Förder- & Hebetechnik
Teamwork unter Konkurrenten
Beim Logistikdienstleister C-Log in Frankreich werden Shuttle und RBG zusammen in einem Regal eingesetzt. Der Hauptvorteil: Doppelt so schnell als ein klassisches AKL.
Das Bestellverhalten der Kunden des Logistikdienstleisters C-Log hat sich durch den Online-Handels innerhalb der letzten 10 Jahre immens verändert. Zudem verzeichnete der Mutterkonzern ein enormes Wachstum. Für C-Log war dies eine Herausforderung die durch die Modernisierung und Erweiterung der französischen Logistikzentren bewältigt wurde. Im Fokus stand die Erhöhung der Umschlagsleistung, um die Lieferbereitschaft weiter zu verbessern. Eine weitere Vorgabe war die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze.

Die beiden C-Log-Hauptlager in der Bretagne wurden von Gebhardt Fördertechnik vor kurzem mit moderner Intralogistik ausgestattet. Das Logistikzentrum in Pleudhien wurde erweitert und modernisiert. Heute verrichten dort insgesamt 16 Regalbediengeräte, sowie mehrere Kilometer Fördertechnik aus dem Hause Gebhardt ihren Dienst. Die RBG sind mit Multigreifer-passiv Lastaufnahmemitteln ausgestattet, die eine direkte ein- und mehrfachtiefe Lagerung von Kartons ermöglichen.
20 km weiter nördlich von Pleudhien befindet sich das C-Log Lager in Saint Malo, welches die modernste und neueste automatische Intralogistik aller C-Log Logistikzentren enthält. Gebhardt belieferte als Generalunternehmer auch dieses Lager mit einer intralogistischen Gesamtlösung, welche im Jahre 2011 in Betrieb genommen wurde.
Ankommende LKW mit neuen Warenlieferungen werden in diesem Lager über an den Laderampen verschiebbaren ConBoom Teleskopgurtförderern entladen. Nach dem Abladen der Ware und der weiteren Bearbeitung gelangen die Kartons über eine Förderstrecke zu einer Kontrolleinheit. Dort werden die einzelnen Kartons zunächst einer Qualitätsprüfung unterzogen. Anschließend wird mittels eines Etikettierer eine eindeutige Kartonnummer aufgebracht, das Fördergut wird gewogen, sowie die Beschaffenheit der Kartons automatisch überprüft. Entspricht ein Karton nicht den korrekten Abmessungen, gelangt dieser über eine dafür bestimmte Förderstrecke zu einer Umpackstation. Die unbeschädigten und umgepackten Kartons werden zunächst in einem 100 m langen und knapp 13 m hohen automatischen Lager, dem Dynamic Handover System (DHS) gelagert. Das Dynamic Handover System zeichnet sich dadurch aus, dass die Leistung gegenüber einem klassischen AKL verdoppelt werden kann.
Gleichzeitig kann der Energieverbrauch um die Hälfte reduziert werden. Dies wird durch ein Zusammenspiel von Shuttles und RBG erreicht. Die Shuttles des Gebhardt Typs StoreBiter 300 OLS fungieren hierbei als eine Art Diener und versorgen einerseits das Regalbediengerät mit einzulagernder Ware andererseits nehmen sie dem RBG auszulagernde Kartons wieder ab. Sie sind das Verbindungsstück zwischen Vorzone und Regalbediengerät. Das RBG kann durch die Leistungssteigerung mit verringerter Dynamik betrieben werden. Dies führt zu geringerem Verschleiß und Energieverbrauch. Das Lager umfasst 80.000 Stellplätze, die durch fünf Regalbediengeräte und 10 StoreBiter OLS bedient werden.
Die Vorgabe des Kunden war klar: Um alle Aufträge täglich bearbeiten zu können, sollte eine Umschlagsleistung von 1000 Kartons pro Stunde erreicht werden. Der Einsatz eines reinen Shuttle-Lagers oder auch eines klassischen AKL mit Regalbediengeräten wurde den Anforderungen des französischen Logistikdienstleisters nicht gerecht. Während ein reines Shuttle-Lager zwar die notwendige Umschlagsleistung problemlos erreicht hätte, wurde diese Lösung aus Budgetgründen nicht weiter verfolgt. Ein Lager, welches ausschließlich auf Regalbediengeräte setzt, hätte um die geforderte Umschlagsleistung zu erfüllen doppelt so viele Gassen benötigt. Aus diesen Gründen haben C-Log und Gebhardt Fördertechnik sich für eine Variante entschieden, die aus der Kombination zwischen Regalbediengerät und Shuttle besteht.
