Verpackungstechnik
Umweltverschmutzer Verpackungshilfen?
Mit dem boomenden E-Commerce steigt auch die Menge an Füllstoffen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden ökologischen Belastung durch Verpackungsabfälle aus Kunststoff wird es Zeit für den Verzicht auf Luftkissenpolster und ähnlichem. Ein Gastbeitrag von Baret Davidian, Geschäftsführer Easypack GmbH. Der Boom des E-Commerce ist ununterbrochen: Jeder zweite Verbraucher in Deutschland – das sind 37 Millionen Personen – kaufte 2013 im Internet ein. Gemeinsam bescherten sie dem Online-Handel einen Umsatz von 34,3 Milliarden Euro. Bis 2015 soll der Umsatz auf 50 Milliarden Euro ansteigen.
Neben dem Handel profitieren davon auch KEP-Dienstleister, die allein 2013 deutschlandweit über 2,6 Milliarden Sendungen transportierten. Damit steigt auch die Nachfrage nach Füllmaterial, um empfindliche Waren wie Kosmetika, elektronische Komponenten oder ähnliches während des Transports zu schützen. Um Beschädigungen und daraus resultierende Reklamationen und Retouren zu vermeiden, gilt dabei häufig der Grundsatz „viel hilft viel“.
Kunststoffabfälle werden von Jahr zu Jahr zunehmend problematischer

Viele Versender füllen die Hohlräume in den Paketen und Päckchen deshalb möglichst vollständig aus, damit einzelne Teile nicht in der Verpackung hin und her rutschen können oder aber unsanfte Stöße während des Transports das Produkt beschädigen. Dabei setzen noch immer viele Unternehmen auf Luftpolsterfolie, Luftkissen, Schaum oder Styropor. Mit fatalen Folgen für die Umwelt – denn mit dem E-Commerce nimmt so auch die Menge des Kunststoff-Abfalls zu. Bereits 2013 waren laut Studie „Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen in Deutschland 2013“ 60,5 Prozent der Kunststoffabfälle bei Endverbrauchern Verpackungen. Die Studie „Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen in Deutschland 2013“wurde von der Consultic Marketing & Industrieberatung GmbH im Auftrag von PlasticEurope, der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. (iK), des VDMA, des bvse und der BKV GmbH erstellt.
EU will Kunststoffabfälle reduzieren
Die EU-Kommission hat Plastiktüten als ein wesentliches Problem des anfallenden Kunststoffabfalls erkannt. Dies ist nicht abwegig, werden doch pro Europäer im Jahr durchschnittlich 200 Plastiktüten genutzt, bevor er sie – meist nach einmaligem Gebrauch – entsorgt. Diese Ressourcenverschwendung soll nun mit Gebühren, festen Verringerungszielen oder nationalen Verboten eingedämmt werden.
Doch der Kunststoffabfall besteht nicht nur aus Plastiktüten, sondern aus zahlreichen Alltagshelfern. Viele der Kunststoffverpackungen sind schwer ersetzbar – beispielsweise dünne Folie beim Kauf von frischem Fleisch oder Kunststoffverpackungen für abgepackte Lebensmittel. Andere eingesetzte Kunststoffe lassen sich leichter reduzieren. Dazu gehören beispielsweise Luftpolsterbeutel, Luftkissen, Schaum oder Styropor als Füllmaterial – zumal sie in der Regel nach Empfang der Sendung direkt entsorgt und damit nur einmalig genutzt werden. Andere verwenden Bio-Kunststoffen oder Verpackungschips aus Maisstärke – dies ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch werden viele dieser natürlichen Verpackungsmaterialien zusammen mit anderen Kunststoffen dem Recycling zugeführt, da sie von den Verbrauchern nicht als ökologische Alternative zu den Kunststoff-Folien erkannt werden.
Auch die klassischen Kunststoffabfälle werden nicht komplett zur weiteren Verwertung aufbereitet. So wurden 2013 von rund 5,68 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen in Deutschland etwa 41 Prozent einer werkstofflichen, ein Prozent einer rohstofflichen sowie 57 Prozent einer energetischen Verwertung zugeführt. Ein Prozent wurde deponiert. Dabei fand die Wiederverwertung in Deutschland, aber auch in anderen Ländern statt – für den Transport der Abfälle wurden also zusätzliche Ressourcen benötigt.
Auch wenn der Recyclinganteil hoch ist, verhindert dies nicht, dass ein Teil dieses Verpackungsmülls in die Umwelt gelangt und unter anderem in den Meeren eine Gefahr für die maritime Tierwelt bildet. So schwimmen nach einer aktuellen Studie 270.000 Tonnen Plastikmüll auf den Weltmeeren – genug, um 38.500 Müllwagen zu füllen. Dies berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“ am 11.12.2014 mit Verweis auf die Studie, die unter anderem von Markus Eriksen, Umweltorganisation 5 Gyres Institute, verfasst und in dem Fachjournal Plos One vorgestellt wurde. Nicht erfasst wurden die Plastikteilchen unter Wasser, die zum Teil mikroskopisch klein sind und sich in den Tieren ablagern.
Europäische Strategie zur Vermeidung von Kunststoffabfällen
Unabhängig von der Verantwortung jedes Einzelnen ist deshalb damit zu rechnen, dass die EU-Kommission weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Kunststoffabfällen planen wird – erste Ideen dazu beinhaltet das Grünbuch zu einer europäischen Strategie für Kunststoffabfälle in der Umwelt der EU-Kommission aus dem Jahr 2013. Das Thema Verpackungshilfsstoffe wird darin noch nicht erwähnt, obwohl gerade hier umweltfreundliche Alternativen in Form von Papierpolstern zur Verfügung stehen. Diese haben – neben ihrer Festigkeit – zudem den Vorteil, dass sie flexibel sind: Indem man die Papierpolster zu Spiralen formt, lassen sich selbst empfindliche Produkte fixieren, ohne dass der gesamte Hohlraum ausgefüllt werden muss. Die Papierpolster bleiben auch bei hohem Gewicht stabil und sind – anders als Luftpolsterkissen – unempfindlich gegenüber spitzen Kanten. Zudem lassen sie sich schnell und einfach wieder dem Wertstoffkreislauf zuführen.
Versender und Logistik-Dienstleister sollten deshalb nicht abwarten, ob auch die Verwendung von Füllstoffen irgendwann durch die Politik reglementiert wird, sondern – auch im eigenen Interesse – vorher aktiv werden und die Verwendung von Papierpolstern für ihre Zwecke prüfen.
Baret Davidian
Kontakt:
Easypack GmbH D-59494 Soest Tel.: 0 29 21 / 5 90 34-0 E-Mail:









