Förder- & Hebetechnik

Zukunftsfähige Lösung aus einem Guss

Optimale Raumausnutzung bei automatisiertem Durchsatz - das schafft Budweiser Budvar mit seinem neuen Intralogstikkonzept, das unter anderem auf einem exakt zugeschnittenen WMS und RFID fußt. Vor dem Hintergrund immer steigenden Bierabsatzes erfolgte in Budvar seit 2005 eine kontinuierliche Modernisierung der Abfülllinien und der internen Logistik.

Jüngste Neuerung: das 26 m hohe Hochregallager. In drei Gassen stehen dort, direkt angebunden an die Produktion, 3 000 Palettenstellplätze für Paletten mit einem Gewicht von bis zu 900 kg zur Verfügung. Den Auftrag zur Realisierung des Projektes einschließlich Logistikkonzept, Dach- und Wandbau, Stahlkonstruktion und Palettenfördertechnik erhielten nach einer Ausschreibung SSI Schäfer als Generalunternehmer.

„Wir suchten eine Lösung, die unseren komplexen Anforderungen mit modernster Technologie begegnet“, erklärt Pavel Panek, Leiter Logistik und Einkauf der Brauerei Budvar. „Wichtigste Ziele waren unter anderem eine hohe Ausnutzung der bestehenden begrenzten Räumlichkeiten, eine 100-prozentige Prozesskontrolle, Echtzeitverfolgung und die Einbindung unseres RFID-geführten Blocklagers in das neue Warehouse-Management-System, welches in das bestehende ERP-System integriert ist. SSI Schäfer bot dafür die beste Konzeption bei einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.“

Im März 2009 wurde die Montage der Lagerkonstruktion begonnen. In weniger als 20 Wochen konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Im August 2009 erfolgte die Inbetriebnahme mit Einlagerung der ersten Paletten. Seit Ende September 2009 läuft die neue Anlage im Volllastbetrieb. Bis zu 50 Lkw werden täglich an den Warenausgangstoren des neuen Logistikzentrums von Budweiser beladen, um den Gerstensaft auf den Weg in mehr als 50 Länder der Welt zu bringen.

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Allerdings: „Bereits die Grundkonzeption des Hochregallagers verlangte ein bisschen Kreativität“, sagt SSI-Vertriebsmann Jan Rindt. „Zum einen waren die Raumvorgaben kritisch, zum anderen mussten die Warenflüsse und die Lagerplatzverwaltung vorhandener Lagerstrukturen eingebunden werden.“ Gemeinsam mit der Brauerei wurde die erforderliche Lagerkapazität definiert und ein entsprechendes Layout erstellt.

„Bei der gewählten Gesamthöhe von 26 m zur Lagerung von 3 000 Paletten mit Fertigprodukten wurde der Bau einer konventionellen Stahl- oder Stahlbetonhallenkonstruktion aus zeitlichen, statischen und finanziellen Gründen schnell verworfen“, erklärt Rindt. Stattdessen begannen bis zu 6 m unter Bodenniveau die Arbeiten für ein in Solobauweise errichtetes HRL.

Statisch bildet dabei die selbsttragende Regalkonstruktion die Basis auch für Befestigung des Außenmantels und des Daches. Die von Palettierrobotern in der Produktion auf 120 x 80 cm große Paletten gestapelten Bierkisten oder -kartons gelangen über eine Rollenbahn- und Kettenfördertechnik zum Übergabebahnhof an das HRL. Etwa 10 m über dem Bodenniveau des Lagers erfolgen Konturen- und Gewichtserfassung sowie die Vereinnahmung in dem von SSI Schäfer installierten Warehouse-Management-System.

Geführt von WMS (Lagerplatzvergabe) und Steuerungstechnik (Fördertechnikantriebe) werden die Paletten anschließend an einen Palettenlift herangeführt. Die weiteren Prozesse steuert das WMS. Der Lift übergibt die Paletten entweder direkt an einen Auslagerungsstich Richtung Blocklager oder auf einen Übergabestich an die RBGs. Für die Einlagerung in das Hochregallager ist ein Übergabebahnhof eingerichtet.

