Fördertechnik
Erweiterung mithilfe von Baukastensystem
Die Forderung nach einem flexibel erweiterbaren Materialfluss ist in der Energiewirtschaft sehr drängend. Die Sorge um Versorgungsengpässe ließ die Nachfrage nach Energie, vor allem in Form von Gasen und alternativen Energieträgern, innerhalb kurzer Zeit rasant in die Höhe schnellen.
Die Bedienung großer Mengen ist für den Flüssiggas-Versorger Westfalen-Gruppe mit seiner Tochtergesellschaft Caratgas wichtig. Mit dem Baukastensystem des Fördertechnikherstellers HaRo Anlagen- und Fördertechnik konnte die bei Caratgas in Krefeld installierte Förderanlage zur Abfüllung von Gasflaschen innerhalb kurzer Zeit mit den gestiegenen Kapazitätsauslastungen mitwachsen. In Verknüpfung mit den Technologien der Industrie 4.0 um Digitalisierung, Automatisierung und KI entstehen in der Konsequenz neue Level für Produktivität sowie Wettbewerbsvorteile rund um den Materialfluss. So setzt die diesjährige LogiMat unter anderem auch ihren Schwerpunkt auf intelligente und autonome Systeme, die neue Perspektiven für die Zukunft kreieren.
Die Westfalen Gruppe ist in den Bereichen Technische Gase, Kälte und Wärme, Tankstellen und Mobilität sowie respiratorische Heimtherapie aktiv. Mit ihren Produkten und Dienstleistungen bietet sie zunehmend Lösungen an, die Kundinnen und Kunden helfen, nachhaltiger zu werden. Das Familienunternehmen ist mit zahlreichen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften an über 20 Produktionsstandorten. In Krefeld fokussiert sich Caratgas primär auf die Lagerung, Abfüllung und den Umschlag von Flüssiggas. Bereits 2020 wandte sich das Unternehmen mit einer Anfrage zur Installation zweier Förderanlagen an die HaRo-Gruppe. Benötigt wurde zum einen eine angetriebene Fördertechnik für leere und volle Stahlpaletten mit einem automatischen Ausschubsystem zur Depalettierung von leeren Gasflaschen und einem automatischen Einschubsystem zur Palettierung befüllter Gasflaschen. Die zweite, ebenfalls angetriebene Fördertechnik dient zum Transport leerer und voller Stahlpaletten mit einem automatischen Ausschubsystem, allerdings ausschließlich für leere TÜV-fällige Gasflaschen. HaRo konzipierte für die beiden Anforderungen jeweils ein intelligentes Konzept, bestehend aus den beiden Hauptkomponenten angetriebener Rollenbahnen und Kettenförderer, die die Gasflaschen jeweils vor und nach ihrer Befüllung vollautomatisiert depalettieren und palettieren.
Die Details der ersten Anlage: Die Aufgabe der entweder einzelnen oder gedoppelten Stahlpaletten erfolgt zunächst manuell mithilfe eines Gabelstaplers. Nachdem der Mitarbeiter die Aufgabe des Fördergutes mittels Schalter quittiert hat, verfährt die einzelne Palette mithilfe der angetriebenen Rollenbahnen unmittelbar zur Ausschiebeeinheit, während die gedoppelte Palette nach einer automatischen Höhenprüfung zunächst zur Entdoppelungseinheit befördert wird. "Eine Vertikalhubeinheit, die mit Gabelstaplerzinken bestückt ist, vereinzelt die Paletten anschließend und verfährt die untere Stahlpalette unmittelbar zur Ausschiebeeinheit", erklärt HaRo-Konstruktionsleiter Markus Löseke. Währenddessen wird die obere Palette angehoben und nach dem Abtransport der unteren Palette abgesenkt und ebenfalls in Richtung Ausschiebeeinheit zur Depalettierung der Gasflaschen befördert. An der Ausschiebeeinheit angekommen, wird die Transportsicherung der Stahlpaletten zunächst nach oben gehoben, anschließend werden die Flaschen automatisch von der Stahlpalette auf den Kettentransportstrang abgeschoben und zur Befüllungsanlage transportiert. Die leere Palette wird auf die nächsten freien Rollenbahnplätze verfahren. Zur Palettierung der befüllten Gasflaschen werden die leeren Stahlpaletten an der Vollflaschen-Einschiebeeinheit zuerst mittels einer Stopper-Puscher-Kombination positioniert und fixiert. Danach wird die Transportsicherung erneut nach oben gehoben, sodass die vollen Flaschen vom Kettenfördererstrang in die Palette eingeschoben werden. Nach dem Palettiervorgang senkt sich die Sicherheitsvorrichtung wieder ab, und die befüllten Paletten werden über die Rollenbahnen zur Lagerung transportiert.
Zur Separierung und Palettierung der TÜV-fälligen-Propangasflaschen installierte Caratgas eine zweite Förderanlage, die in ihrer Funktionsweise der ersten Anlage ähnelt: "An dieser Anlage werden die unbestückten Stahlpaletten zunächst mithilfe eines Gabelstaplers aufgegeben und entlang der Rollenbahnen zur Position der TÜV-fälligen-Leerflaschen-Einschiebeeinheit befördert", heißt es aus der HaRo-Konstruktion. Nach dem automatischen Öffnen der Sicherheitsvorrichtung an der Palette werden die leeren Flaschen vom Kettenförderer in die Palette eingeschoben. Nach dem der Palettier-Vorgang senkt sich die Sicherheitsvorrichtung und die mit den Flaschen befüllte Stahlpalette wird über die Rollenbahnen zum Abnahmeplatz befördert.
Neue Puffermöglichkeiten schaffen
Mit wachsenden Kapazitätsauslastungen wandte sich Caratgas zwei Jahre nach der Installation der Förderanlagen erneut an HaRo mit dem Ziel, die Puffermöglichkeiten an den Anlagen zu vergrößern und die Abhängigkeit der Auf- und Abnahme durch den manuellen Stapler zu entkoppeln. "Durch die Implementierung zusätzlicher Kettenförderer und damit Pufferplätze an den Auf- und Abnahmestellen der Anlage konnten wir diesen Anforderungen gerecht werden. Die Depalettierung und Palettierung der Gasflaschen läuft komplett automatisch", sagt Markus Löseke. "Die Anforderungen in heutigen Industriebetrieben verändern sich rasant, umso wichtiger ist es, den innerbetrieblichen Materialfluss flexibel und unkompliziert den Veränderungen angleichen zu können", sagt HaRo-Geschäftsführer Christoph Hackländer. "Deshalb bieten wir unseren Kunden stets die Möglichkeit, bereits bestehende Förderanlagen mithilfe unseres Baukasten-Systems zu erweitern – und zwar ohne, dass dabei große Eingriffe in die laufende Produktion notwendig sind."
Auf der LogiMat zeigte HaRo einen automatisierten Materialfluss aus zwei Vertikalförderern mit einer Höhe von rund 8 m in Kombination mit angetriebenen Rollenbahnen zum automatisierten Transport von Paletten.










