Lager- & Kommissioniertechnik
Wenn Lagerware zelten geht
Nicht nur Nomadenvölker und Naturliebhaber schätzen Zelte wegen ihrer Flexibilität. Auch in der Logistik sind immer häufiger Lagerzelte zu finden. Dafür gibt es eine Menge guter Gründe.

Unternehmen der Logistikbranche können besondere Erfolge verzeichnen, wenn ihre Produkte die Flexibilität der Kunden verbessern. Lagerzelte sind dafür ein gutes Beispiel: Einige Hersteller konnten im vergangen Jahr Zuwächse um rund 40 % verzeichnen und mussten ganz erhebliche Anstrengungen unternehmen, den Wünschen ihrer Kunden nachzukommen.
Das klassische Lagerzelt besteht aus einem Aluminiumgerüst, das mit Schwergewebeplane bespannt oder an den Seitenwänden mit Trapezblechen bekleidet wird. Zu den Trends im Markt gehört, neben dem gesunden Wachstum der Anbieter, auch die immer längere Standzeit der Zelte. Dr. Stefan Sattler, Geschäftsführer der Herchenbach Industrie-Zeltebau GmbH: „Obwohl es sich um temporäre Bauten handelt, bleiben die Zelte, die wir für Lagerzwecke aufbauen, immer längere Zeit an einem Standort. Oft werden sie nach Ablauf der Mietzeit auch vom Nutzer gekauft.“
Ein weiterer Trend ist die immer bessere Ausstattung der Zelte, die sich aus der sich veränderten Nutzung ergibt: Traditionell setzt man Zelte für Lagergut ein, das nur selten benötigt wird, zum Beispiel für Werkzeuge für Maschinen und Anlagen. Heute wünschen immer mehr Unternehmen temporäre Lager für schnell drehendes Lagergut.
Ein Beispiel: Die Packwell GmbH & Co. KG in Schwepnitz benötigte 1.600 m2 zusätzliche Fläche für die trockene, wetter- und sturmfeste Lagerung von Fertigprodukten wie Faltkartons, Stanzverpackungen und Displays. Die Entscheidung fiel aus mehreren Gründen für ein Zelt. Dazu Bernd Altenburg, Leiter EDV von Packwell: „Zelte sind preiswert in der Anschaffung und kostengünstig im Unterhalt.“ Der Anwender muss keine Grundsteuer zahlen, und die Aufwendungen sind als Betriebsausgabe von der Steuer absetzbar.
Packwell beauftragte die Busche Zeltanlagen GmbH & Co. KG mit der Errichtung eines Lagerzeltes, das dank Lkw-Einfahrt auch von Gabelstaplern befahren werden kann. Der Aufbau nahm nur wenige Tage in Anspruch, und bei Bedarf kann die Halle mit geringem Aufwand versetzt oder umgebaut werden.
Da sich die Zeltkonstruktionen in Rastermaßen beliebig verlängern lassen und auch mehrschiffige Zelte möglich sind, kann der Anwender die Abmessung an seinen Bedarf anpassen. Bei Traufhöhen von 6 m und mehr lassen sich Güter auch platzsparend stapeln. Mobile oder stationäre Warmluft-Heizsysteme sorgen für eine angenehme Temperierung. Natürlich gibt es jeweils herstellerspezifische Besonderheiten. So setzt etwa Haltec bei seinen Zeltkonstruktionen eine zusätzliche Innenplane ein, die Schwitzwasser zum Boden ableitet, und die Zelte von Losberger kommen ohne Eckstreben aus, so dass man das Lagergut auch an den Seienwänden durchgängig bis unter die Traufe unterbringen und den Raum somit bestmöglich nutzen kann.
Auch für andauernde Nutzung
Wie unterschiedlich das Anforderungsprofil an temporäre Lagerlösungen schon bei einem Unternehmen sein können, zeigt ein Praxisbeispiel von Herchenbach. Für den Automobilzulieferer TRW Lucas Automotive, der am Standort Koblenz u.a. ABS-Produkte, Bremskraftverstärker und Scheibenbremsen produziert, hat das Unternehmen inzwischen drei Hallensysteme geplant und errichtet.
Die erste Halle mit mehreren 100 m2 Grundfläche ist ein klassisches Lagerzelt mit Dach und Seitenwänden aus PVC. Sie wird als temporäre Lösung für einige Monate während einer Umbauphase in der Produktion genutzt. Eine weitere Halle mit rund 1.000 m2 und Trapezblechseitenwänden mit einfachen Schiebetoren dient als Kaltlager für Rohmaterial, Halbzeuge und Transportleergut. Diese Halle wird zumindest einige Jahre genutzt werden.
Zentrale und dauerhafte Anwendung ist eine dreischiffige Lagerhalle mit weit mehr als 2.000 m2 Grundfläche, die als Logistik-Center dient. Diese Halle besteht aus einem mit Trapezblech verkleideten Lagerbereich und einem mit Plane eingekleideten Verladebereich. Im Lagerbereich dieser Halle werden Paletten, Gitterboxen und Spezialgestelle gelagert. Es wird sowohl Leergut als auch verladefähiges Vollgut bewegt. In die Halle wird im Drei-Schicht-Betrieb eingelagert und im Zwei-Schicht-Betrieb verladen. Die Halle ist mit Vollgut für zwei Tage bestückt, das Leergut wird ein- bis zweimal am Tag komplett ausgetauscht. Das stellt hohe Anforderungen an Warenein- und -ausgang. Herchenbach hat daher fünf Turbo-Schnelllauftore mit automatischen Öffnungssystemen und Ampelanlage installiert, über die bis zu drei Lkws gleichzeitig be- und entladen werden können. Der Verladebereich ist mit 8 m breiten Sonder-Planentoren ausgestattet. Die guten Lichtverhältnisse durch das Planendach sind ein Vorteil bei der Hallennutzung im Mehrschichtbetrieb.
Diese Hallensysteme wurden in intensiver Abstimmung zwischen Herchenbach und TRW Lucas Automotive geplant. Wesentliche Argumente für die Wahl von Leichtbauhallen war die Flexibilität in der Aufstellung und Nutzung und die Tatsache, dass der vorhandene Industrieuntergrund aus Asphalt und Verbundpflaster ohne weitere Fundamente genutzt werden konnte. Die gewählte Lösung wurde innerhalb weniger Wochen realisiert und schont nachhaltig das Investitionsbudget des Konzerns.
Der Anwender bleibt flexibel
Auch wenn ein Zelt einmal steht, bleibt es flexibel, weil es je nach Bedarf versetzt, verkleinert oder erweitert werden kann. Erstaunlicherweise werden diese Eigenschaften in der Praxis aber weniger genutzt als man meinen sollte. Denn die Zelte erweisen sich als sehr dauerhaft. Dr. Stefan Sattler: „Häufig kaufen die Kunden das Zelt nach Ablauf der Mietfrist und nutzen es weiter.“ Auch das gehört offenbar zur Flexibilität: Eine sinnvolle Nutzung für Lagerraum findet sich immer.

Busche Zeltanlagen GmbH & Co. KG, E-Mail: [email protected], http://www.busche-zelte.de
Haltec Hallensysteme GmbH, E-Mail: [email protected], http://www.haltec.net
Herchenbach Industrie-Zeltebau GmbH, E-Mail: [email protected], http://www.herchenbach.de
Losberger GmbH, E-Mail: [email protected],http://www.losberger.com