Budweiser

Ein Drehtisch sorgt für die einlagerungsgerechte Ausrichtung der Paletten. Bei der Lösung für die Paletten mit stapelbarer Ware, die in rund 4 000 Stellplätzen des aus dem Altbestand vorhandenen Blocklagers gepuffert werden sollen, mussten insbesondere die Informationstechniker ihr ganzes Können unter Beweis stellen. „Am Anfang des Projektes entschied sich Budweiser dazu, die Prinzipien und Strategien zur Steuerung des automatischen HRL auch im existierenden Blocklager anzuwenden“, erläutert SSI-Vertriebsmann Rindt.

„Besonderheit: Die Lagerprozesse im Blocklager werden über RFID abgewickelt. In das neue WMS mussten folglich Bestandsführung und Prozessteuerung sowohl für das automatisierte Hochregallager als auch für das manuell betriebene, mit RFID-Erfassung ausgestattete Blocklager integriert werden.“

Um die Ein- und Auslagerungsprozesse im Blocklager zu beschleunigen, setzt Budweiser auf weitgehende Vermeidung unnötiger Zeitverluste durch Lagerplatzscannung und Bestätigungsabläufe. „Deshalb haben wir uns dazu entschieden, RFID nicht in Verbindung mit dem Produkt zu nutzen, sondern vielmehr in Verbindung mit dem Lagerort“, betont Panek.

Alle Lagerkanäle im Blocklager sind daher mit RFID-Tags gekennzeichnet. Darüber hinaus sind RFID-Tags auch an allen Übergabestationen an die Fördertechnik angebracht. Über Display erhalten die Stapler ihre Aufträge aus dem WMS. Die Stapler sind mit RFID-Antennen ausgestattet. Bei Einfahrt in den Lagerkanal werden die Informationen über den Stapler von einem Reader automatisch abgegriffen und ausgelesen. Über die im WMS hinterlegten Auftragsinformationen ist zudem definiert, ob der Stapler Ein- oder Auslagerungen vornimmt - und in welcher Menge. „Schon wegen der umgebenden Flüssigkeiten eine Herausforderung für die RFID“, sagt Rindt.

„Überdies mussten die unterschiedlichen Prozesse im WMS programmiert werden.“ Ergebnis ist „ein hoch effizientes Warehouse-Management-System, das unter Berücksichtigung der Eigenschaften und Parameter der einzelnen Lagerzonen die Lagerwirtschaft als kompakte Einheit zusammenfasst“, erklärt Logistikleiter Panek. Einen umfassenden Überblick über die Auslastung von Anlage und Ressourcen bietet überdies eine von SSI Schäfer installierte Visualisierung.

130 Meter pro Minute Für die Auftragskommissionierung stößt das WMS die Auslagerungsprozesse im HRL und im Blocklager an. Mit ihrer Fahrgeschwindigkeit von 130 m/min und einen Hub von 54 m/min bringen es die Regalbediengeräte auf einen Durchsatz von bis zu 100 Doppelspielen in der Stunde. Die ausgelagerten Paletten gelangen über die installierte Fördertechnik mit Rollenbahnen, Kettenförderern und Eckumsetzern zu der Abnahmestation für die Stapler, die direkt an das HRL angebunden ist.

Parallel dazu erfolgt im Blocklager die RFID-gestützte Kommissionierung. Im Bereitstellungsareal vor dem Hochregallager werden die Aufträge schließlich zusammengeführt und für den Versand vorbereitet. „Eine kompakte, zukunftsfähige Lösung aus einem Guss“, resümiert Panek.

SSI

„In einem - gemessen an der Komplexität der Aufgabenstellung - schnellen, zuverlässigen Projektverlauf hat SSI Schäfer für unsere Prozesse eine Intralogistik konzipiert, die uns unter optimaler Raumausnutzung ein Höchstmaß an Lagerkapazität und Durchsatz bietet. Die integrierte Prozesskontrolle hat zudem zu einer Minimierung der Kommissionierfehler geführt.“

Budweiser Budvar, E-mail: [email protected], www.budvar.cz SSI Schäfer, E-Mail: [email protected], www.ssi-schaefer.de

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