wie man mit intelligenten Systemen diesen Energieverbrauch reduzieren kann. Labes: „Unser Konzept besteht aus mehreren Stufen. Die erste Stufe, um bei den Regalbediengeräten Energie einzusparen, ist die so genannte Zwischenkreiskopplung, bei der die Achsen miteinander verbunden werden.

Das bedeutet also, die Energie, die durch Bremsen frei wird bei einer Achse, wird dann gleichzeitig auch für die andere Achse wieder verwendet. Damit sind Energieeinsparungen gegenüber dem konventionellen System von 25 bis 30 % möglich. Die nächste Stufe ist dann die Netzrückspeisung, mit der man Energie, die bei den Regalbediengeräten über Bremsenergie frei wird, in das Netz zurückführen kann.“ Weitere Möglichkeiten liegen in der Verbindung einzelner Systeme über die Steuerungsebene. Diese Stufenkonzepte, so Vogt, „sind inzwischen Standard.“

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Lager- & Kommissioniertechnik: Materialfluss Round Table: Synergien für Anbieter und Kunden

Auch im Hause Stöcklin werden all diese möglichen Energiesparmaßnahmen verfolgt. Käufler: „Wir versuchen, auf der Steuerungsebene die aktiven Zwischenkreisläufe nicht nur miteinander zu verbinden, sondern auch intelligent anzusteuern, damit eine rückspeisende Achse die Möglichkeit hat, die noch wartende Achse zu speisen und somit Energie einzusparen.

In Zusammenarbeit mit einigen Kunden hat sich herausgestellt, dass es schön wäre, wenn man diese Parameter, die der Kunde zum Teil einstellen kann, auch zur Verfügung stellen könnte, sprich, dass der Kunde aktiv mitwirkt. Wir haben in der Visualisierung die Fahrströme gemessen, stellen dem Kunden auf dem Materialflussrechner die Ergebnisse zur Verfügung, und er kann dann selbst seine Ein- und Auslagerung terminieren. Außerdem ist es sinnvoll, nach Stromtarifzeiten zu arbeiten, also nach Tagtarif, Nachttarif, Hochtarif, Niedertarif und dann zu versuchen, Einlagerungen zum Beispiel in der Niedertarifzeit auf höher gelegene Felder zu machen.“

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SSI Schäfer nutzt die gleichen Techniken, um Energie einzusparen und steuert über die Materialflussebene die Geschwindigkeiten der RBGs so, dass sie bedarfsgerecht arbeiten. Muhlfinger: „Wir haben speziell bei Altanlagen festgestellt, dass RBGs ungenutzt laufen, und hier versuchen wir, Geräte, die nicht aktiv sind, automatisch abzuschalten. Wenn wir bei Neuanlagen noch die Möglichkeit haben, den Materialfluss zu beeinflussen, sorgen wir dafür, energieeffiziente Fördersysteme einzusetzen.“

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Rose als Vertreter der Gabelstaplerbranche ein „Exot“ in dieser Runde, hat festgestellt, dass es mit der Lagertechnik sehr viele Parallelen gibt, „womit ich so nicht gerechnet hätte. Gerade was die Energierückspeisung in Systeme angeht, das findet bei uns genauso statt. Wir haben bewusste und unbewusste Möglichkeiten, Energie einzusparen. Bei den verbrennungsmotorischen Staplern kann der Fahrer die Geschwindigkeit manuell per Schalter einstellen und entscheiden, ob er die volle Leistung der Maschine haben möchte, oder ob er wirtschaftlich arbeiten will. Bei letzterer Variante kann man bis zu 18 % Kraftstoff einsparen.

Das ist ein Aspekt, außerdem wird von den Herstellern natürlich auch darauf geachtet, dass die Motoren den aktuellen Abgasnormen entsprechen. Bei den Elektromaschinen ist es so, dass der Fahrer zwischen Leistungsstufen wechseln kann. Die Stapler sind über die Steuerung so eingestellt, dass bedarfsgerecht Energie zur Verfügung gestellt wird. Das heißt, dass eben bei Stand-bye die Maschine wirklich komplett tot ist und dementsprechend nirgendwo Ströme fließen, die nicht gebraucht werden. Zudem haben wir bei allen Staplern ein On-Off-System. In der Lagertechnik setzen wir genau die gleichen Techniken ein wie bei unseren AC-Gegengewichtsstaplern. Dort gibt es sehr viele Feinheiten an Parametern, die man einstellen kann, sowohl beim Service, aber auch als Fahrer.

