Software und Identsysteme

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Logistik-Effizienz für Losgröße-1-Fertigung

Häcker Küchen steuert die innerbetriebliche Logistik und Produktion mit der Value-Chain-Software Viadat. Sie zeigt, dass sie mehr als ein Warehouse-Management-System ist. Denn sie bindet nicht nur mehrere Logistik-Systeme ein, sondern managt auch sämtliche Prozesse der Produktionsversorgung.

Alle Bauteile laufen vollautomatisch gesteuert auftragsbezogen und just in sequence durch die Produktion. © Viastore

Häcker Küchen in Venne im Osnabrücker Land hat mit dem Werk 5 eine der modernsten Produktionsstätten für Küchenmöbel realisiert. Es ging im August 2020 nach weniger als zwei Jahren Bauzeit in Betrieb. Rund 300 Mitarbeiter fertigen hier auf einer Produktionsfläche von rund 110.000 Quadratmeter Möbel für Einbauküchen. Viadat von Viastore übernimmt die klassischen Aufgaben eines Manufacturing Execution Systems (MES). Die Software schafft die Basis für die Produktion einer variantenreichen, designorientierten Küchen-Linie. „Die Investition in das neue Werk war die größte in der Firmengeschichte“, erklärt Dirk Krupka, Geschäftsführer Technik bei Häcker. „Die Kapazitäten unseres Standorts Rödinghausen waren komplett ausgelastet, etwaige Störungen in der Fertigung dort hätten sich direkt auf den Liefertermin beim Kunden ausgewirkt.“ Allein deshalb war eine Ausweitung der Fertigungskapazitäten notwendig. Zudem haben wir eine neue Produktlinie auf den Markt gebracht, die wir in keinem unserer bisherigen Werke so hätten fertigen können.“

Küchen-Produktion mit vielen Design-Varianten

Krupka spricht von der Produktlinie Systemat 3.0, einer hochwertigen, designorientierten Küche, die in einem 13er-Raster viele Möglichkeiten bei der Küchenplanung bietet. Schon beim Designkorpus können Kunden zwischen drei Farben wählen. Die Fronten lassen sich in 192 RAL-Farben lackieren oder können mit Kunststoff- und Echtholzfronten gewählt werden. Zudem stehen unterschiedliche Beschlagsysteme zur Wahl. Das bedeutet: Keine Küche gleicht der anderen. „Der logistische Anspruch ist recht extrem. Wir fertigen ausschließlich kundenauftragsbezogen, das heißt, wir haben eine komplette Losgröße-1-Fertigung“, betont Dirk Krupka.

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Viadat versorgt alle Arbeitsplätze und Maschinen mit den jeweils aktuell benötigten Bearbeitungsinformationen für jedes einzelne Bauteil. © Viastore

Damit dies gelingt, ist der Materialfluss komplett durchgesteuert. „Es gibt keinen nichtdefinierten Materialzustand“, erläutert Friedbernd Bartels, Leiter der Abteilung Technische Projekte bei Häcker. „Jede Materialbewegung wird nach dem Quelle-Ziel-Prinzip gesteuert und jede Bewegung, jeder Arbeitsschritt, an das System zurückgemeldet.“ Diese Steuerung der Materialflüsse im gesamten Werk erfolgt über die Software Viadat.

Gesteuerte Materialflüsse durch das gesamte Werk

Bei Häcker Küchen war die Software bereits im Einsatz. „Wir kannten Viastore und die Möglichkeiten der Software, die weit über ein Lagerverwaltungs- und Materialfluss-Management-System hinausgehen. Schon unser erstes Hochregallager hatten wir 1999 mit Viastore gebaut“, berichtet Krupka. In zahlreichen Gesprächen und Workshops kam Häcker zur Überzeugung, dass Viadat auch die Aufgaben einer klassischen Produktionssteuerung übernehmen soll, die von der Materialverfolgung bis hin zum Monitoring der Bewegungen reicht. „Die von Häcker geforderte Produktionsversorgung und -entsorgung sind für Viadat eine übliche Anforderung“, betont Peer Leemhuis, der das Projekt seitens Viastore betreute. Auch die Kopplung mit den Steuerungen unterschiedlicher Logistik-Systeme und -Technologien sei Alltag für das System. Im Werk 5 von Häcker gibt es einiges zu koordinieren: Neben einem 16-gassigen Hochregallager sind eine Elektrohängebahn, ein Shuttle-Lager, eine Portal-Kommissionierung sowie fünf Pick-by-Light- und zwei Put-to-Light-Lagerbereiche eingebunden. Darüber hinaus fungiert Viadat als Stapler- und FTS-Leitsystem mit neun fahrerlosen Transportfahrzeugen.

