4 Fragen an: Klaus Murko
Reibungslos abgestimmte Lieferkette
E-Commerce ist nicht nur Amazon und Co., auch im Bereich der Pharmaindustrie steht die Intralogistik vor Herausforderungen. Klaus Murko ist Vice President Healthcare & Cosmetics bei SSI Schäfer. Er sieht Intralogistik als „Königsdisziplin” für Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind.
Materialfluss direkt: Welche Besonderheiten sind bei Healthcare & Cosmetics zu beachten?
Klaus Murko: Eine leistungsfähige und fehlerfreie Logistik ist ein maßgeblicher Erfolgsfaktor für unsere Kunden. Die Themen Geschwindigkeit und Same Day-Delivery sind für uns keine neue Herausforderung. Bereits seit langem sind die Durchlaufzeiten bei unseren Healthcare-Installationen sehr kurz. Über diese Erwartungen hinaus kommen die gesetzlichen Anforderungen an eine lückenlose Nachverfolgbarkeit von Chargen und die Überwachung der Mindesthaltbarkeitsgrenzen. Die Erfassung und der Abgleich von eindeutigen Seriennummern zur Arzneimittelsicherheit ist ebenfalls in vielen Ländern ein Muss. Die Vielzahl von SKUs und die hohe Volatilität machen die Intralogistik hier zur Königsdisziplin.
MD: Welche Herausforderungen bringt der Trend zum E-Commerce speziell in diesem Segment mit sich?
Murko: Grundstein für viele unserer erfolgreichen E-Commerce-Kunden sind das vielfältige Produktangebot, eine reibungslos abgestimmte Lieferkette und eine dafür maßgeschneiderte Logistiklösung. So wie ein großer dänischer Spielwarenhersteller bieten wir verschiedene Standardbausteine (bewährte Logistiklösungen) an, die wir dann individuell, gemeinsam mit unseren Kunden auf die jeweiligen Bedürfnisse zuschneiden und konfigurieren. Dabei beachten wir von Anfang an, dass diese jederzeit modular und flexibel skalierbar bleiben – denn die Wachstumsraten vieler Unternehmen im E-Commerce sind explosionsartig.
MD: Welche Rolle spielt der E-Commerce aktuell und welche zukünftig?
Murko: Dies ist unterschiedlich und muss in unserem Bereich länderspezifisch betrachtet werden. Aber selbst in Märkten, wo der Online-Handel im Sektor Healthcare & Cosmetics schon sehr ausgeprägt ist – wie in den USA – erwarten wir weiterhin überdurchschnittliches Wachstum. Gerade in Europa gehen wir von noch größeren Steigerungen aus. Die lokalen Anbieter, wie zum Beispiel die stationäre Apotheke, wird der E-Commerce weder verdrängen können noch wollen. Auch hier sehen wir die Zukunft in einem verzahnten Zusammenspiel von Hersteller, Großhändler, stationärem und Online-Handel.
MD: Spielt auch hier, wie die Experten im Round Table erklären (S. 4), das Verpackungsdesign eine negative Rolle?
Murko: Im Bereich Healthcare & Cosmetics trifft das nicht zu: Die automatisierte Lösung muss sich an die Verpackungen anpassen und nicht umgekehrt. Das heißt, alle aktuellen und künftigen Neu- beziehungsweise Weiterentwicklungen müssen sich an den vorhandenen Verpackungsgeometrien und -materialien orientieren.
Die Fragen stellte Martin Schrüfer










