Lager- & Kommissioniertechnik
Produktivität ums Dreifache gesteigert
Weil die bestehenden Kapazitäten und der Durchsatz nicht mehr ausreichten, hat orochemie einen Spezialisten damit beauftragt, sein Lager zu erweitern und zu modernisieren. Auch das WMS und die Steuerungen sind jetzt auf dem neuesten Stand.

Dass es beim Zahnarzt so riecht, wie es eben riecht, hat seinen triftigen Grund: Behandlungsgeräte, medizinische Instrumente sowie die Praxisräume müssen zum Schutz der Patienten sauber gereinigt und desinfiziert sein. In den meisten Fällen kommen dafür die Produkte des Marktführers orochemie zum Einsatz. Mitte der 1990er Jahre wurde der ursprüngliche Standort von orochemie in Kornwestheim zu klein. Das Unternehmen, das heute insgesamt etwa 120 Mitarbeiter beschäftigt, entschied sich, nicht weit davon entfernt am selben Ort neu zu bauen.
Von dort aus gehen die Produkte in die ganze Welt. „Der Hauptabsatzweg läuft über Dürr Dental. Als zweite Schiene haben wir den Direktvertrieb“, schildert Rüdiger Eppler, Mitglied der orochemie-Geschäftsleitung. Zielgruppen sind zum Beispiel Alten- oder Pflegeheime. Im Angebot hat orochemie rund 60 verschiedene Produkte, die in ganz unterschiedlichen Verpackungen und Gebinden angeboten werden - vom 100-ml-Pump-Spray über Flaschen und Kanister bis zum Fass. Das ergibt gemeinsam mit dem Zubehör, wie etwa spezielle Applikationshilfen, eine hohe Produktvarianz.
1997 wurde der Neubau in Kornwestheim in Betrieb genommen. Wesentlicher Bestandteil neben den Büroräumen für die Verwaltung und den Produktions- und Abfüllanlagen war ein dreigassiges Hochregallager (HRL), das jetzt nach der Erweiterung in einem pharmagerechten Temperaturbereich geführt wird. viastore war schon damals Generalunternehmer. Das Lager war 40 Meter lang und ist rund 20 Meter hoch. Die 2 264 Palettenstellplätze wurden seinerzeit durch ein vollautomatisches Regalbediengerät (RBG) vom Typ viapal angefahren, das über einen Umsetzer in die drei Gassen versetzt wurde.
„Die Leistung dieses Systems war für uns vollkommen ausreichend“, sagt Rüdiger Eppler. Gelagert wurden damals - wie übrigens heute immer noch - die Rohwaren, aus denen die Produkte hergestellt werden, das Zubehör, die Verpackungs- und Versandkartons sowie natürlich die Fertigware. Die Gebinde werden täglich Just-in-Time vom Hersteller in Wechselbrücken angeliefert und wegeoptimiert an den Abfülllinien bereitgestellt.
Warenein- und -ausgang auf der gleichen Seite
Ursprünglich waren Wareneingang und Warenausgang an der einen Stirnseite des HRL angeordnet. Dem RBG wurden die Paletten über Fördertechnik-Stichbahnen angedient, der Umsetzer platzierte das RBG vor der richtigen Gasse. Die Auslagerung der Roh- und Fertigwaren erfolgte auf umgekehrtem Weg, so dass beide - einzulagernde Waren und Fertigprodukte - in der Vorzone standen. „Wenn Warenein- und -ausgang über die gleiche Fördertechnik laufen, kann es schnell zu Engpässen kommen“, erklärt Lars Breuer, Vertriebsprojektleiter Umbau und Modernisierung bei viastore systems. Rüdiger Eppler ergänzt: „Auch an den Rampen wurde es immer wieder eng, wenn Liefer- und Abholer-Lkw zusammengekommen sind.“
Die Rohware wurde eine Ebene über dem Warenein- und -ausgang ausgelagert und dort mit einem Verschiebewagen in die Vorzone der Mischanlagen gebracht. Von diesen aus gelangen die Produkte über molchbare Rohrleitungen zu den Abfüllanlagen in der Halle seitlich vom HRL. „Um weitere Engpässe am Warenein- und -ausgang zu vermeiden, hatten wir bislang die Verpackungsmaterialien über einen Fördertechnikstich ausgelagert, der direkt von der Mitte der Gasse eins zur Konfektionierung führt“, berichtet Rüdiger Eppler. Damit befanden sich die Materialien gleich dort, wo sie gebraucht wurden. Über diesen Weg wurden auch die Fertigwaren ins HRL verbracht.
