Logistik-Dienstleister

Mit Echtwerten zu einer grünen Logistik

Deutschlandweit ließ erst eine Handvoll Logistikdienstleister den CO2-Fußabdruck nach DIN EN ISO 14064 zertifizieren. Zur Ermittlung aller Emissionen erhob die Stückgutkooperation aufwändig Echtdaten. Dafür wird sie mit einer konkreten Nutzbarkeit der Ergebnisse belohnt.

Logistik-Dienstleister: Mit Echtwerten zu einer grünen Logistik

Seit Oktober 2012 können die Kunden der CargoLine-Partner den CO2-Fußabdruck jeder einzelnen Sendung erfahren, die das Netzwerk für sie befördert. Und zwar nicht einfach pauschal auf Basis theoretischer Referenzwerte, sondern ermittelt anhand von Echtwerten. Diese hat jedes Partnerunternehmen der Kooperation samt seinen Subunternehmern in einem feingliedrigen Prozess erhoben. Unterstützung holte sich der Verbund bei Prof. Dr. Dirk Lohre und seinem Team vom Steinbeis Beratungszentrum Spedi­tion und Logistik in Heilbronn. Das renommierte Institut hatte zuvor unter anderem den Umweltbericht des CargoLine-Partners Fritz Gruppe erstellt, war also mit der Kooperation bereits vertraut.

Ziel war es, die tatsächlich anfallenden Emissionen so genau wie möglich abzubilden und der Heterogenität der Partner in Bezug auf Verkehrsführung, Umschlagtechnik, Tonnage, Gebietsstruktur, Fuhrparkgröße und -zusammensetzung, Energieverbrauch und Unternehmensgröße Rechnung zu tragen. Denn nur wenn tatsächliche Daten vorliegen, haben diese eine Aussagekraft. Und nur dann ist es möglich, Verbesserungen gezielt und nachweisbar anzugehen oder über sinnvolle Kompensations­modelle nachzudenken.

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Feingliedrige Erfassung

Das Steinbeis Beratungszentrum teilte die Erhebung in drei große Blöcke ein: Transporte, Administra­tion und stationäre Prozesse. Unter „Transporte“ fielen der Nahverkehr sowie verschiedene Hauptlaufvarianten inklu­sive Überhänge und Sonderfahrten. Der Bereich „Admi­nistration“ umfasste sowohl die entsprechenden Abläufe in der Systemzentrale als auch die in den einzelnen Partner­betrieben. In „stationäre Prozesse“ flossen alle Bewegungen in den Hubs sowie der Umschlag in den Partnerdepots ein. Dabei berücksichtigte der Verbund auch die Erfassung aller eingesetzten Subunternehmer.

Die Erhebungsinstrumente wurden zunächst mit 18 CargoLine-Referenzunternehmen entwickelt, erprobt, optimiert und anschließend auf das gesamte Netzwerk aus­gerollt. Bei Partnern, die in zwei Netzwerken tätig sind, berücksichtigten die Steinbeis-Mitarbeiter im ersten Schritt alle Sendungen und ermittelten schließlich den Anteil, den CargoLine daran hat.

Das so zusammengetragene Treib­hausgas-Inventar, auch Corpo­rate (CCF) oder Network Carbon Footprint (NCF) genannt, spiegelt alle Emissionen wider, die die Kooperation im Laufe eines Jahres durch ihre Arbeit erzeugt hat. Den Erhebungsprozess ließ sie anschließend nach DIN EN ISO 14064 zertifizieren. Damit ist Cargo Line eines von wenigen Speditionsnetzwerken beziehungsweise Logistikunternehmen deutschlandweit, das seine Umweltschutzbemühungen jederzeit überprüf- und vergleichbar macht.

