Bilanz 2021

Martin Schrüfer,

Endress+Hauser übertrifft eigene Erwartungen

Endress+Hauser hat im Geschäftsjahr 2021 die eigenen Erwartungen übertroffen. Der Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik erreichte bei Auftragseingang, Umsatz, Gewinn und Beschäftigung neue Bestmarken.

Sandra Genge folgt auf Hans-Peter Endress im Endress+Hauser Verwaltungsrat. © Endress+Hauser

Diesen Schwung konnte die Firmengruppe mit ins neue Jahr hinübernehmen. Zwar dämpft der Krieg in der Ukraine die Hoffnungen, die gute Entwicklung fortsetzen zu können, doch sieht sich das Unternehmen für ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld gut gerüstet.

2,6 Millionen Messgeräte lieferte Endress+Hauser 2021 aus. „Unsere Kunden haben uns in hohem Maße vertraut“, sagte CEO Matthias Altendorf auf der Bilanzpressekonferenz in Basel. „Sie konnten sich nach Ausbruch der Pandemie auf uns verlassen. Und wir waren ein verlässlicher Partner, als die Nachfrage wieder angezogen hat.“ Trotz angespannter Beschaffungsmärkte und Logistikketten stellte das Unternehmen weltweit die Materialverfügbarkeit sicher und lieferte mit hoher Termintreue aus.

Wachstum breit abgestützt
So konnte Endress+Hauser 2021 nicht nur an die Vor-Corona-Zeit anknüpfen, sondern wichtige Kennzahlen deutlich verbessern. Der Nettoumsatz stieg um 11,7 Prozent auf 2,879 Milliarden Euro. In Asien und Amerika entwickelten sich die Verkäufe dynamisch, in Europa solide. Afrika lag im Plus, nur im Nahen Osten ging das stark von Öl und Gas abhängige Geschäft zurück. China vergrößerte seinen Vorsprung als umsatzstärkster Absatzmarkt vor den USA und Deutschland.

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Der Auftragseingang lag 2021 noch einmal gut fünf Prozentpunkte über dem Umsatzwachstum. Der Firmenchef sieht darin Nachholeffekte, ebenso eine Belebung der Nachfrage in fast allen Branchen. In der Prozessmesstechnik sorgten moderne Analyseverfahren sowie die Digitalisierung der Industrie für Impulse. Im Laborgeschäft, das 2020 von der Nachfrage nach PCR-Diagnostik beflügelt worden war, konnte die Tochterfirma Analytik Jena mit Produkten zur chemischen Analyse verstärkt wachsen.

Ausbildungsoffensive und Nachhaltigkeitsfokus
Ende 2021 arbeiteten weltweit 15.117 Menschen für das Familienunternehmen, 663 mehr als vor Jahresfrist. Vor allem in der Produktion wurden neue Stellen geschaffen. Nahezu alle Auszubildenden erhielten nach Abschluss ihrer Lehre ein Stellenangebot. Endress+Hauser will das Engagement in der Ausbildung noch einmal deutlich verstärken und die Zahl der Auszubildenden, Studenten und Praktikanten in den nächsten Jahren verdoppeln.

Im unabhängigen Nachhaltigkeits-Audit von EcoVadis verbesserte sich Endress+Hauser um vier auf 76 Punkte. Damit bewegt sich das Unternehmen nun im obersten Prozent der Vergleichsgruppe. Auf Gruppenebene wurde die Position eines Corporate Social Responsibility Officers geschaffen. Die neue Verantwortliche soll die Nachhaltigkeitsstrategie weiterentwickeln und ihre Umsetzung vorantreiben.

Viele Innovationen, hohe Investitionen
Von den über 70 Produktinnovationen des vergangenen Jahres stehen viele in Verbindung mit dem Thema Digitalisierung. 213,4 Millionen Euro, rund 7,4 Prozent des Umsatzes, wandte Endress+Hauser 2021 für Forschung und Entwicklung auf, 9,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 258 Erstanmeldungen bei Patentämtern in aller Welt zeugen von der Innovationskraft der Firmengruppe. Das Schutzrechte-Portfolio umfasst insgesamt 8.600 aktive Patente und Patentanmeldungen.

Endress+Hauser stemmte 2021 Investitionen von 192,8 Millionen Euro (6,4 Prozent weniger als im Vorjahr). Gerade bezogen werden neue Gebäude im schweizerischen Reinach. Noch im Gange sind die Arbeiten an den Fertigungsstandorten Gerlingen und Waldheim in Deutschland sowie Aurangabad in Indien. Die größten neuen Vorhaben betreffen die Produktion im deutschen Maulburg sowie ein Werk im chinesischen Suzhou. Die Sales Center Mexiko und Finnland errichten eigene Gebäude; die Tochtergesellschaften in Australien und Argentinien kaufen Gebäude.

Gewinn wächst überdurchschnittlich
Die Wechselkurse hatten 2021 nur einen geringen Einfluss, heißt es im Bericht von Finanzchef Dr. Luc Schultheiss. Der Wertverlust des Euro kostete 0,5 Prozentpunkte Umsatz. Zwar stiegen die Ausgaben für Material, Logistik und Personal, doch blieben die Kosten für Geschäftsreisen, Kundenbetreuung und Messeauftritte aufgrund der Coronavirus-Pandemie unter dem Niveau früherer Jahre. Dadurch wuchs der betriebliche Aufwand insgesamt unterdurchschnittlich; das Betriebsergebnis (EBIT) stieg um 28,8 Prozent auf 434,0 Millionen Euro.

Auch weil die Finanzanlagen im vergangenen Jahr eine gute Rendite erwirtschafteten, verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern (EBT) um 37,4 Prozent auf 463,8 Millionen Euro. Die Umsatzrendite (ROS) kletterte um drei Zähler auf 16,1 Prozent. Aufgrund einer niedrigeren Steuerrate wuchs das Ergebnis nach Steuern um 40,0 Prozent auf 356,8 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote erreichte 79,1 Prozent, ein Plus von 2,1 Prozentpunkten. Das Familienunternehmen ist praktisch frei von Bankschulden.

Krieg in der Ukraine überschattet Ausblick
Endress+Hauser startete mit einem rekordhohen Auftragsbestand ins laufende Jahr; im ersten Quartal lag der Auftragseingang über Plan. Die Firmengruppe hatte 2022 mit Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich gerechnet. Doch jetzt ist ungewiss, ob dieses Ziel erreichbar ist. „Russlands Angriff auf die Ukraine hat alles verändert“, sagte Matthias Altendorf. „Er bringt Leid über Millionen Menschen und trifft viele Gesellschaften zu einer Zeit, da die Pandemie noch lange nicht überwunden ist.“

Endress+Hauser stoppte mit Beginn der Invasion alle Lieferungen nach Russland. „Wir werden die Sanktionen in vollem Umfang einhalten“, betonte der Firmenchef. „Zugleich stehen wir gegenüber Mitarbeitenden und Kunden in Russland in der Verantwortung.“ 182 Menschen arbeiten im dortigen Sales Center. Unternehmen, die die Zivilgesellschaft versorgen und nicht unter die Sanktionen fallen – etwa in der Lebensmittelindustrie, den Life Sciences oder der Wasser- und Abwasser-Branche – will die Firmengruppe weiter beliefern.

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