Kapazitätsausweitung früh geplant
Mit dem wachsenden Erfolg und dem sich kontinuierlich erweiternden Produktspektrum von orochemie wurden auch die intralogistischen Prozesse aufwändiger. „Wir haben deshalb das Gespräch mit viastore über eine Kapazitätserweiterung gesucht, bevor es zu Engpässen kommt“, sagt Rüdiger Eppler, dessen Mannschaft die immer häufiger auftretenden Spitzenlasten mit Sonderschichten abfedern musste. Die viastore-Planungsabteilung hat daraufhin den Ist-Zustand aufgenommen, die aktuellen Leistungsdaten analysiert und Potenziale aufgezeigt. „Auf dieser Basis hat uns viastore zwei Möglichkeiten unterbreitet, wie wir Leistung und Kapazität steigern können.“
Unter Berücksichtigung der künftigen Anforderungen entschied sich orochemie dafür, alle drei Regalgassen um 32 Meter auf 72 Meter zu verlängern. Das bedeutete, dass die Zahl der Palettenstellplätze von 2 257 um 1 328 auf insgesamt 3 585 erweitert wurde. „Das hat uns auch gleich die Gelegenheit gegeben, die Rasterhöhe im Erweiterungsbau an die neuen Gegebenheiten anzupassen“, schildert Rüdiger Eppler. Denn im Vergleich zu vor 15 Jahren werden heute weniger Gitterboxen für Halbfertigwaren benötigt, dafür umso mehr Plätze für Paletten mit Fertigwaren, die jedoch höher sind. Zudem wurde jede Regalgasse mit je einem RBG des Typs viapal mit einer Tonne Tragkraft ausgerüstet - das bestehende RBG wurde in diesem Zuge gleich modernisiert, so dass jetzt alle Geräte einen einheitlichen technischen Stand haben. „Bei uns stehen alle Zeichen auf Wachstum. Unsere Lagerkapazitäten sind dafür bereit.“
Wareneingang und Warenausgang entkoppelt
Wareneingang und Warenausgang wurden entkoppelt: Der Wareneingang blieb an der einen Lagerstirnseite bestehen, der Warenausgang wurde auf die gegenüberliegende Seite verlegt. Damit war auch der Umsetzer nicht mehr erforderlich. Stattdessen wurde für die Einlagerung wie auch für die Auslagerung je ein Verschiebewagen eingebaut, der die Paletten von der Wareneingangs-Fördertechnik aufnimmt und zum entsprechenden RBG bringt - oder eben von der entsprechenden Gasse abholt und auf die Warenausgangsstrecke setzt. Die seitliche Auslagerung der Verpackungsmaterialien und Versandkartons wurde demontiert. „Das bringt zum einen weitere Stellplätze, zum anderen erhöht es die Leistung der Gesamtanlage nochmals deutlich, weil diese Produkte nicht durch eine einzige Gasse geschleust werden müssen“, erklärt Lars Breuer.
WMS steuert Produktion

Aktualisiert wurden auch das WMS, das Materialfluss-System (MFS), das noch auf DOS lief, sowie die Geräte-Steuerungen, so dass jetzt Software wie auch Hardware wieder auf dem neuesten Stand sind. Beim WMS war ursprünglich das Release 5.1 des Warehouse Management Systems viad@t im Einsatz, jetzt ist es 7.1. Die SPS wurde von S5 auf S7 aktualisiert, der neue IPC, der die RBGs steuert, läuft jetzt unter Windows 7. Kommissioniert wird die Fertigware direkt von der Palette, verschickt wird sie nach Bedarf per Spedition oder KEP-Dienst.
orochemie GmbH + Co. KG, D-70806 Kornwestheim, Tel.: 0 71 54/13 08-0, Fax: 1308-40, E-Mail: [email protected], www.orochemie.de
viastore systems GmbH, D-70469 Stuttgart, Tel: 07 11/98 18-0, Fax: 98 18-1 80, E-Mail: [email protected], www.viastore.de









