Förder- & Hebetechnik

Fit für das Solarzeitalter

Clevere Intralogistik sorgt für flexible und effektive Prozesse im neuen Logistikzentrum von SMA Solar Technology. Der Generalunternehmer steuerte einen ausgewogenen Mix aus manuell bedienten, teilautomatisierten und  vollautomatischen Lagersystemen bei.Mitte April nahm die SMA Solar Technology AG, Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern, ihr neues Logistikzentrum im Magna Park Kassel in Betrieb. In der rund 47.000 m² großen Halle an der Autobahn 7 bündelt und optimiert das Unternehmen seine Logistikprozesse zur Materialversorgung der Produktion. Als Partner für die Implementierung der intralogistischen Einrichtungen begleitete die SSI Schäfer-Gruppe dieses Projekt.

Förder- & Hebetechnik: Fit für das Solarzeitalter

„Das Gesamtkonzept hat sowohl in puncto Qualität, Flexibilität und Reaktionsfähigkeit, als auch im Preis überzeugt“, begründet Dr. Armin Lohse, Vice President Launch Management & Supply Chain bei SMA, die Wahl. Auch angesichts des engen Zeitfensters habe sich die Entscheidung als goldrichtig erwiesen: „Von der Planung bis zur ersten Teilinbetriebnahme sind gerade einmal zehn Monate vergangen. Um dies realisieren zu können, brauchten wir einen vertrauensvollen Partner, der unter Professionalität und Zielorientierung das Gleiche versteht wie wir und unsere besonderen Ansprüche bestens kennt. Auch das hat SSI Schäfer geleistet.“

„Die Geschäftsbeziehung zwischen beiden Unternehmen hat gewissermaßen schon Tradition“, ergänzt Kristian Hanke, SSI Schäfer-Gebietsleiter im Außendienst. „Seit rund 15 Jahren setzt SMA Behälter und Regaltechnik von SSI Schäfer ein, z. B. Fachboden-, Paletten und Durchlaufregale.“

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Auch das Gros der manuell bzw. staplerunterstützt bedienten Regale im neuen Logistikzentrum stammt vom Systemanbieter aus Neunkirchen. Eine spezielle Bedeutung in der Technologie getriebenen Supply Chain von SMA kommt jedoch dem 5-gassigen Automatischen Kleinteilelager (AKL) im Servicebereich sowie einem halbautomatischen Lagersystem für Kleinladungsträger (KLT) zu. Letzteres dient der „just-in-time“-Versorgung sämtlicher Produktionsstätten. Die Implementierung des AKL verantwortete die Abteilung „Automatisierte Gesamtsysteme“ von SSI Schäfer, Neunkirchen. Das halbautomatisierte Lagersystem setzte SSI Schäfer, Graz, federführend um.

AKL für variierende Ladeeinheiten

Im Servicebereich werden von den Kunden eingesandte defekte Wechselrichter zunächst vereinnahmt und zwischengelagert. Das Avis zur Einlagerung wird durch das übergeordnete, auf SAP basierende ERP-System an den Lagersteuerrechner übermittelt. Jeder Tray ist mit einem RFID-Tag ausgestattet, der über eine in die vorgelagerte Fördertechnik integrierte Station gelesen wird. Parallel werden diese Daten an das Lagersteuerungssystem (LSS) gemeldet.

Die an SAP angebundene Softwarelösung WAMAS A von SSI Schäfer bildet die Lagerstruktur inklusive der Fachbelegung ab. Auf Basis dieser Informationen bestimmt das System freie Fächer und berücksichtigt u.a. Höhenklassen, Pufferfüllgrade, Verteilung und Verfügbarkeiten. In Folge werden die Ladeeinheiten über den Fördertechnik-Loop der zugewiesenen Gasse zugeführt, wo sie vom jeweiligen Regalbediengerät (RBG) aufgenommen und auf einem der 9.940 Stellplätzen des AKL eingelagert werden. Zeitgleich erfolgt die Rückmeldung an SAP. Die Auslagerung folgt zwei Prinzipien: Die Auslagerung defekter Wechselrichter wird durch das Fertigungssteuerungssystem angestoßen und über SAP an das LSS übermittelt. Nach erfolgter Reparatur werden sie erneut im AKL zwischengelagert. Der Prozess zur Auslagerung instandgesetzter Austauschgeräte hingegen folgt spezifischen Informationen wie z.B. Serialnummern, die in den von SAP generierten Aufträgen enthalten sind.

