Software & Ident

Von der Kreidetafel zum Chip

In kaum einem anderen Bereich der Intralogistik ist der Wandel der vergangenen 40 Jahre so deutlich wie in der Identtechnik. 1969 gab es noch keinen Barcode, heute wetteifern unterschiedliche 2D- und 3D-Systeme mit RFID.

Ein Historiker, der die jüngere Geschichte der innerbetrieblichen Logistik untersucht, würde sicherlich zu dem Schluss kommen, dass einzelne Produkte und Packstücke 1969, im Gründungsjahr der Zeitschrift „Materialfluss“, noch keine Identität hatten. Das klingt abstrakt, stimmt aber. Denn unter Identität versteht man das, was einen Menschen (oder ein Paket) von allen anderen unterscheidet, und das war in der Logistikwelt von 1969 noch nicht von Bedeutung.

Gefragt waren vielmehr Systeme, die große Mengen von Packstücken einheitlich kennzeichneten. Dies geschah mit Schablonenstanzmaschinen, mit deren Hilfe die nötigen Informationen als Schablone ausgestanzt und mit Pinsel und Farbe auf die Verpackungen aufgebracht wurden – ein frühes Erzeugnis der Bluhm Kennzeichnungssysteme GmbH, die 1968 gegründet wurde.

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Als die Tafel ausreichte Ansonsten war die Kennzeichnung in jener Zeit keinesfalls automatisiert oder auch nur maschinenunterstützt. Leo Bartevyan, heute Vertriebsleiter der InnoLOG GmbH, die mit MoTIS moderne Software-Systeme für die Lagerverwaltung anbietet, erinnert sich: „Damals, zu Zeiten meiner Ferienjobs im Lager eines Marktführers, wurden die Wareneingänge handschriftlich auf Listen notiert und die verbrachten Waren dann mit ihrem Lagerort auf Kreidetafeln des betreffenden Regals vermerkt.“

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Diese Art der Identifizierung änderte sich in den 1970er Jahren gründlich mit der Einführung moderner IT-Systeme in der Materialflusstechnik. Bartenyan: „Die ‚Unique-ID‘, also die Ident-Technik und Kennzeichnung der Waren, hat überhaupt erst die Grundlage für eine IT-gestützte innerbetriebliche Logistik geschaffen.“

Seitdem müssen Waren fehlerfrei identifiziert, geprüft und am vorgesehenen Platz ein- und ausgelagert werden – immer häufiger in Logistikketten, die über viele Stationen reichen, bis zum Endverbraucher. Davon profitieren die Hersteller von Identtechnik: Casio beispielsweise lieferte vor rund zehn Jahren 70 000 MDE-Handys mit Unterschriftserfassung an die Deutsche Post AG. Und moderne Geräte sind nicht nur mit Autofokus-Kamera und GPS-Positionserfasung ausgerüstet, sondern auch gegen Stürze und Nässe geschützt.

1976: Der erste Barcode Im Zuge dieser Entwicklung setzte sich auch der Barcode durch. 1976 wurde in Europa der EAN-Code eingeführt, und ein Jahr später war der Wuppertaler Gewürzhersteller Wichartz das erste deutsche Unternehmen, das seine Produktverpackungen mit dem Strichcode kennzeichnete. Damit war das automatisierte Identifizieren von Waren möglich.

Seither haben sich die Anforderungen an die Identtechnik kontinuierlich erhöht. Beispielsiweise brachte Bluhm 1978 den ersten elektronischen Nadeldrucker auf den Markt. Erstmals konnten Etiketten nun variabel beschriftet werden. Gespeichert wurden die Daten auf einem Magnetband. Diskette und Festplatte gab es noch nicht. Weitere Meilensteine waren computergesteuerte Etikettendrucksysteme Anfang der 80er Jahre und die ersten Thermo- und Thermotransferdrucker 1987.

Mit dem Umschlagvolumen wuchs die Lesegeschwindigkeit der Systeme, in vielen Bereichen ist die Kennzeichnung die Basis für eine Chargenverfolgung, und der Barcode wurde zum weltweiten Ident-Standard. Auch die Geräte veränderten sich. Immer häufiger setzte man Handheld-Terminals ein, Kameras zur Grafikerkennung wurden integriert. Später kamen neue Kommissionierverfahren wie Pick-by-Light und Pick-by-Voice hinzu und wurden mit der Barcode-Erkennung kombiniert.

Heute steht, als Folgetechnologie zu 2D- und 3D-Codes, der RFID-Transponder, im Zentrum des Interesses vieler Anwender. Sie erlauben die gleichzeitige Erfassung größerer Warenmengen und lassen sich beliebig oft überschreiben. Das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML), das die Branche seit 1981 begleitet, hat ein ganzes Labor für die RFID-Technologie eingerichtet und kann dort typische Materialfluss-Abläufe erproben.

Der Durchbruch dieser Ident-Technologie hat sich in der Logistik bereits vollzogen und wird sich weiter fortsetzen, ohne dass der Barcode vollständig abgelöst wird. Beispielsweise hat das IML gemeinsam mit Coca-Cola und Chep eine durchgängige RFID-Lösung realisiert, bei der die Transponder an der Mehrwegpalette angebracht sind. Alle Daten, die an den Gates und Terminals erfasst werden, sind auf einer HTML- Internetseite einsehbar.

Das erwartet uns morgen

Bilderfassung Mit der RFID-gestützten Erfassung ist der Endpunkt der Entwicklung aber noch nicht erreicht. In Zukunft könnten IT-gestützte Bilderfassungssysteme genutzt werden. Für die Bedienung dieser Systeme stellt das Betriebsystem Windows 7 Multitouch-Funktionen bereit.

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Gestenerkennung Noch ferner in der Zukunft, nach Einschätzung von InnoLOG aber durchaus realisitisch, ist die Gestensteuerung, die Microsoft mit dem Projekt „Natal“ verfolgt. Leo Bartevyan: „Diese neue Art der Bedienung hat großes Potenzial und könnte womöglich bald schon die Logistikabläufe am I-Punkt grundlegend verändern.“

Bluhm Systeme GmbH, E-Mail: [email protected], www.bluhmsysteme.com Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, E-Mail: [email protected], www.iml.fraunhofer.de Innolog GmbH, E-Mail: [email protected], www.innolog.de KBS Industrieelektronik GmbHwww.kbs-gmbh.de

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