Das geschieht über einen Bordcomputer, der detaillierte Einstellungen ermöglicht, bedarfsgerecht für den Kunden mit dem besten Energiehaushalt. Neue Pumpen sind natürlich auch ein ganz großes Thema, weil man versucht, mehr und mehr Reibungsverluste zu verhindern und bei der Hydraulik alles optimal zu regeln. So ist z. B. bei uns die gesamte Hydraulikeinheit in den Hubschlitten integriert worden, um eben auch dort Energie einzusparen. Des Weiteren wird versucht, Material zu minimieren, und außerdem sind die Maschinen so ausgelegt, dass man bis auf einen kleinen Bruchteil alles recyceln kann.

Optimierungspotenzial Mechanik

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Nach einer Analyse hat TGW festgestellt, dass 60 % des Energieeinsparungspotenzials in der Mechanik liegt. Vogt: „Die Mechanik ist der entscheidende Faktor, wie sich bei uns gezeigt hat, und man hat dann Maßnahmen getroffen, um leichtere Regalbediengeräte zu bauen. Damit wurde auch erreicht, die Anschlusswerte wesentlich zu senken. Also der Energiebedarf ist das Eine, das Andere ist aber der Anschlusswert. Je weniger Anschlussleistung ein Kunde hat, desto günstiger wird er auch vom Energieversorger eingestuft.“

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Einiges lässt sich auch über organisatorische Maßnahmen bewirken. Es gibt Spitzen, die man organisatorisch entschärfen kann. Labes: „Das geht aber nicht mit jedem Kunden, man muss also das Gespräch mit dem Kunden suchen, ihn darauf aufmerksam machen, dass man durch organisatorische Maßnahmen auch Geld sparen kann, denn wenn die Geräte dadurch mit einer geringeren Antriebsleistung dimensioniert werden, zahlt sich das natürlich auch im Invest aus.“

Deshalb, so Käufler, sei es wirklich wichtig, nicht nur im RBG zu denken, sondern den Kundenprozess und sein Tagesgeschäft zu verstehen. Nach den Erfahrungen von Ingo Rose haben immer mehr Kunden ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein und wollen auch damit glänzen, da ja auch hinter ihnen wieder Kunden stehen, und diesen könne man präsentieren, dass man ein Green-Logistics-Unternehmen sei.

Auf die Frage, ob es tatsächlich Kunden gibt, die bereit sind, Leistungseinbußen in Kauf zu nehmen, um sich dann Green-Logistics oder nachhaltiges Unternehmen auf die Fahnen zu schreiben, meint Vogt, dass das Eine das Andere ja nicht ausschließt und man trotzdem eine vernünftige Performance hinkriegen kann, wenn man das Gesamtkonzept entsprechend gestaltet.

Käufler: „Wenn ein Kunde bereit ist, in Auslagerpuffer zu investieren, dann können die Geräte schön sachte den Auslagerpuffer füllen, können die Ware bereitstellen und können am Morgen beispielsweise per Lkw abgeholt werden. Wenn der Kunde das nicht einsieht, dann muss man eben in die Spitzenleistungen gehen.“ Wichtig sei, dass das Tagesgeschäft des Kunden auf gar keinen Fall leiden darf, aber wenn er am Ende keine Leistungseinbußen und trotzdem eine bessere Lösung hat, die weniger Energie verbraucht, dann wird er natürlich immer dafür offen sein.

