Stapler im Gefahrstofflager

Gerd Knehr,

Ex-Schutz-Hochregalstapler ­sichert gefährliche Prozesse

Wo sich bei der Lagerbewirtschaftung explosionsfähige Staub- oder Gasgemische bilden, dürfen weder Funken noch statische Entladungen entstehen. Zum Schutz vor der Entstehung von Explosionen unterliegen die eingesetzten Fahrzeuge und Gerätschaften strengen Vorschriften. Im Chempark Leverkusen sichert ein ex-geschützter MX-X Kommissionier-Stapler von Still die Prozesse im Gefahrstofflager von Chemion Logistik.

Der MX-X Kommissionier-Stapler von Still in der ex-geschützten Sonderausführung hat durch das große Panoramafenster freie Sicht auf das Gefahrgut. © Gerd Knehr

Über 6.100 Paletten können in den Stellplätzen der ­51 Regalzeilen des Gefahrgutlagers von Chemion Logistik eingelagert werden. Jeweils 200 Paletten werden im Wareneingang und Warenausgang tagtäglich umgeschlagen. In den 25 Hochregal-Gassen transportiert ein ex-geschützter MX-X Schmalgangstapler von Still Fässer und Kannen mit flüssigem Gefahrgut wie auch Big-Bags und Sack-Ware mit chemischen Feststoffen zu den Lagerplätzen. Hubert Kubitza, verantwortlich für die Stückgutlogistik von Chemion Logistik im Chempark Leverkusen: „Gemäß BimSchV ist unser Stückgutlager für Stoffe mit besonders hohem Gefahrenpotenzial zertifiziert. Austretende Lösungsmittel der ab­gefüllten Basis-Chemie können verdunsten und sich mit dem Sauerstoff der Luft zu einem explosiven Gemisch vereinigen. Die räumlichen Bereiche, in welchen solche Atmosphären auftreten können, müssen deshalb als explosionsgefährdete Zonen gesondert gekennzeichnet sein. Gegen eventuelle Leck-agen ist das Gefahrstofflager ferner mit Auffangwannen aus-gestattet, und zur Verflüchtigung der explosiven Dämpfe auf der Front- und Rückseite ohne Außenwände offen gebaut.“

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Explosive Atmosphäre in Zonen aufgeteilt
Gesetzliche Vorschriften regeln sowohl Herstellung als auch Betrieb der Flurförderzeuge in der Ex-Schutz Ausführung. Die Kriterien sind hierbei die Art der explosionsgefährdeten Atmosphäre. Richtschnur für die Anwender ist die Atex-Richtlinie 2014/34/EU. So werden zum Beispiel die Gefahrenzonen für explosive Gasgemische in drei Klassen aufgegliedert. In diesen Bereichen dürfen keine wirksamen Zündquellen vorhanden sein. Dazu zählen auch Elektro-Fahrzeuge, welche nicht speziell gekapselt sind. Ferner dürfen die Elektrostapler in einer explosionsfähigen Atmosphäre nur betrieben werden, wenn deren maximale Oberflächentemperaturen unterhalb der Zündtemperatur des umgebenden explosionsfähigen Gemisches bleibt. Zur einfachen Beurteilung wurden sechs Temperaturklassen de­finiert.

Der für den Einsatz und die Vermietung der Flurförderzeuge verantwortliche Manager von Chemion Logistik, Adrian Ksoll, fügt an: „In unserem Gefahrstofflager treten explosive Gaskonzentrationen selten und nur kurzzeitig auf. Für den MX-X von Still werden folglich für die Gefahrenzone 2 in der Gerätekategorie die Ex-Schutz-Umbauten 3G sowie die Temperaturklasse 4 verlangt. Die maximale Abstrahltemperatur des MX-X von Still darf also 135 Grad Celsius nicht überschreiten. In unserem Mietpool sind nahezu 2.200 Flurförderzeuge verfügbar – davon allein 500 Fahrzeuge in ex-geschützter Ausführung. Herstellung und Betrieb der Ex-Schutz Stapler sind sehr aufwendig. In Europa gibt es darum nur wenige Vermieter von solchen Geräten.“

Ex-Schutz-Lösungen: Funkenbildungen oder Entladungen verhindern
Fast alle elektrisch angetriebenen Stapler werden darum von Still auch in der Ex-Schutz Version angeboten. Flurförderzeuge, welche die schützenden Anforderungen vor Explosionen erfüllen sollen, werden von Still und Miretti, dem Spezialisten für solche Umbauten entwickelt. Die gesamte Umrüstung wird auf das zuvor ermittelte Einsatzprofil ausgerichtet. Danach werden alle Fahrzeugteile, die durch Funken, Spannung oder elektro-statische Aufladung Explosionen auslösen können, gekapselt oder mit entsprechenden Materialien ummantelt.

