Westfalias Satellitenlager

Martin Schrüfer,

Im Effizienz-Fokus: der Satellit

Kühl- und Kältetechnik im Lager muss effizient sein. Mehrfachtiefe Kompaktlager sparen Kosten und Energie. Verglichen mit manuellen Lagern ermöglichen sie mehr Kapazität bei gleichbleibender Grundfläche. Satellitenlager erreichen einen besonders hohen Raumnutzungsgrad.

© Westfalia

Kühl- und Kältetechnik im Lager möglichst effektiv einzusetzen, heißt, den zu kühlenden Raum klein zu halten. Das gelingt mit automatischen, mehrfachtiefen Kompaktlagern. Dabei werden mehrere Ladeeinheiten hintereinander in tiefen Lagerkanälen angeordnet. Solche automatischen Lagersysteme nutzen die gesamte Hallenhöhe von mehr als 40 Meter, sind in Bestandshallen integrierbar oder in Silobauweise ohne eigenständige Halle realisierbar. Die Ware lagert dichter als in einfachtiefen oder doppeltiefen Lagersystemen, da das Lager je nach Anforderung auf eine Gasse und ein Regalbediengerät (RBG) reduziert werden kann. Im Vergleich zu manuellen Lagern erhöht sich die Kapazität um ein Vielfaches bei gleichbleibender Grundfläche. Das spart teure Gewerbeimmobilien, außerdem sinken die Kosten und der Energieverbrauch pro Stellplatz.

Auf die Kompaktheit kommt es an

Westfalia Logistics Solution Europe hat ihr patentiertes Satellitenlager für diese mehrfachtiefe Lagerung und maximale Lagerdichte konzipiert. Alle Systemkomponenten werden je nach Anforderung für Normaltemperaturlager, Kühllager und Tiefkühllager für bis zu minus 35 Grad Celsius ausgelegt. Bei Bedarf lassen sich mehrere Temperaturzonen in einem Lagersystem integrieren. Komplexeste Lagerprozesse werden auf engstem Raum konzentriert und automatisiert. So profitiert beispielsweise das Reifelager von Tönnies in Badbergen von dieser Kompaktheit und dient als Drehkreuz eines der modernsten Rindfleischproduktionen Europas. Es wurde in eine entkernte Bestandshalle integriert.

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Satellitenlager erreichen einen besonders hohen Flächen- und Raumnutzungsgrad, der auch Nischen zwischen Hallenbindern umfasst. Sie sind besonders für eine mittlere Sortimentsvielfalt geeignet. Das Lastaufnahmemittel Satellit kann bis zu drei Ladeeinheiten aufnehmen und zu beiden Seiten der Lagergasse ein- und auslagern, bei besonders hoher Lagerkanaltiefe aber nicht jederzeit auf alle Waren direkt zugreifen. Sind Lagergassen mit besonders hoher Zugriffsfrequenz gefragt, setzt Westfalia alternativ Teleskopgabeln als Lastaufnahmemittel ein.

Ist hingegen eine hohe Kapazität mit einer gesteigerten Zugriffsfrequenz zu kombinieren, kommen zusätzliche Sequencing-Buffer zum Einsatz, die Waren tourengerecht sequenzieren – beispielsweise in den Hochregallagern des Anbieters temperaturgesteuerter Logistik Lineage Logistics in Lelystad und Rotterdam. Auch die Lagerstrategien der Logistiksoftware Savanna.NET, die als Warehouse-Execution-System alle Funktionen für Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung für maximale Datentransparenz und Lagerkontrolle vereint, ermöglicht einen breiten Einsatz der Satellitentechnologie.

Höhere Wirtschaftlichkeit und Effizienz durch Satellitenlager

Schüssel zur Effizienz ist der Satellit. Dieser löst sich vom RBG und fährt in beliebig tiefe Kanäle, die mit speziellen Lagerprofilen für ein materialschonendes Handling ausgerüstet sind. Zusätzliche Auflagepunkte unterstützen strapazierte Ladehilfsmittel. Diese sind dadurch länger nutzbar, ohne beschädigt zu werden und Störungen zu verursachen. Satelliten sind je nach Ausführung für hohe Lasten, unterschiedlichste Ladehilfsmittel und Formate sowie palettenlose Lagerung ausgelegt. RBG werden entsprechend der Anforderung mit einem oder mehreren Satelliten oder besonders langen Satelliten für eine höhere Ein- und Auslagerleistung ausgestattet. Je nach RBG-Ausführung sind sehr niedrige Anfahrmaße realisierbar.

Hersteller und Logistikdienstleister können auf diese Weise auf minimaler Fläche bei einem stündlichen Durchsatz hunderter Paletten große Artikelmengen bündeln, umschlagen oder strategisch für höchstmögliche Lieferkettenstabilität lagern. So lassen sich problemlos saisonale Waren bis zum Abverkauf oder mehr Rohstoffe zu Niedrigpreisen vorhalten. Statik und Flächen bieten sich für Solarmodule an.

Die Fahrzeuginfrastruktur wird reduziert

Auch abseits der Kühl- und Kältetechnik punkten Kompaktlager bei der Energieeffizienz: Das System erreicht durch die optimale Kombination von Ein-, Aus- und Umlagerungen eine hohe Streckeneffizienz, spart durch weniger Fahrzeuge Energie sowie Servicekosten im Vergleich zu mehrgassigen Lagern. Mit Unfallrisiken behaftete Fahrwege und Flurförderzeugflotten verringern sich. Diese sind nur noch in Aufgabe- und Ladezonen notwendig, die sich ebenfalls automatisieren lassen. Regalbediengeräte sind mit energieeffizienten Qualitätsantrieben, intelligenten Steuerungslösungen und Antriebsumrichtern ausgestattet.

Mit hoher Prozesssicherheit verringern sich Fehler bei Kommissionierung und Distribution. Retouren und unnötige Lkw-Kilometer sinken und verbessern die CO2-Bilanz des Unternehmens. Die Automatisierung entlastet zudem das Personal bei der Arbeit unter extremen Temperaturen. Um Lkw-Touren automatisch über Nacht bereitzustellen, muss kein vollständiges Lagerteam mehr vor Ort sein. Satellitenlager sind daher optimal für Produktionspufferung, Mindestmengenniveau und starke Nachfrageschwankungen bei begrenztem Personal. Sie liefern einen wichtigen Baustein zur Wirtschaftlichkeit und Klimaneutralität von Unternehmen.

Der Beitrag erschien in materialfluss 8-9/22.

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