Kommentar

Phillip Korzinetzki,

Wunsch vs. Realität: Wie weit ist die KI-Nutzung in der Logistik wirklich?

Die Studie ergab, dass zum Befragungszeitpunkt im Juli des vergangenen Jahres 15 Prozent der Unternehmen KI produktiv im Lager einsetzten. Weitere 41 Prozent kündigten an, bis 2028 in entsprechende Lösungen investieren zu wollen. Als wichtigste Einsatzfelder wurden Lageroptimierung (44 Prozent) und Bestandsverwaltung (33 Prozent) genannt, gefolgt von Einlagerung, Wareneingang und Retourenmanagement. Als größte Hürden galten – nahezu gleichauf – Implementierungskosten, Mitarbeiterakzeptanz und technische Integration mit jeweils rund 40 Prozent der Nennungen.

Phillip Korzinetzki ist Director Marketing & Communications bei der PSI Software SE – Business Unit Logistics. © PSI Software

KI-Nutzung kleinteiliger als erwartet

Die Entwicklung des vergangenen Jahres bestätigt das wachsende Interesse an KI im Lager, relativiert aber die Geschwindigkeit, mit der die angekündigten Investitionen tatsächlich in produktive Anwendungen münden. Künstliche Intelligenz wird zunehmend von Logistikern eingesetzt – allerdings überwiegend für administrative Aufgaben. Und jene KI-Lösungen, die es wirklich in den Produktiveinsatz schaffen, unterstützen eher in einzelnen, klar umrissenen Anwendungsfeldern wie der Kommissionierung oder der Bestandsanalyse, als dass sie einer durchgängigen Lagersteuerung dienen.

Viele Initiativen verharren im Status einer Demonstration, ohne den Übergang in den Regelbetrieb zu schaffen. Produktiv wird, was sich nahtlos in bestehende Prozesse einfügt und schnell einen konkret messbaren Nutzen liefert. Dabei setzt sich ein Decision-Support-Verständnis durch: KI liefert Entscheidungsgrundlagen, die finale Wahl trifft weiterhin der Anwender. Reine Blackbox-Ansätze finden in geschäftskritischen Lagerprozessen kaum Akzeptanz.

Anzeige

Vom Pilotprojekt zum Standard

Entscheidend ist die Fähigkeit, KI von einer Innovation zu einem Produkt weiterzuentwickeln, das für jeden Kunden bezahlbar und unmittelbar verfügbar ist – und sofort spürbare Mehrwerte bietet. Genau das ist ein integraler Bestandteil der Zukunftsstrategie von PSI. So ist mit Batch AI ein erstes KI-Modul in den PSIwms-Standard übergegangen. Im Praxiseinsatz hat diese Lösung Kunden dabei unterstützt, Kommissionierwege um rund 30 Prozent zu reduzieren und die Pick-Effizienz um über 20 Prozent zu steigern. In den kommenden Monaten werden  weitere KI-Bausteine hinzukommen, die nach dem Vorbild von Batch AI greifbare Optimierungen für klar definierte Aufgabenbereiche im Lageralltag bieten. Im Fokus stehen dabei die schnelle Beantwortung von Anwenderfragen, die kontextbezogene Unterstützung bei der Systembedienung sowie die beschleunigte Einrichtung logistischer Prozesse.

Fazit: Pragmatismus schlägt Vision

Auf den ersten Blick mag die Zwischenbilanz nüchterner ausfallen als erhofft. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber: Der KI-Einsatz in der Logistik nimmt allmählich Formen an. Dabei wird deutlich, dass KI keine Eier legende Wollmilchsau ist. Zu viel kann auch überfordern. Statt der radikalen Systemumbrüche sind es viel eher die leicht integrierbaren Puzzlestücke, die operativen Nutzen bieten.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Beruf und Führung

Wissenskapital sichern

Damit das in einer Organisation vorhandene Wissen die gewünschte Wirkung entfaltet, muss es geteilt werden. Dies gilt vor allem für das Erfahrungswissen, das nicht in einer Datenbank, sondern ausschließlich in den Köpfen der Mitarbeiter gespeichert...

mehr...
Anzeige
Anzeige

Software

Logistik-KI mit räumlicher Intelligenz

Das bayerische Deep-Tech-Unternehmen The Green Bridge entwickelt eine Technologie, die räumliche Daten in Zeithorizonte bettet und Dynamiken automatisiert erkennt. Damit können Logistiker Lieferzeiten verbessern, die Transporteffizienz erhöhen,...

mehr...
Anzeige

Software

Betriebsdaten-Matching bringt Transparenz

MotionMiners hat seine neue Funktion „Betriebsdaten-Matching“ in den Regelbetrieb überführt. Der erste Anwender und vormalige Pilotpartner ist die Zufall Logistics Group, die dadurch ihre Prozesse im Stückguthandling erstmalig bis auf Relations-,...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Software

Künstliche Intelligenz optimiert Lagerprozesse

Auf die Intralogistik wartet ein tiefgreifender Wandel: Künstliche Intelligenz verkörpert mehr und mehr die zentrale Technologie, um innerbetriebliche Materialflüsse effizienter, flexibler und kostengünstiger zu gestalten. Unternehmen aller Branchen...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren