Logistik-Software

Marvin Meyke,

Sieben Gründe, warum sich ein effizientes Yard-Management-System lohnt

Vorauszusehen ist bei der Hoflogistik oft nur, dass alles anders läuft als geplant. Logistikverantwortliche benötigen daher Management-Systeme, die Auslastungen planen, alle notwendigen Abläufe vom Check-in bis zum Check-out automatisiert begleiten und die Verantwortlichen auch beim Alltag der Neudisposition unterstützen. Matthias Wurst, Leiter Business Development Industrielogistik bei Inform, zeigt anhand von sieben Gründen, warum das Buchen von Zeitfenstern allein in der Industrielogistik nicht mehr ausreichend ist.

© Inform

Yard Management mit echtzeitfähiger Lkw-Zulaufsteuerung

Die Vorteile eines modernen Zeitfenstermanagements zur Organisation der Hoflogistik auf dem Werksgelände liegen auf der Hand: Spediteure und Disponenten melden ihre Transporte und Bedarfe via Internetplattform – so haben alle Beteiligten die für sie relevanten Informationen im Blick. Damit lässt sich exakt planen, wann welcher Lkw mit welcher Fracht an der Pforte erwartet wird. Die Durchlaufzeiten versprechen dadurch kürzer und zuverlässiger zu werden, zuständige Logistiker können die Verlade-Ressourcen besser planen und effizienter auslasten. Allerdings wird angesichts der immer komplexer werdenden Aufgaben, denen sich die Industrielogistik heutzutage international stellen muss, sehr schnell deutlich: Nur Zeitfenster optimal verplanen, greift zu kurz. Für ein optimales Yard Management braucht es eine zweite wichtige Komponente: eine dynamische und echtzeitfähige Lkw-Zulaufsteuerung, die alle Abläufe in der Industrielogistik optimal regelt.

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Hohe Bedeutung für Echtzeit-IT

Unvorhergesehene Ereignisse durchkreuzen in der Praxis nahezu täglich selbst die besten Pläne: Lieferfahrzeuge kommen zu früh, zu spät oder unangemeldet, bringen anderes Material als angekündigt oder in einer anderen Menge – und schon geraten Slots durcheinander, Be- und Entladestellen auf dem Werksgelände müssen neu disponiert werden. Mit dieser Problematik haben nahezu sämtliche Branchen der produzierenden Industrie in ihrem Tagesgeschäft zu kämpfen. Entscheider aus dem Logistik- und Supply-Chain-Management-Bereich wissen sehr wohl, dass hier ein großer Nachholbedarf besteht. Das zeigt eine aktuelle Studie des Aachener Optimierungsspezialisten Inform vom Herbst 2022: 98 Prozent der 307 Teilnehmenden gaben dabei an, dass sie Echtzeit-IT in der Logistik für wichtig oder sehr wichtig halten. Doch lediglich 26 Prozent nutzen bereits Echtzeitanwendungen in ihrem Unternehmen. Es besteht also Nachholbedarf.

Passendes Yard-Management-System: Das sind die Vorteile

Sieben gute Gründe sprechen für ein effizientes Yard-Management-System, das in Echtzeit das operative Tagesgeschäft optimiert und dabei das Zeitfenstermanagement und die intelligente Steuerung des Lkw-Zulaufs kombiniert. Dabei behält es sämtliche Ladevorgänge auf dem Werksgelände von der Einfahrt bis zur Ausfahrt im Blick und koordiniert diese:

1. Flexibler Check-in

Sobald der Lkw das Werkstor erreicht, erfolgt der Check-in an der Pforte digital entweder an speziellen Kommunikationssäulen, an firmeneigenen Endgeräten oder auch via Pager, SMS oder App auf dem Smartphone der Fahrer – vom Prozedere her ist das durchaus mit einem Check-in am Flughafen vergleichbar. Die Daten sind digital erfasst – umständliche Telefonate und der Abgleich von Papieren entfallen, auch etwaige Sprachbarrieren zwischen Fahrern und Pförtnern sind kaum mehr ein Hindernis.

2. Selbstständige Optimierung des Durchlaufs

Hat ein Lkw sein Zeitfenster verpasst, berechnet die intelligente Software innerhalb von wenigen Sekunden einen neuen Plan, um Waren zu be- und entladen. Sie hat dabei nicht nur den speziellen Lkw und die Priorität seiner Ladung im Blick, sondern berücksichtigt alle relevanten Vorgänge – inklusive des Status der anderen Fahrzeuge auf dem Gelände und im Zulauf sowie das aktuelle Aufkommen an den Ladestellen – und legt mit diesen Kenntnissen eine optimierte Durchlaufreihenfolge fest. Die Software disponiert dabei selbstständig, ohne dass ein Mitarbeiter eingreifen muss.