Komplexe Prozesse zeitgenau gesteuert

Die Materialflüsse bei Häcker beinhalten spezielle Anforderungen und Strukturen. Dies liegt zum einen daran, dass der Aufwand der Fertigung und die Varianz der verschiedenen Bauteile – Korpus, Fronten, Schubkästen – unterschiedlich sind. Zum anderen muss die Fertigung einer Küche und aller Teile so getaktet sein, dass alle Komponenten pünktlich zum geplanten Liefertermin im Versand zusammenkommen, und zwar in der Reihenfolge, in der sie auf den Lkw zum Kunden, dem Küchenhändler, geladen werden. So wird also die Fertigung vom Ende her geplant. Ausgehend von der Lieferzeit wird der Auftrag für eine Küche aufgelöst und berechnet, wann der Fertigungsprozess welcher Komponente starten muss, sodass alles am Ende pünktlich zusammenläuft. Die Aussteuerung des Fuhrparks mit aktuell rund 100 Lkw wird also durch das Produktionsprogramm bestimmt. Die strikte Ablaufreihenfolge sorgt für schlanke Prozesse, kurze Durchlaufzeiten und eine allgemein hohe Effizienz.

Verschiedene Prozessstränge bei der Korpus-Montage

Unterschiedliche Varianzen und Fertigungsaufwände der Schrankbauteile erfordern es, die Fertigung in verschiedene Prozesse aufzuteilen. Die Korpusbauteile werden in A-, B- und C-Teile unterschieden. A-Teile werden häufig in gleicher Variante benötigt – zum Beispiel Standard-Unterschränke in Weiß. Sie werden direkt aus dem Hochregallager (HRL) auf Paletten über die Elektrohängebahn (EHB) an das fahrerlose Transportsystem übergeben und zur Montagestation transportiert. Viadat erhält die entsprechende Nachschubanforderung über eine Datenbankschnittstelle von der Endmontagelinie. Zudem ist die Software das führende System für das FTS: Es übernimmt die Auftragssteuerung, die Erfassung und verbucht die Ladeeinheit mit dem jeweiligen Bestand.

Friedbernd Bartels (Leiter Abteilung Technische Projekt bei Häcker Küchen), Dirk Krupka (Geschäftsführer Technik Häcker Küchen) und Peer Leemhuis (Projektverantwortlicher seitens Viastore, v. li. n. re.) haben mit Viadat eine effiziente Steuerung sämtlicher Prozesse in der Fertigung des Werks 5 umgesetzt. © Viastore

Die Kommissionierung der B- und C-Teile ist wegen der höheren Variant komplexer. Dazu gehören zum Beispiel Hochschränke oder farbige Korpusseiten. Ein Teil der Bauteile wird vom HRL über die EHB in eine automatische Kommissionierstation transportiert und dort von Sechs-Achs-Robotern auf Paletten gelagert. Sie werden entweder direkt an die Montagestationen gebracht, durchlaufen erst noch eine Bearbeitung oder werden in einem Pufferlager zwischengespeichert. Durch die verschiedenen Pufferlager sind die logistischen Abläufe voneinander entkoppelbar und somit prozesssicher. Andere Teile stammen aus der Oberflächenbearbeitung oder werden manuell ausgelagert und laufen über verschiedene Lager in einen Kommissionierbereich. Hier werden sie auf Stapel kommissioniert und anschließend in die Montage transportiert. Viadat organisiert sämtliche Transporte und Lagerbewegungen, verwaltet die jeweiligen Bestände, stellt die Dialoge und Daten für die Bearbeitungsstationen bereit.

Fronten und Schubkästen werden just in sequence organisiert

Ähnlich komplex ist der Prozess für die Fronten, die aus dem HRL oder der Oberflächenbehandlung in einem Shuttle-Lager manuell zwischengelagert werden. Es werden nur jene Teile abkommissioniert, die benötigt werden. Die Tablare werden sequenzgerecht aus dem Puffer ausgelagert und an eine Entnahmestation zur Weiterverarbeitung transportiert. Auch hier steuert Viadat sämtliche Lager- und Transportbewegungen, übernimmt die Bestandsverwaltung im Shuttle-Lager und versorgt die Arbeitsplätze und Maschinen mit den relevanten Bearbeitungsinformationen.

Im Werk 5 von Häcker Küchen sind sämtliche Arbeitsschritte sequenziert – von der Produktion über die Montage bis zur Bereitstellung jeder fertigen, kundenindividuellen Küche. © Viastore

Parallel dazu werden die Schubkästen gefertigt und in einem Pufferlager zwischengespeichert. Über die Steuerung der Fertigungsanlagen ist bekannt, wann welcher Korpus freigegeben wurde. Synchronisiert dazu kommen die Auszüge und Schubkästen hinzu und treffen zusammen mit den Beschlägen und den zugehörigen Fronten zeitgenau auf den passenden Korpus. Dazu werden sämtliche Transporte in die Montage von Viadat just in time und just in sequence organisiert sowie die Bestände genau erfasst und verwaltet.

Es gibt kein weiteres MES – das einzige übergeordnete System, mit dem Viadat sich noch austauscht, ist das ERP-System, das die Versandreihenfolge und die Sequenzen in der Fertigung festlegt.

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