Anschließend entwickelte die Kooperation auf Basis des Network Carbon Footprint eine CO2-Sendungs­tabelle, welche für jeden einzelnen Partner sowie für den kompletten Verbund Gültigkeit besitzt. Ein speziell entwickeltes Tool ermöglicht es den Partnern, diese Tabelle systembezogen, partner- oder kundenindividuell zu nutzen. Diese Unterscheidungsmöglichkeiten sind wichtig, denn ein Unternehmen aus Norddeutschland beispielsweise hat naturgemäß andere Werte als ein zentral gelegener Partner, da die durchschnittlich zurückgelegte Strecke größer ist.

Auch unterscheiden sich die Werte von Kunde zu Kunde, da die Anzahl der Sendungen pro Abholstop variiert. Zudem gibt es Transporte im Hauptlauf oder in der Vorholung, die auf der Schiene stattfinden. Das Transportmittel hat einen wesentlichen Einfluss auf den CO2-Wert – dies kann so verdeutlicht werden. Die so – im Übrigen im Einklang mit der zukünftigen DIN 16258 – ermittelten Daten ergeben also keinen Durchschnittswert, sondern die tatsächlich verursachten Emissionen einer Sendung mit spezifischen Gewichts- und Entfernungsmerkmalen (Product Carbon Footprint, PCF).

Logistik-Dienstleister: Mit Echtwerten zu einer grünen Logistik

Die Krux mit der Transparenz

Welche Aussagekraft aber haben NCF und PCF unterschied­licher Transport- und Logistikunternehmen im Vergleich? Ist der niedrigste Wert automatisch auch der beste? Stellt man NCF und PCF unterschiedlicher Dienstleister als absolute Zahlen gegenüber, ist der Nutzen eher gering. Zu unterschiedlich und häufig auch intransparent sind die Berechnungswege, zu uneinheitlich die Datenbasis, die nicht selten aus pauschalen Referenzwerten besteht, wie sie beispielsweise im Handbuch für Emissionsfaktoren HBEFA stehen. Für Verlader fehlt also die Vergleichbarkeit mangels einheitlicher Methoden und Strukturen. Auch lassen pauschal ermittelte Referenzwerte für die Dienstleister selbst keinen Rückschluss auf tatsächlich notwendige Verbesserungen oder Optimierungspotenziale zu. Daher war es von Anfang an nicht Ziel der Kooperation, besser als Mitbewerber X oder Y zu sein. Ihr ging es vielmehr darum, die real ermittelten Daten langfristig für konkrete Verbesserungen zu nutzen.

Nachhaltigkeit langfristiges Ziel

Im Einklang mit der 2011 verabschiedeten Unternehmensstrategie, mit der sie Nachhaltigkeit zu einem ihrer Ziele erklärt hat, wird CargoLine daher Jahr für Jahr neue Zielvorgaben zur Reduzierung der Treibhaus­gasemissionen machen und in der Lage sein, dies anhand konkreter Werte nachzuweisen. Dabei spielen Optimierungen in den Hauptläufen eine wesentliche Rolle, beispielsweise was die Verminderung der Verbräuche der Lkws oder die Verbesserung bei der Disponierung angeht. Hier gibt es schon heute gute und innovative Ansätze. Jeder CargoLine-Partner wird die Daten zudem nutzen, um die eigenen Umweltschutz­bemühungen gezielt zu verstärken.

Das Spektrum reicht dabei von Stromsparmaßnahmen über Stoppverdichtung, Fahrerschulungen, den Einsatz von Dieselmotoren mit Gaseinspritzung oder die verstärkte Nutzung von Ökostrom bis hin zum optimierten Telematikeinsatz. Darüber hinaus nimmt die Kooperation an zwei Forschungsprojekten teil, „Öko­logie­orientierung in Logistiknetzwerken“ und „Elektromobilität in der Logistik“. Zudem verhandelt der Verbund derzeit mit Anbietern von Kompensationsmodellen, um Verladern in absehbarer Zeit bei Bedarf einen CO2-neutralen Versand anbieten zu können.

CargoLine GmbH, E-Mail: [email protected], www.cargoline.de

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