Editorial

Mythen gehören in das Märchenbuch

„Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt“ schrieb Wilhelm Busch im Jahre 1882 im dritten Kapitel des Gedichts „Plisch und Plum“.  Der Satz sollte in keinem Artikel über Logistik 4.0 und erst recht nicht in keinem über E-Commerce fehlen. Kommt mein Paket mit unserer Wunschbestellung per Drohne an, liegt es im Kofferraum, kommt es heute noch oder doch erst morgen, oder braucht es gar nicht kommen, weil der 3D-Drucker das Objekt meiner Begierde bereits ausgedruckt hat? Fragen, deren Antwort für Logistiker, die im Hintergrund den Weg dafür ebnen (müssen), an sich essentiell sind. Aber auch Zukunftsforscher und Trendfüchse zucken hier, wenn sie ehrlich sind, nur die Schultern und bemühen Franz Beckenbauers Universalkommentar „Schaun mer mal“.

Martin Schrüfer, Ltd. Chefredakteur Materialfluss, LT-manager

Nun ein Sprung vom Fußballplatz zum ehrwürdigen Materialflusskongress nach Garching. Dort holte Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner (siehe S. 14) unlängst allzu sehr von der Welt der Technik Begeisterte mit den Worten „Suchen bedeutet offen zu sein, aber auch die Demut zu haben, den eingeschlagenen Weg zu überprüfen. Gibt es im Lager stabile Prozesse mit klaren Regeln, ist es nicht immer notwendig, unbedingt flexibel zu sein“ von der Wolke 4.0. Unternehmensberater Gregor Blauermel assistierte Fottner mit dem klugen Satz: „Wir bekommen gerade spannende Elemente in die Hand, aus denen man die Zukunft der Logistik bauen kann, jetzt ist die Frage, wie man diese kombiniert und was sich durchsetzt.“ Das kann man so unterschreiben, denn die Mythifizierung von Leitbegriffen wie 4.0 oder 3D nimmt in vielen Kommentaren meiner Kollegen überhand. Doch Mythen gehören primär ins Märchenbuch!

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Was dagegen machbar und sinnvoll ist, zeigen Unternehmen wie SSI Schäfer. Sie nehmen beim Thema E-Commerce zunehmend die Supply Chain selbst in die Hand. SSI Schäfer verlässt als Lagerexperte das jahrzehntelang erfolgreich bearbeitete Terrain. Suchen bedeutet, richtig: offen sein! Wie die hier beschriebenen und vorgestellten Lösungsansätze eindrucksvoll zeigen, muss die Intralogistik über das Lager hinausdenken und ihr beeindruckendes Prozesswissen in größere Maßstäbe einbringen.

Unser Supplement „Materialfluss direkt“ macht in Print und Online den Auftakt für eine lockere Reihe mit Themen, die die Branche bewegen. Ich freue mich auf Ihr Feedback oder Themenvorschläge per E-Mail.

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