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Artikel und Hintergründe zum Thema

Fördertechnik & Komponenten

Mit Hilfe der Schwerkraft

Vor zwei Jahren hat Ferag ihr Hängefördersystem Skyfall lanciert, das auf Gefällstrecken die Schwerkraft nutzt. Die Namensgebung kam gut an, auch weil Skyfall den gleichnamigen James-Bond-Film heraufbeschwört. Materialfluss hat mit dem Verkaufsdirektor von Ferag gesprochen - unter anderem über kleine und große Innovationen.

Schon bei geringem Gefälle arbeitet die innovative Technologie ausschFerag AGließlich mit Schwerkraft.
Schon bei geringem Gefälle arbeitet die innovative Technologie ausschließlich mit Schwerkraft.

Kommendes Jahr kann die Ferag AG ihr 60-jähriges Firmenjubiläum feiern. Die Firma aus dem schweizerischen Hinwil ist vor allem bekannt für ihre Anlagen für die grafische Industrie. Der Axel-Springer-Verlag in Hamburg-Ahrensburg, die Prawda in Moskau und das Zeitungsimperium von Rupert Murdoch in Großbritannien und Australien gehören zu den Kunden von Ferag. Doch die Zeitungsindustrie ist kein Markt, der wächst. Um sich für die Zukunft aufzustellen, beschloss man 2013, den Geschäftsbereich Intralogistik zu gründen. Basierend auf dem bestehendem Know-how und den Kompetenzen im Bereich Hängefördersystem mit Einzelstücktransporten, verfolgt man heute das Ziel, die Systeme auf andere Anwendungsbereiche und Branchen auszuweiten.

Skyfall im Aufwind

Bisher vier Unternehmen setzen auf das Skyfall-System, knapp ein Dutzend Anlagen sind in Betrieb - in Belgien beim Bauchemiehersteller Soudal (wir berichteten in Ausgabe 10/2015), in Deutschland und in den USA. Verkaufsdirektor Enrico Caruso ist optimistisch, dass 2016 mehrere Dutzend Anlagen hinzukommen. Mit Skyfall können unterschiedlich getaktete Fertigungslinien überbrückt werden. Da die Laufschienen über den Köpfen der Mitarbeiter angebracht sind oder nahe an der Decke entlanglaufen, bleibt am Boden genügend Raum für die Arbeitsstationen. Der Bedarf sei da und man habe mit Skyfall und dem neuen Skysorter ins Schwarze getroffen. Vorteilhaft ist, dass die Skyfall-Systeme mit wenigen Antrieben auskommen. In der Regel reicht ein Antrieb für einen Streckenabschnitt von 80 Metern aus. Schon bei geringem Gefälle arbeitet die innovative Technologie ausschließlich mit Schwerkraft.

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Schweizer Qualitätsverständnis Nahezu alle Komponenten für die Systeme - die Schienen und Weichen, in denen die Fördertaschen eingehängt werden, werden in Hinwil selbst produziert. Caruso betont, dass nur hochwertiges Material verwendet wird. Die Anlagen werden individuell nach Kundenwunsch produziert - ab Auftragseingang dauert es in der Regel drei bis vier Monate, bis das System an den Kunden ausgeliefert wird.

Materialfluss: Obwohl Ferag schon 1957 gegründet wurde, kam erst 2013 der Geschäftsbereich Intralogistik hinzu. Welchen Stellenwert hat die Intralogistik heute innerhalb der Ferag AG?

Enrico Caruso
Enrico Caruso, Verkaufsdirektor für Deutschland, Österreich, Italien und die italienisch sprechende Schweiz

Enrico Caruso:

Es ist beschlossene Strategie, dass die Intralogistik ein wichtiges Standbein des Unternehmens wird. Die Intralogistik ist bei uns nicht nur in aller Munde, sondern sie steht auch auf aller Leute Agenda. In dem Sinne, dass wir diesen Bereich sukzessive ausbauen.

MFL: Wie ist das Umsatzverhältnis der Intralogistik zu Ihren anderen Geschäftsbereichen, also der grafischen Industrie, Direktwerbung und Software? Caruso: Im Moment reden wir über wenige Prozentpunkte vom Gesamtvolumen. Wir haben mit der Intralogistik ja erst vor gut zwei Jahren begonnen, Ende 2013.

MFL: Im Mai 2015 haben Sie verkündet, dass Sie mit SSI Schäfer eine strategische Partnerschaft eingegangen sind. Und dass Sie bei Projekten mit Hängefördertechnik kooperieren wollen. Wie kam es dazu? Caruso: SSI Schäfer ist ein Familienunternehmen wie wir. Wir haben viele ähnliche Denkweisen. Wir sind miteinander ins Gespräch gekommen und haben entschieden, dass wir im Bereich Hängefördertechnik zusammenarbeiten. Schäfer bringt das Know-how im Bereich Lager- und Sorter-Anlagen ein. Von unserer Seite kommen die Hängefördersysteme.

MFL: Als Familienunternehmen mit Schweizer Qualitätsverständnis sind Sie stolz darauf, Innovationen systematisch zu fördern. Ich nehme an, Skyfall ist eine große Innovation? Caruso: Richtig. Aber auch die Art, wie wir Maschinen entwickeln und produzieren. Wir arbeiten mit Hilfe rotativer Verfahren. Dadurch sind die Fliehkräfte eingeschränkt und man bekommt höhere Leistungen.

MFL: Und eine kleine Innovation? Caruso: Eine kleine Innovation ist zum Beispiel eine Lösung für eine Paketierung von Produkten, die schwierig sind, zu bündeln. Etwa bei Zeitschriften, die sehr rutschig sind. Damit das Paket stabil hält, entwickelten wir eine Technik, mit der sich Zeitschriften sicher binden und ausliefern lassen.

MFL: Welche Pläne verfolgen Sie konkret in den nächsten ein bis zwei Jahren? Caruso: Im Vordergrund steht für uns, dass wir das umfassende Know-how, das wir über Jahrzehnte aufgebaut haben, ausweiten, vertiefen und in diversen Anwendungsbereichen der Intralogistik umsetzen.

MFL: Was wäre ein Beispiel für so einen Anwendungsbereich? Caruso: Im Grunde fördern wir Einzelteile. Und beim Fördern können wir im Fluss noch zusätzliche Prozesse durchführen. Etwa, wenn Unternehmen im Industriebereich Fertigungsinseln miteinander verbinden möchten. Bei der Produktion von Einzelteilen - beispielsweise von Beuteln, Flaschen oder Kartuschen - geht es darum, zu lagern, zu kommissionieren und auszuliefern.

MFL: Welche Branchen sprechen Sie an? Caruso: Die Branchen, die wir ansprechen, sind Produzenten von Kunststoff- oder Metallteilen oder Branchen wie Lebensmittel, Pharma, Chemie, Internethandel und Logistik.

Das Interview mit Enrico Caruso, Verkaufsdirektor für Deutschland, Österreich, Italien und die italienisch sprechende Schweiz führte Susanne Frank in der Zentrale von Ferag in Hinwil. Caruso ist kein Nachkomme des berühmten Tenors, seinen Namen verdankt er seinen rebellischen Eltern, die ihm entgegen guter italienischer Tradition nicht den Namen des Großvaters geben wollten. Er gibt zu, wenn er singt, hat das eher eine einschläfernde Wirkung.

Kontakt:

Ferag AG 8340 Hinwil, Schweiz Tel.: 00 41 / 44 / 9 38 60-00 E-Mail:

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