Alle Verbindungen sind speziell geschützt, um eventuelle Funkenbildungen oder Entladungen zu verhindern. Bei Stoß- und Reibberührungen wird die Entstehung von Funken durch die Edelstahlbeschichtungen der Gabelzinken unterbunden. So funktioniert auch die Hupe pneumatisch und nicht mehr elek­trisch. Um explosive Verpuffungen zu vermeiden, wird entstehendes Knallgas in der Batterie gesondert abgeleitet. In ex-­geschützter Sonderversion sind auch die Personenschutzanlage für den gleichzeitigen Aufenthalt von Fußgängern und MX-X, die Blitzleuchte, die Batterieadaption und der Batteriestecker sowie die beiden Arbeitsscheinwerfer und die Kabinenheizung. 

Um den Explosionsschutzbestimmungen gerecht zu werden, sind die Bremsen und die Hydraulik ummantelt. Die Vermeidung elektrostatischer Aufladung spielt sowohl bei der Wahl der Bezugsstoffe vom Fahrersitz als auch bei der Konstruktion der Innenverkleidung eine Rolle. Laufräder, Antriebsrad und Führungsrollen sind ebenso in der antistatischen Ausführung. Auch die Aufladungen durch die mechanische Zwangsführung werden abgeleitet. Mittels der Cockpit-Anzeige werden Warnmeldungen zur Oberflächentemperatur des MX-X angezeigt.

Fahrkomfort und Sicherheit
In der Fahrerkabine des MX-X sorgt die thermostatgesteuerte Heizung und Belüftungsanlage für ein angenehmes Arbeits-umfeld. Die Schiebetüre auf der linken Seite ermöglicht ein komfortables Ein- und Aussteigen. Durch die großen Panoramafenster, vorne und seitlich, besteht freie Sicht auf die Gabelzinken und die Lagerplätze im Gefahrstofflager. Die zuschaltbaren LED-Scheinwerfer, links und rechts am Fahrerschutzdach, dienen zur Ausleuchtung der Regalfächer. Das Bedienpult ist für stehende oder sitzende Bedienung in Höhe und Neigung einstellbar. Mittels des berührungslosen Sensors dient die integrierte Zweihandabfrage für ermüdungsfreies Arbeiten. Durch das Traglastdiagramm verbindet das Fahrerassistenzsystem Optispeed die Vorteile der optimierten Fahrzeugbewegungen für mehr Umsatzleistung sowie Komfort und Sicherheit. Im LCD-Display wird, in Abhängigkeit der Gabelhöhe, das zulässige Lastgewicht dynamisch angezeigt. Die Sicherheitsausstattung verfügt zudem über einen Notausstieg über das Dachfenster mit dem Abseilsystem. „Des Weiteren verfügen wir über einen Reservestapler, falls doch einmal der MX-X ausfallen sollte“,
ergänzt Hubert Kubitza von Chemion Logistik.

In Bereichen mit explosionsfähiger Atmosphäre können nicht explosionsgeschützte Flurförderzeuge durch hohe Oberflächentemperaturen, Schlag- oder Reibfunken sowie elektrostatischen Aufladungen zur Zündquelle werden. Fast alle Elek­trostapler werden darum bei Still auch in der Ex-Schutz-Version angeboten. Gleichwohl hilft im Umgang mit Gefahrgut nur vor- und umsichtiges Agieren aller Beteiligten.

Über Chemion Logistik
Seit 2001 ist die Chemion Logistik eigenständiger Standort-logistiker und Spezialist für den Umgang mit einer großen Zahl von Gefahrgut- und Lagerklassen für die chemische Industrie. Mit einem jährlichen Umschlag von knapp 700.000 Paletten an den Chempark-Standorten in Leverkusen, Dormagen, Krefeld-Uerdingen und den beiden Außenlagern in Duisburg ist die Chemion Logistik mit rund 70.000 Paletten-Stellplätzen in Block-, Schmalgangregal sowie Freilägern für die Stückgutaufträge der chemischen Industrie gerüstet – sowohl für Feststoffe als auch Flüssigkeiten.

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