Bei den fünf AKL-RBG des Typs SMC 2 von SSI Schäfer handelt es sich um kompakte Zwei-Mast-Geräte. Auf einer Länge von ca. 68 m und einer Höhe von 7,75 m ver- und entsorgen sie die Stellplätze des AKL mit den auf Styroportrays in zwei Abmessungen aufgesetzten Wechselrichtern: 550x750x50 und 910x750x50 mm. Das Maximalgewicht beläuft sich auf 70 kg. Bei Fahrgeschwindigkeiten bis zu 5 m und 4 m beim Hub pro Sekunde können stündlich jeweils etwa 62 Geräte pro Gasse ein- und ausgelagert werden.

Der Zugriff auf die unterschiedlich großen Geräteträger erfolgt über ein als kombinierter Teleskoptisch mit Tauschvorrichtung ausgeführtes Lastaufnahmemittel. „Der SMC 2 kommt bei SMA deutschlandweit erstmals produktiv zum Einsatz“, erklärt Jürgen Kalkenbrenner, Leiter Vertrieb Automatisierte Gesamtsysteme bei SSI Schäfer. „Der hohe Standardisierungsgrad der SMC-Bauteile bietet eine schnelle Verfügbarkeit bei kurzen Montage- und Inbetriebnahmezeiten.“ Zudem zeige sich hier, dass Automation und Flexibilität durchaus vereinbar seien. Über ein integriertes Notfallkonzept, das eine variable Aufteilung der Gassen zulässt, sei zudem maximale Prozesssicherheit gewährleistet.

Bühnenanlage bedient den internen Kunden – Produktion Just-in-Time

Eine weitergreifende Flexibilisierung wurde durch das dreigeschossige, halbautomatische Kleinteilelager mit einer speziellen Fördertechnik-Lösung für Behälter und Kartons erreicht. Die Bühnenanlage mit integriertem Kolli-Durchlaufrahmen Typ KDR ist in ein Palettenregal mit ca. 460 Stellplätzen integriert worden. Das KLT-Lagersystem dient der Bestückung der Routenzüge zur Produktion. Prozesssicherheit ist daher hier besonders wichtig. „Sollte es zu Problemen in der Anlage kommen, steht die Produktion in sämtlichen Werken spätestens zwei Stunden später still, da diese selbst über keine Materialbestände verfügen“, erklärt Helmut Benfer, Mitarbeiter im Vertrieb Regaleinrichtungen bei SSI Schäfer. „Daher haben wir uns auch nur für eine Teilautomatisierung entschieden“, führt SMA Projektleiter Dr. Lohse weiter aus. „So sind wir in unserer Flexibilität nicht beeinträchtigt und können die Ressourcen adäquat steuern.“

Die Tragkonstruktion der ca. 60 m langen, 11 m breiten und 8,80 m hohen Bühnenanlage setzt sich aus zwei an den Längsseiten angeordneten einzeiligen Palettenregalen mit sechs Ebenen sowie zwei innen liegenden, doppelzeiligen Palettenregalen mit jeweils vier Ebenen zusammen. Die zwei angehängten Bühnenebenen sind mit den Palettenregalen verbunden und bieten zusätzlich Verkehrsflächen an den Stirnseiten. Die Bühnenbelastung beträgt 700 kg/m² je Geschossebene. Die Fachlast des Palettenregals ist auf 2.000 kg ausgelegt.

Bei den Produkten handelt es sich vornehmlich um elektronische Bauelemente, die bereits bei den Lieferanten vorkommissioniert worden sind. Als Ladungsträger kommen Kunststoffbehälter in zwei Größen sowie Kartons zum Einsatz. Das Gewicht variiert zwischen 0,6 und 12 kg.

Förder- & Hebetechnik: Fit für das Solarzeitalter

Die aus dem KDR kommissionierten Behälter werden mit einem in SAP generierten Barcode versehen, manuell auf die ESD-fähig ausgeführte Behälterfördertechnik gesetzt und somit auf eine der acht Zielbahnen ausgeschleust. „Mit einer möglichen

Durchsatzleistung von rund 1.200 Behältern pro Stunde bietet die Anlage quasi noch ‚Luft nach oben’, ein Umstand, der dem Flexibilitätsanspruch von SMA gerecht wird“, so Benfer. Aktuell durchlaufen in Spitzen um die 5.200 KLT die Behälterfördertechnik.

Statement

Leistungsfähige Logistik für eine solare Zukunft

„Die Gesamtlösung von SSI Schäfer entspricht exakt unseren Anforderungen an eine schlanke und flexible Prozessgestaltung“, resümiert Dr. Lohse. „Damit haben wir eine stabile Basis geschaffen, um auch in Zukunft durch entsprechende Anpassungen schnell auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können.“

SMA Solar Technology AG, E-Mail: [email protected], www.sma.de

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