Die Bereitschaft zu Mehrinvestitionen zur Energieeinsparung hängt auch von einem überschaubaren Return of Investment (ROI) ab. Vogt: „Die Energierückspeisung ist bei RBGS ein gewisser Mehrinvest, den der Kunde tätigen muss, aber wenn man die ROI-Betrachtung macht, hat sich das nach zwei, drei Jahren locker gerechnet. Insofern rentiert sich dann die Investition, wenn man mittel- oder langfristig denkt, mit Sicherheit. „Labes: Wir machen diese Berechnung mit dem Kunden, damit er wirklich auf dem Papier sehen kann, wann sich das Ganze rechnet, das ist ja letztlich auch ein Verkaufsargument. Wir wollen natürlich was verkaufen, aber auf der anderen Seite hat der Kunde ja auch einen Nutzen und wenn er den erkennt, ist die Entscheidung leicht, zu sagen, ich bin bereit, mehr Geld auszugeben.“

„Bei den Staplern“ so Ingo Rose, „ist es überhaupt kein Mehrinvest, weil diese elektronische Steuerungslösung bei allen unseren Staplern Standard ist. Der Kunde entscheidet eben selbst, ob er Energie sparen möchte oder nicht, und er kann das per Knopfdruck lösen.“

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Recycling und Wiederverwertung

Anlagen leben nicht ewig, und zum Thema Nachhaltigkeit gehört auch der Bereich Recycling und Wiederverwertung. Da beginnt die Überlegung schon bei der Konstruktion. Labes: „Schon, wenn ich die Produkte entwickle, muss ich mir Gedanken machen, wie ich sie auch wieder entsorgen kann. Das ist auch ein Punkt, der gegen Aluminium und für Stahl spricht, weil ich an dieser Stelle wieder super recyceln kann. Wir verwenden auch bei der Beschichtung schon sehr umweltschonende Materialien, so dass man später beim Recyceln überhaupt keine Probleme hat. Es werden heute von allen keine nicht recycelbaren Materialien eingesetzt, zumal die Hersteller als Lieferanten gefordert sind, die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte nachzuweisen.“

Um Ressourcen zu schonen, werden beispielsweise bei Modernisierungen verschiedene Module wiederverwendet. Gerade im Bereich Fördertechnik sei das kein Problem. Rollenbahnen, Kettenförderer, usw. könne man demontieren und sie auch schnell wieder aufbauen. Die Software dafür müsse dann natürlich angepasst werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt, den der eine oder andere Kunde unterschätze, sei ein vernünftiger Service. Wenn er richtig gemacht und präventiv Wartungen durchgeführt würden, dann wird verhindert, dass Bauteile kaputt gehen, und jedes Bauteil, das durch einen guten Service erhalten wird, muss nicht neu produziert werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für Stapler. Auch hier ist das A und O die Wartung. Rose:

„Wenn ich die Maschine gut warte, dann kann ich die Lebensdauer verdoppeln. Von daher ist es natürlich auch wichtig, dass man das Wartungspersonal entsprechend geschult hat, dass man von vornherein mit dem Kunden auch Bewusstsein entwickelt, dass die Investition am Ende nur lohnt, wenn ich die Nachhaltigkeit eben auch im Betrieb gewährleisten kann. Das kriegt man nur mit einem guten Service hin.“

Beim Service gibt es unterschiedliche Konzepte. Einige Kunden haben eigenes, relativ gut ausgebildetes Instandhaltungspersonal, anderen bieten die Hersteller einen Fulltime-Service mit eigenen Mitarbeitern an. Bei SSI-Schäfer gibt es auch die Variante, dass die eigenen Mitarbeiter auf der Anlage sind und diese täglich betreuen. Stöcklin verkauft mit der Anlage für zwei bis drei Jahre die Dienste eigener Mitarbeiter, die dann die Anlage nicht nur warten, sondern auch führen und bedienen.

