Interview zu SKALA

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"Ein Hebel zur Reduktion manueller Prozesse"

Dr. Maximilian Austerjost, Stellvertretender Abteilungsleiter und Scientific Board Member Projektleitung SKALA, Fraunhofer IML © Fraunhofer IML

Die Digitalisierung der Logistik erfordert mehr als einzelne Insellösungen: Gefragt sind offene, interoperable Technologien, die Prozesse über Unternehmensgrenzen hinweg vernetzen und automatisieren. Mit SKALA hat das Fraunhofer IML eine technologische Grundlage geschaffen, die genau diesen Wandel unterstützt – von KI-basierten Anwendungen bis hin zu sicheren Datenräumen für die Zusammenarbeit entlang der gesamten Supply Chain.

Dominik Schmitt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer IML © Fraunhofer IML

Doch wie profitieren Unternehmen konkret von den entwickelten Lösungen, und welche Chancen ergeben sich insbesondere für den Mittelstand? Darüber sprechen wir mit Dr. Maximilian Austerjost und Dominik Schmitt vom Fraunhofer IML.

Haben Sie aus der Praxis denn bereits Feedback zu den drei Anwendungen GreenComplAI, SiMBA und InstaScan erhalten?

Ja, sehr deutlich. Entscheidend ist: Wir sprechen nicht über reine Forschungsprototypen, sondern über Lösungen, die bereits mit Unternehmen unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt wurden. GreenComplAI wurde mit realen Lieferanten- und Produktdaten von zum Beispiel Accuride Corporation, Siemens, Novonesis und IntegrityNext validiert. Besonders positiv bewertet wurden der geringere Prüfaufwand, eine bessere Datenqualität und die transparente Erfüllung regulatorischer Anforderungen wie LkSG, CSRD und DPP. SiMBA wurde gemeinsam mit IFCO Systems, Logistikbude und CHI Deutschland Cargo Handling erprobt. Das Feedback zeigt klaren Nutzen bei Preisentscheidungen, Margensteuerung und Auslastung. InstaScan wurde auf Basis von mehr als 10.000 realen Frachtbriefen aus dem Umfeld von Dachser entwickelt. Unternehmen sehen darin einen unmittelbaren Hebel zur Reduktion manueller Prozesse und zur Beschleunigung administrativer Abläufe.

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Wie hoch ist der Integrationsaufwand der Lösungen? Gibt es Low-Entry-Szenarien?

Die Lösungen sind grundsätzlich für einen schnellen Einstieg ohne Großprojekt ausgelegt. Bestehende Systeme können weiter genutzt werden. GreenComplAI startet bereits per CSV-Import aus SAP- oder ERP-Systemen und liefert sofort Reports zu Auffälligkeiten und Datenqualität. SiMBA kann mit vorhandenen Auftragsdaten trainiert und zunächst parallel zum TMS als Preisassistenz eingesetzt werden. InstaScan läuft als vorgelagerter Service: Dokumente erfassen, Daten extrahieren und strukturiert an ERP- oder TMS-Systeme übergeben. So entsteht schneller Nutzen, ohne laufende Kernsysteme zu ersetzen.

Mit welchen Stolpersteinen hat der Mittelstand bei der Einführung hauptsächlich zu kämpfen?

Typisch für den Mittelstand sind knappe IT-Ressourcen, Datenschutzbedenken, Skepsis gegenüber künstlicher Intelligenz und Unsicherheit beim Einsatz von Open Source. SKALA begegnet dem mit klaren Pilotprojekten, DSGVO-konformen Betriebsmodellen, transparenten Assistenzsystemen und offenen Architekturen mit kalkulierbaren Kosten. Bei diesen Herausforderungen stehen wir als Fraunhofer IML als Partner für Integrations- und Adaptionsprojekte zur Verfügung.

Welche Voraussetzungen braucht es für die SKALA- Multi-Agenten-Systeme?

Benötigt werden vor allem Mut und Offenheit, den Schritt zu gehen, ergänzt um verfügbare Daten und klare Ziele. Auch als einzelnes Unternehmen kann man direkt starten und einzelne SKALA-Anwendungen produktiv nutzen. Darin steckt bereits enormes Potenzial, das sich bei einer späteren Ausweitung auf Kunden, Lieferanten und weitere Partner deutlich auszahlt. So entstehen schrittweise vernetzte Prozesse, von denen alle Beteiligten profitieren.

Wo liegt der schnellste Einstiegspunkt für messbare Effizienzsteigerungen?

Der schnellste Hebel liegt meist in der Dokumentation, ganz konkret mit InstaScan. Es entstehen täglich Kosten durch manuelle Erfassung, Fehlerkorrekturen und Verzögerungen. InstaScan reduziert diesen Aufwand sofort, erhöht die Datenqualität und beschleunigt Folgeprozesse in Disposition und Abrechnung. Dadurch werden schnelle, messbare Effizienzgewinne bereits in kurzer Zeit sichtbar.

Anm. d. Red: Dieses Interview wurde mit zwei Personen geführt. Ihre Antworten fließen hier bewusst zusammen, eine Trennung nach einzelnen Stimmen haben die Gesprächspartner nicht vorgenommen.

Erfahren Sie mehr über SKALA: "Wie SKALA die Logistik neu vernetzt"

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