Software & Ident
Bis in die Fördertechnik hinein
Dank SAP-LES hat Montblanc in seinem Distributionszentrum in Ellerbek alle Logistikabläufe optimal im Griff. Das Besondere: Bei der Lösung geht die Steuerung bis in die SPS-Ebene der Fördertechnik.
Im Zuge der Zentralisierung der weltweiten Logistikabwicklung errichtete Montblanc in Ellerbek bei Hamburg auf 8 100 m² Grundfläche ein modernes Lager mit 70 000 Lagerplätzen für Paletten, Behälter und Tablare, dessen äußere Gestaltung die Eleganz der Marke widerspiegelt, und dessen innere Organisation allen Anforderungen an Qualität und Leistungsfähigkeit mehr als genügt.
Auf die Wahl des Lagersteuerungssystems wurde besondere Sorgfalt verwandt. Die inconso AG wurde beauftragt, auf das zentrale SAP System ein SAP LES aufzusetzen, das auch die SPS-Ebene der Fördertechnik direkt ansteuert. Die gesamte Businesslogik konnte inconso im SAP LES abbilden. Um alle Leistungs- und Qualitätsspezifikationen zu erfüllen, wurden der SAP-Standard und an verschiedenen Stellen erweitert, zusätzliche Abläufe und besonders bedienfreundliche Masken integriert oder von inconso entwickelte Add-ons eingebaut.
Die Exklusivität der Produkte prägt auch die logistischen Abläufe an vielen Stellen und schafft auch für deren Steuerung im System große Herausforderungen. Selbstverständlich ist für besonders hochpreisige Artikel und Sammlerstücke ein separat gesichertes Tresorlager eingerichtet. Nur ein eng umgrenzter Personenkreis hat Zutritt zu dieser Abteilung, aus der mit speziellem Werttransport überwiegend Einzelstücke ausgeliefert werden. Viele Sammler etwa lassen sich bestimmte Seriennummern neuer Modelle reservieren, und es zählt zu den Kriterien der logistischen Qualität, dass solche Wünsche zuverlässig erfüllt werden.
Die Einzigartigkeit der handgefertigten Schreibgeräte sowie der Uhren und des Schmucks unterstreicht Montblanc durch die Vergabe einer weltweit eindeutigen Nummer auf jedem einzelnen Stück: die so genannte „Quo-Vadis-Nummer“. Mit ihr lässt sich nachvollziehen, welches individuelle Stück welcher Filiale und welchem Kunden gesandt wurde. Mindestens drei Mal werden die Quo-Vadis-Nummern im Lager erfasst und auf Gültigkeit kontrolliert: beim Wareneingang, beim Vorkommissionieren und beim Verpacken. Aber erst wenn der Empfänger die Ankunft bestätigt hat, endet diese von Montblanc selbst entwickelte anspruchsvolle Nachverfolgung.
Es sind nicht zuletzt diese exklusiven Merkmale der Logistik bei Montblanc, die von der Informationstechnologie insgesamt höchste Leistungsfähigkeit erfordern. Immerhin läuft die gesamte Lagerverwaltung und -steuerung, einschließlich der Ansteuerung der SPS-Ebene, auf dem zentralen Montblanc-Server in Genf. Um insbesondere hohe Spitzenlasten abzufedern, hat inconso die Buchungsroutinen in SAP angepasst: Ein Teil der Buchungen erfolgt asynchron, um ein kurzes Antwortzeitverhalten zu gewährleisten.
Das ist aber auch für jene logistischen Abläufe zwingend erforderlich, die keine exklusive Sonderbehandlung umfassen. Der Durchsatz beträgt immerhin rund 6 000 Lieferaufträge pro Tag, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Vom einzelnen Sammlerstück reicht das Spektrum bis zur umfangreichen Bevorratung einer überseeischen Ländergesellschaft, die Produkte aus allen Bereichen in mehreren hundert Einzelpositionen erwartet.
Vollständigkeit der Lieferung ist dabei ein zentrales Kriterium der Steuerung. Am Packplatz muss die komplette Ware einer Lieferung konsolidiert zur Verfügung stehen. Aus diesem Grunde wird in der Regel in Behälter vorkommissioniert und die Ware dann lieferungsbezogen temporär wieder in das Automatische Kleinteilelager (AKL) eingelagert. Schnelldreher und Aktionsartikel werden in einem eigenen Lagerbereich kommissioniert. Hier wird der Nachschub automatisch in Durchlaufregale mit Fixplatzverwaltung gebracht. Die Artikel werden in spezielle Hängewagen gepickt, deren Behälter dann in die jeweilige Gesamtlieferung eingeschleust werden. Die Vorzonen-Kommissionierung des AKL ist als Multi-Order-Picking organisiert. An jedem der acht Arbeitsplätze kann für bis zu fünf Lieferungen parallel kommissioniert werden. Die Quellbehälter werden dem Pickplatz zugeführt.
Spezielles Add-On
Eine besondere Herausforderung stellte die Abbildung der Reservierungsstrategie dar. Denn im Interesse einer durchsatzoptimierten Kommissionierung muss auch solches Material reserviert werden, das sich auf Behältern befindet, für die es bereits Reservierungen gibt, und die sich auf dem Weg zu einem Kommissionierplatz befinden. Dabei wird zeitnah gebucht, wenn der Behälter den Lagerplatz verlässt, damit der Platz schnell für die Einlagerung anderer Behälter wieder zur Verfügung steht. Für diesen Vorgang wurde ein Add-On von inconso eingesetzt, das lückenlos in den SAP-Standardbelegfluss integriert ist. Um die Zeit für Fakturierung und Rechnungsdruck zu sparen, fand inconso eine Prozessorganisation, bei der die Arbeitsprozesse parallel weiterlaufen können, während gebucht und gedruckt wird.
Den Kommissionierern werden alle Informationen auf eigens gestalteten Dialogmasken angezeigt. Wie bei allen Bedienoberflächen bei Montblanc wurde auch bei ihnen zum einen der vertraute SAP-Look gewahrt zum anderen aber auf intuitive und sichere Bedienung größter Wert gelegt. Daher verwenden sie große Schriften, klare graphische Elemente und starke Signalfarben.
Dies gilt auch für die Darstellung am Steuerplatz. Hier läuft die Liste der anstehenden Aufträge. Schon bei Tagesbeginn stehen hier 600 bis 1 000 Transportaufträge an. Sie sind nun zu priorisieren und in die Anlage einzusteuern. Als Standardpriorisierung ist die Länge des Lieferwegs gesetzt. Aber die Landesgesellschaften können über ein besonderes Tool auch abweichend priorisieren. Die Anzeige lässt Sonderpriorisierungen für Eillieferungen, aber auch das systemseitig vorgegebene jeweilige Ladedatum erkennen. Alle Listen können nach Artikeln, Anzahl der Positionen und Ländern sortiert werden.
Parallel sieht der Mitarbeiter auch in übersichtlichen Graphiken, die in das SAP System integriert sind, die Lagersteuer-Dialoge und die auftragsbezogene Anlagenauslastung, die Füllgrade der diversen Lagerbereiche und eine Reihe von Leistungskennzahlen. Auf Grundlage dieser vielfältigen Informationen ordnet er schließlich die Lieferungen den jeweiligen Packplätzen zu und ist verantwortlich für die abschließende Freigabe der Lieferung.
Nicht nur an dieser Schlüsselstelle setzt Montblanc auf die Erfahrung und Qualifikation der Mitarbeiter. Die meisten sind bereits seit vielen Jahren im Unternehmen, leisteten entscheidenden Input für die Gestaltung der Abläufe und der Dialoge und nehmen auch regen Anteil an den jetzt laufenden weiteren Optimierungen. Mit ihnen sollen die bereits erreichten Leistungsdaten noch weiter verbessert werden.
Über Montblanc
Montblanc ist seit Generationen als Hersteller handgefertigter, hochwertiger Schreibgeräte bekannt. Im Rahmen der Diversifikation der Marke wurde das Produktportfolio in den vergangenen Jahren um Uhren, Lederwaren und Gürtel, Schmuck, Brillenkollektionen und Düfte erweitert. Montblanc wurde so zum Hersteller exklusiver Produkte, die die heutigen hohen Ansprüche in Bezug auf Qualität, Design, Tradition und meisterliche Handwerkskunst erfüllen.
inconso AG, E-Mail: [email protected], http://www.inconso.de