Dadurch konnten die Vorzüge beider Technologie verbunden und im Zusammenspiel optimiert werden: Durch die Shuttles, welche unterhalb der ersten Regalebene verfahren, wurden die Fahrwege des RBG erheblich verkürzt. Zudem reduziert sich die Komplexität des Gesamtsystems. Höhere Leistungen können mit weniger Regalgassen erreicht werden. Diese Leistungssteigerung kann je nach Ausgestaltung der Lagergeometrie erheblich ausfallen. Durch den Einsatz der Shuttlefahrzeuge wird die bewegte Masse im Gesamtsystem deutlich reduziert, was zu deutlicher Energieeinsparung führt. Während das Verhältnis von Ladegutgewicht zu Gesamtgewicht beim RBG bei ca. 1 zu 40 liegt, ist es beim Shuttle 1 zu 1,5. Ferner kann bei DHS auf eine Vorzone mit klassischen E/A-Punkten verzichtet werden. DHS verwendet zudem ein einfacheres Vorzonenlayout. Das System ist für Wartung und Instandhaltung sehr gut zugänglich. Außerdem sind die verbaute Mechanik und die verwendeten Antriebskomponenten wartungsarm konstruiert. Durch die Verlängerung der Wartungsintervalle kann die Systemverfügbarkeit gesteigert werden.
Hinter den Kulissen werden Aufträge bei C-Log in Batches gebündelt. Ein Batch enthält Bestellungen mehrerer Shops. Das heißt es wird zunächst artikelorientiert für mehrere Filialen kommissioniert. Dafür gibt es neben dem DHS Lager, welches als Rückgrat für die folgenden Kommissioniervorgänge dient, auch noch ein dynamisches Kommissionierlager mit Artikeln hoher Umschlagshäufigkeit. Dieses ebenfalls 100 m lange dynamische Fließlager dient der direkten, manuellen Kommissionierung. Es besteht aus zwei Gassen und drei Ebenen. Je Gasse und Ebene fährt ein Multilevel-Shuttle (StoreBiter MLS), welches in der Lage ist, ohne Vertikalförderer mehrere Regalebenen zu bedienen und die Kanäle mit Kartons aus dem DHS-Lager aufzufüllen. Insgesamt bedient jedes MLS Shuttle vier Regalebenen, die zur Kommissionierung dienen sowie eine fünfte Regalebene, die als Pufferlager für fertig kommissionierte Aufträge zur Verfügung steht. Die Mitarbeiter kommissionieren mittels visueller Anzeige auf einem mobilen Terminal an den Kommissionierwagen. Hier werden die Menge, der Pickplatz und der entsprechende Karton angezeigt. Unterstützt wird dieses Vorgehen durch ein Pick-by-Light System.
Sobald alle Kommissionieraufträge eines Batches, also eine Bündelung mehrerer Bestellungen, bearbeitet wurden, wird dieser Batch abgerufen. Die sich im shuttlebedienten Pufferlager und im DHS System befindlichen Kartons werden Richtung Cross-Belt Sorter im Versand geschickt. Am Versandsorter angekommen werden die einzelnen Artikel dann nach den entsprechenden Shops sortiert, anschließend in Kartons verpackt, welche automatisch verschlossen und etikettiert werden.
Über C-Log
Der französische Logistikdienstleister C-Log ist ein Tochterunternehmen eines französischen Textil-Handelsunternehmens, welches mit den 6 Prêt-á-Porter Marken in über 40 Ländern in Europa, dem Mittleren Osten und Asien vertreten ist. C-Log übernimmt hierbei die komplette logistische Abwicklung der eingehenden Bestellungen, sowohl die der einzelnen Shops (B2B), als auch die der Internet-Kunden (B2C).

Gebhardt Fördertechnik GmbH, E-Mail: [email protected], www.gebhardt-foerdertechnik.de