Was die Zukunft bringen könnte

Nach einstimmiger Meinung der Gesprächsrunde geht es beim Thema Energieeinsparung dahin, dass die im Logistikzentrum benötigte Energie auch selbst erzeugt wird. Mit Solartechnik, Windkraft und dergl. gilt es, Energie dort zu erzeugen, wo sie gerade benutzt wird, ohne Transportkosten und ohne Verluste. Eine weitere Idee wäre nach Ingo Rose, „nicht nur Strom selbst zu erzeugen, sondern auch für die Wärmeversorgung im Lager die großen Flächen zu nutzen, um Wasser auf Temperatur zu bringen, über ein Rohrleitungssystem ins Lager zu leiten und so eben kein Heizkraftwerk nutzen zu müssen. Moderne Schleusensysteme sind natürlich auch ganz wichtig. Was Stapler betrifft, ganz klar, wenn ich Solarenergie erzeugen kann, dann kann ich diesen Strom auch in den Stapler führen.

Aber einen Stapler mit einer Solarzelle auszurüsten, der sich selber auflädt, das wird schwierig werden, weil die Fläche auf dem Stapler zu klein ist. Muhlfinger: „Es gibt im Lager ja noch mehr Faktoren, die Energie verbrauchen, etwa die Isolation und die Beleuchtung. Man kann energieeffiziente Heizsysteme einbringen, in Zukunft beispielsweise eine Fußbodenheizung speziell für abgeschlossene Bereiche. Bei der Beleuchtung kann man über Lichtbänder natürliches Licht erzeugen, man kann die Büros an der Außenfront platzieren, man kann mit Bewegungsmeldern arbeiten und, und und. Käufler: „Da muss man die Kunden wecken, weil was nutzt die beste Rückspeisung, wenn ich sie für die Gassenbeleuchtung gleich wieder verwende.“

Als Fazit konnten die Gesprächsteilnehmer feststellen, dass sich ihre Erfahrungen größtenteils decken. Obwohl natürlich der Invest nach wie vor eine Rolle spiele, würden aber auch die Folgekosten im Vorfeld abgefragt. Labes: „Das hat vor zehn, 15 Jahren keinen interessiert, heute fließt das in die Angebotsauswertung mit ein, und an diesem Punkt kann man als Anbieter auch punkten.“ Rose: „Man merkt, dass in allen Branchen daran gearbeitet wird, Energie zu sparen. Der Umweltgedanke schwebt über allem, und ich kann auch nur bestätigen, dass das Kundenbewusstsein da ist. Das muss sich in der Industrie festigen, dass eben mehr Lösungen in dieser Richtung angeboten werden.

Die Entwicklung ist einfach da, und wir werden in den nächsten Jahren weitere Entwicklungen feststellen, die darin münden, dass in modernen Lagern sogar Energie gewonnen werden kann. Muhlfinger: „Es ist auffällig, dass überall die gleichen Maßnahmen zum Tragen kommen, dass alle gleiche oder ähnliche Erfahrungen machen.“ Käufler: „Man spürt, dass es ein Thema ist, nicht erst seit kurzer Zeit, dass alle schon daran sind. Ganz klar, der Leitsatz heißt, Energie erst gar nicht zu gebrauchen. Die Physik können wir nicht überrumpeln oder austricksen, der müssen wir Rechnung tragen, und da sind wir fest dran“

Die Nachhaltigkeit spiele, wie Vogt ausführte, ja nicht nur beim Ergebnis des Produktes eine Rolle, sondern auch bei dessen Herstellung. So werde sehr viel Wert darauf gelegt, dass man das Ressourcen schonend macht und dass es Mitarbeiter schonend erfolgt. Mitarbeitermotivation, Mitarbeiterschulung und Training gehöre beim Thema Nachhaltigkeit zum Gesamtbild, „weil der Mensch hier eine ganz zentrale Einheit ist.“

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MLOG Logistics GmbH, D-32107 Bad Salzuflen, E-Mail: [email protected], www.kardex-mlog.com

Nissan Forklift Deutschland, D-46149 Oberhausen, E-Mail:[email protected], www.nissanforklift.de

SSI Schäfer Noell GmbH, D-97232 Giebelstadt, E-Mail: [email protected], www.ssi-schaefer.de

Stöcklin Logistik AG, CH-4143 Dornach, E-Mail: [email protected], www.stoecklin.com

TGW Systems Integration GmbH, A-4600 Wels, E-Mail: [email protected], www.tgw-group.com

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