Lager- & Kommissioniertechnik
Der welthöchste Tiefkühlschrank
Im Südosten Chinas wachsen am Perlflussdelta Mega-Citys zu einem Ballungsgebiet unerreichten Ausmaßes zusammen. Versorgungshubs müssen hier teuren Baugrund effizient ausnutzen: Eine Herausforderung, die die Hochregal-Spezialisten der voestalpine Krems Finaltechnik 45 Meter in die Luft gehen lässt.

Perlflussdelta – das klingt romantisch. Knallhart aber zeigt die Realität dieser Boom-Region: Hier entwickelt sich mit Mega-Citys wie Guangzhou, Hongkong und Shenzhen das größte Stadtkonglomerat der Welt, in dem gut 60 Millionen Einwohner zu versorgen sind. Hubs in den städtischen Randzonen übernehmen wichtige Verteilerrollen, stehen allerdings auf immer teurer werdendem Grund. Als Lösung bieten sich Hochregallager an. In Shenzhen, der Millionenstadt nördlich von Hongkong, haben die österreichischen Spezialisten der voestalpine Krems Finaltechnik GmbH die Hochregalanlage für das weltgrößte Tiefkühllager in Silobauweise errichtet.
Strategische Partnerschaft
„Die beste Ausnutzung der Baugrundstücke erreichen wir mit Regalhöhen, die weit jenseits der 24-Meter-Marke rangieren. Für Shenzhen wurde eine Höhe von 45 Meter als Optimum berechnet. Automatisierte Anlagen dieser Kategorie können einheimische Unternehmen bislang noch nicht in einer Qualität realisieren, die den technischen und klimatischen Bedingungen vor Ort gerecht wird“, schildert Berthold Zeilermayr die Situation. Er ist bei der voestalpine Krems Finaltechnik GmbH als Teamleiter für Projekte außerhalb Europas tätig. Wie viele Systemintegratoren vor Ort griff daher der Generalunternehmer aus Shenzhen auf erprobtes Know-how aus Europa zurück. „Für den chinesischen Partner waren unsere Erfahrungen im Errichten von derart dimensionierten Hochregallagern in Silobauweise ausschlaggebend – für uns unterstützt dieser Auftrag ideal die weitere Positionierung in einem rasant wachsenden Marktumfeld“, umreißt Zeilermayr den Beginn der strategischen Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmer vor Ort.
Tiefkühllager Genzon – Die Fakten
- Shenzhen, Südchina (östliches Perlflussdelta)
- vollautomatisches Tiefkühllager für Lebensmittel
- Grundfläche: 9.800 m²
- Kühlraum: 435.000 m³
- Maße (L/B/H): 85/116/45 m
- Tiefkühltemperatur –28 °C
- 69.952 Palettenstellplätze (Industriepaletten 1.000 x 1.200 mm)
- doppeltiefes Linienlager in Silobauweise
- 18 Lagerebenen, 16 Gassen mit je 1 Regalbediengerät
Herausforderung für die Statik
Der Auftraggeber, Genzon Property Group Co., Ltd., investiert mit diesem Tiefkühllager der Superlative in die Logistik-Zukunft der südchinesischen Megalopolis. Mit seinem Kühlraumvolumen von 435.000 Kubikmeter und 70.000 Stellplätzen für Standard-Industriepaletten ist das vollautomatische Tiefkühllager der Genzon Group für Shenzhen keineswegs überdimensioniert. Die Ausmaße des Lagers stellten nicht zuletzt eine Herausforderung für die Statiker dar. In der von tropischen Wirbelstürmen heimgesuchten Region wurden vonseiten des Bauamts Spitzenwindgeschwindigkeiten von 224 km/h angegeben; aus Größe und Lage des Bauwerks resultiert ein extrem hoher Staudruck von mehr als 2,4 kN/m². Er muss von den Profilen des Hochregallagers aufgenommen und abgeleitet werden – ohne den sicheren Betrieb im Gebäudeinneren und die Funktion der Lagerautomatisierung zu gefährden. Regalbediengeräte eines deutschen Spezialisten sorgen für ein reibungsloses Aus- und Einlagern. „In enger Zusammenarbeit mit diesem Partner konnten wir die Einhaltung der geringen Toleranzen garantieren, die bei einem Objekt dieser Ausmaße gefordert ist“, erläutert Vertriebsmitarbeiter Thomas Stuphann, voestalpine Krems Finaltechnik.
Aufwärts mit höherfesten Materialien
Für das Tiefkühllager am Perlflussdelta wurde eine umfangreiche prüffähige Statik auf Basis Eurocode sowie der nationalen chinesischen Normen erstellt und die volle FEM-Konformität nachgewiesen, zur Zufriedenheit der örtlichen Behörden. „Mit dem Einsatz höherfester Materialien erreichen wir einen Traglastzuwachs und können die enorme Windlast bewältigen“, so Zeilermayr. „In Shenzhen haben wir Werkstoffe mit Spezialqualitäten eingesetzt, die über eine etwa 30 Prozent höhere Dehngrenze verfügen.“
Volkmar Held










