Interview mit Michael Brandl von Infios

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„Die neue Marke greift auch auf unsere Wurzeln zurück“

Aus Körber Supply Chain Software wird Infios: Zur Logimat wurde die neue Marke, die auch das Unternehmen MercuryGate mit integriert, der Öffentlichkeit bekanntgemacht. Die Beweggründe für das Rebranding und wie die Kunden davon profitieren können, erklärt Michael Brandl, Executive Vice President EMEA Infios, im Interview mit materialfluss.

Michael Brandl, Executive Vice President EMEA Infios. © Infios

materialfluss: Herr Brandl, was waren die entscheidenden Beweggründe für das Rebranding?

Michael Brandl: Durch die Akquisition von MercuryGate durch den Körber Geschäftsbereich Supply Chain Software vor einigen Monaten sind wir im Bereich der ausführenden Logistik jetzt besser denn je aufgestellt. Mit den zusammengeführten Kompetenzen in den Bereichen Auftrags-, Lager- und Fulfillment sowie Transport Management haben wir unsere Vision als End-to-End-Lösungsanbieter endgültig verwirklicht. Nun können wir Kunden und Partnern einen echten Mehrwert in der ausführenden E2E-Logistik bieten. Unsere neue Marke Infios soll dieses Selbstverständnis und -vertrauen widerspiegeln.

mfl: Wie ist der neue Markenname im Rahmen des Rebrandings entstanden und welche Bedeutung steckt dahinter?

Brandl: Unser neuer Name, Infios, ist vom Konzept der Unendlichkeit (Infinity) inspiriert und steht für den großen, global vernetzten Markt und die daraus resultierenden Möglichkeiten. Die neue Marke greift aber auch auf unsere Wurzeln zurück, da das Unendlichkeitskonzept ebenso in den zwei verschlungenen Ringen des Körber-Logos verwendet wird. Dem Hamburger Technologiekonzern bleiben wir als Joint Venture zwischen Körber und KKR verbunden. Für unseren Kunden haben wir somit auch weiterhin Zugriff auch auf das gesamte Portfolio der Körber-Gesellschaften, insbesondere in Hinblick auf die Integration von Automatisierungslösungen. Wirklich entscheidend ist aber natürlich, wie der Markt den neuen Auftritt interpretiert und ob die Marke „funktioniert“.

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mfl: Gab es bereits Reaktionen aus dem Kundenumfeld und wenn ja, welche?

Brandl: Wir haben die neue Marke zur Logimat 2025 öffentlich gemacht. Hierbei konnten wir die Reaktionen ungefiltert erleben. Die Bilanz war überaus positiv. Die Branche, bestehend aus Generalunternehmen und Spezialisten für Teilbereiche, wird nicht unbedingt übersichtlicher, da gibt eine starke Marke Orientierung. Gleichzeitig merken die Kunden, dass hier nicht irgendeine Kunstmarke erschaffen wurde. Infios ist ein Spiegel unserer Identität und  – auch in der Wahrnehmung von außen – authentisch und glaubwürdig.

mfl: In welchen Marktsegmenten sehen Sie Infios besonders stark aufgestellt?

Brandl: Ganz klar liegt unsere größte Stärke im Einsatz von End-to-End-Lösungen in der ausführenden Logistik. Wir können eine durchgängige digitale Kette vom Lieferanten über das Lager bis zum Endkunden abbilden und in die Unternehmenssoftware und -prozesse integrieren. Und das alles über alle Komplexitäten (von einfach bis maximal komplex) und alle Branchen hinweg. Das ist, unserer Einschätzung nach, die Grundvoraussetzung dafür, die künftigen Herausforderungen in der Logistik bewältigen zu können. So ist beispielsweise die lückenlose Dokumentation des Kohlenstoffdioxid-Footprints nicht einfach nur ein Nachweis, sondern eben auch die Basis für eine nachhaltige Reduktion des Kohlenstoffdioxid-Austoßes. Für beides brauchen Unternehmen einen ganzheitlichen Blick auf alle Akteure und Gewerke. Aber unsere Innovationskraft zeigt sich auch in Einzellösungen und Anwendungen, die manchmal etwas unter dem Radar liegen. Unser intelligentes Slotting.IQ etwa ermöglicht mithilfe dynamischer Algorithmen die Optimierung der Lagerplatzierung im Sinne einer schnelleren Auftragsabwicklung und Steigerung der Gesamtprodukt­ivität.

mfl: Welche Schwerpunkte möchte Infios in Sachen Produkt­innovation und -strategie künftig setzen?

Brandl: Vor allem wollen wir mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, um frühzeitig Lösungen für die Herausforderungen und die Probleme von morgen ermitteln zu können. Wir bieten schon heute skalierbare, anpassungsfähige Lösungen, welche sich auf die sich ändernden Bedürfnissen unserer Kunden adaptieren lassen. So können Unternehmen ihre Prozesse in jeder Hinsicht mit vielseitigen, mitwachsenden und zukunftssicheren Funktionen optimieren.

mfl: Inwiefern schafft die neue Marke Infios durch die Verbindung der Kompetenzen von Körber Supply Chain Software und MercuryGate einen strategischen Vorteil im Markt – und wie profitieren Ihre Kunden konkret davon?

Brandl: Infios integriert nunmehr Auftrags-, Lager- und Fulfillment sowie Transport Management in einer ganzheitlichen Lösungssuite. Damit bilden wir softwareseitig die operative Realität unserer Kunden ab. Die einzelnen Bereiche können nicht isoliert betrachtet werden und tragen alle zum Endkundenerlebnis, der Nachhaltigkeit und dem Unternehmensergebnis unserer ­Kunden bei.

mfl: Wird in Ihren Produkten künstliche Intelligenz eingesetzt?

Brandl: Infios vereint Daten, Predictive Analytics und KI-gesteuerte Erkenntnisse, um Chancen und Potenziale für globale und lokale Unternehmen voll ausschöpfen zu können. Dabei gilt aber immer der Grundsatz: Neue Technologien müssen beherrschbar sein. Am Ende sollte immer der Mensch entscheiden, nicht ein losgelöster KI-Algorithmus.

mfl: Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie für die Intralogistik-Branche und wie helfen Ihre Lösungen dabei, diese zu bewältigen?

Brandl: Generell kann Automatisierung Antworten auf viele der großen Herausforderungen wie Personalmangel, Klimawandel oder die Bedrohung der Lieferketten durch politische Veränderungen, Kriege oder Cyber-Kriminalität liefern. Letztendlich liegt der Teufel, wie so oft, im Detail. Deswegen achten wir darauf, dass die unterschiedlichen Automatisierungstechnologien, Fulfillment-Prozesse und manuellen Tätigkeiten in einem homogenen System koordiniert, orchestriert und gesteuert werden. Mit Lösungen wie unserem Unified Control System (UCS) können wir einen Beitrag zu mehr Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und Sicherheit entlang der gesamten Lieferkette leisten. Um beim Personalmangel zu bleiben: Wir können den demografischen Wandel nicht aufhalten. Aber helfen, damit umzugehen.

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