3. Automatisierte Kommunikation

Doch auch optimale Dispositionen sind nur dann wirklich hilfreich, wenn sie unverzüglich allen relevanten Beteiligten mitgeteilt werden. Die Software kommuniziert deshalb ihre aktualisierte Durchlaufreihenfolge automatisch an alle Beteiligten. Die Lkw-Fahrer bekommen so unverzüglich mitgeteilt, welche Ladestelle, welche Pufferzone oder welchen Parkplatz sie ansteuern sollen, die Ladestellenmitarbeiter erfahren gleichzeitig, welche Ware sie wann in welcher Reihenfolge abzufertigen haben.

4. Zusatzservice via App

Die Kommunikation ist zwar auch via Anzeigetafeln, SMS oder Pager möglich. Optimal ist allerdings der Weg über eine Smartphone-App, die Lkw-Fahrern und Ladestellenmitarbeitern noch zusätzlichen Service verspricht: Mit ihr lassen sich etwa in der chemischen Industrie auch ADR-Kontrollen protokollieren, Ladungen und Packstücke scannen, Lastwagen beim Zulauf auf das Werk orten und weitere Fahr- oder Warteanweisungen an die Fahrer übermitteln.

5. Inbound und Outbound

Anders als bei einer herkömmlichen reinen Zeitfensterbuchung organisiert ein intelligentes Yard-Management-System nicht nur separat die Lkw-Anfahrten und die entsprechenden Be- oder Entladevorgänge von Materialien und Waren. Es kann auch die integrierte Planung von Inbound- und Outbound-Verkehren steuern, wie zum Beispiel die Anlieferung von Leergut und Abholung von Waren. So ist auch eine Koppelung von Abhol- und Anlieferzeitfenster im Rahmen eines gemeinsamen Logistiknetzwerks zwischen Zulieferer und Hersteller möglich.

6. Variable Anbindungs- und Integrationsoptionen

Ein Yard-Management-System kann über Standardschnittstellen einfach an IT-Systeme (zum Beispiel ERP, PPS und Ähnliche) mit allen gängigen Techniken (XML, SOAP, MQS, und so weiter) integriert werden. Dabei werden die Informationen über Bestellungen, Material oder auch den Lieferstatus der Ware miteinander abgeglichen und können – wenn gewünscht – an ein Data-Warehouse übertragen werden. Für das Management-Reporting bieten Dashboards und KPIs aussagekräftige Statistiken. Mit entsprechenden Software-Komponenten lassen sich zusätzlich vorgelagerte Trailer-Yards koordinieren oder ein Transportleitsystem integrieren, womit dann die innerbetriebliche Logistik mit der Auslieferlogistik synchronisiert werden kann.

7. Bedarfsgerechte Skalierbarkeit

Die Grundzüge der Industrielogistik sind zwar in den meisten produzierenden Industriezweigen dieselben. Im Detail gibt es allerdings durchaus branchenspezifische Unterschiede, da sich beispielsweise die Anforderungen eines Automobilzulieferers nicht in jedem Punkt mit denen eines Chemie-Unternehmens über einen Kamm scheren lassen. Deshalb lässt sich das Yard-Management-System hinsichtlich spezieller Aufgaben und Funktionsmerkmalen mit wenigen Klicks den konkreten Bedarfen im jeweiligen Unternehmen anpassen und deckt dabei zudem Kriterien wie Mandantenfähigkeit und Mehrsprachigkeit ab. Zudem berücksichtigt es auch verschiedene Zeitzonen. Auch das Mengengerüst ist leicht skalierbar von einigen Dutzend über hunderte bis hin zu mehreren tausend Lkw pro Tag.

Ein intelligentes Yard-Management-System mit der Möglichkeit, Zeitfenster zu buchen und den Zulauf zu steuern, schafft somit vollständige Transparenz aller Transportvorgänge auf dem Werksgelände, reduziert die Durchlaufzeiten erheblich und hilft damit auch, Ressourcen an Zeit, Material und Personal einzusparen. Für eine ökonomisch und ökologisch erfolgreiche Industrielogistik wird Echtzeit-IT in Zukunft ein maßgeblicher Faktor sein. Und diese Zukunft hat schon begonnen.

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