Aus der Praxis

Martin Schrüfer,

SecurPharm: TUP koppelt GLS Logistik an Apothekenserver

Um Patienten besser zu schützen, bekommen verschreibungspflichtige Medikamente seit dem 09. Februar 2019 verpflichtend verpackungstechnisch zusätzliche Sicherheitsmerkmale und sind automatisch im zentralen Sicherheitssystem für Arzneimittel ‚securPharm‘ online gespeichert. Für das Großhandels- und Dienstleistungsunternehmen GLS Logistik GmbH & CO KG Dental Handel KG (GLS Logistik) hat die Software-Manufaktur Dr. Thomas und Partner (TUP) aus Stutensee die Ankopplung an den komplexen Apothekenserver fristgerecht realisiert – unter Berücksichtigung des europaweit agierenden Verifikationssystems und den unzähligen Anpassungen innerhalb des von TUP stammenden Warehouse-Management-Systems (WMS).

© TUP

Die gleichnamige deutsche Organisation securPharm e.V. hat gemäß den Vorgaben der EU-Fälschungsschutzrichtlinie das System ‚securPharm‘ entwickelt, um in Zukunft den Schutz vor gefälschten Arzneimitteln weiter zu verbessern. Und da GLS Logistik verschreibungs- und damit auch verifikationspflichtige Artikel führt, entwickelte TUP für das Unternehmen aus Kassel unter anderem die Schnittstellenerweiterung zum Host sowie die Erweiterung für die bestehende Auftragsschnittstelle. Beide Schnittstellen sind nun permanent mit dem Apothekenserver verbunden und erfüllen so die Rolle der pharmazeutischen Großhändler.

„Die Prüfung erfolgt durch einen Scan des Data-Matrix-Codes und den dadurch ausgelösten Abgleich mit dem securPharm-System“ erklärt Sebastian Mohn, Softwareentwickler bei TUP und verantwortlich für die Implementierung des Features SecurPharm. „Für den Abgleich gilt, dass jede Arzneiverpackung erstens einen sogenannten Uniqe-Identifier hat, der aus Produktcode, Seriennummer, Charge, und Verfallsdatum besteht und als 2D-Barcode (PPN-Barcode) aufgedruckt ist. Zweitens muss jede Packung versiegelt sein, um feststellen zu können, ob sie schon mal geöffnet wurde.“

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Retouren-Verifizierung bereits am Wareneingang

Neben den Verpackungen mussten natürlich auch Prozessabläufe bei GLS Logistik softwaretechnisch angepasst werden. So gibt es beispielsweise keinen spezifischen Arbeitsplatz, um verschreibungspflichtige Artikel in den Bestand aufzunehmen. Sie werden optional bereits am Wareneingang verifiziert und eingelagert. Das betrifft auch die Retouren. „Innerhalb von zehn Tagen ist es möglich eine Ausbuchung innerhalb derselben Betriebsstätte wieder rückgängig zu machen. So können etwa retournierte Artikel wieder vereinnahmt beziehungsweise versehentlich ausgebuchte Medikamente wieder ins System zurückgebucht werden“, erklärt Sebastian Mohn weiter – vorausgesetzt, der Endkunde hat die Ware nicht angenommen oder war zu Hause nicht anzutreffen. „Dabei haben wir gemeinsam mit den GLS-Verantwortlichen darauf geachtet, dass der bestehende Erfassungsprozess kaum angepasst werden musste – auch weil wir im Vorfeld noch nichts über die Antwortzeiten des Systems im Produktivbetrieb wussten. Die Abfragen zum SecurPharm-System laufen daher asynchron; so muss das GLS-WMS nicht auf die Antwort des Apothekenservers warten.“

SecurPharm: reglementiertes Authentifizierungsverfahren

Die größte Änderung am GLS-WMS betraf dann auch die Schnittstelle zum SecurPharm-Apothekenserver. Weil dort sicherheitsrelevante Informationen ausgetauscht werden, musste ein streng reglementiertes Authentifizierungsverfahren implementiert werden. Jeder Standort, der Medikamente ausbuchen darf, muss sich zum einen registrieren, zum anderen wurden individuelle Sicherheitszertifikate ausgerollt. Mit Hilfe dieser wird zuerst von einem Authentifizierungssystem ein Token angefordert, das 24 Stunden gültig ist. Mit diesem Token und dem jeweiligen Zertifikat erfolgt zunächst der Zugang zum Apothekenserver; erst dann können besagte Verifikationen und Ausbuchungen folgen.

Um die entsprechenden Ausbuchungen auftragsbedingt korrekt zu kommissionieren, wurde nicht nur die MDE-Software den neuen Bedürfnissen angepasst; GLS Logistik entschied sich auch gleich für neue Endgeräte. „Die für GLS Logistik attraktivste Lösung war es, gleich zu Beginn der Projektphase auf neue MDE-Geräte zu setzen“, so Fabian Rudolph, Betriebsleiter bei GLS Logistik. „Zum einen mussten wir gemeinsam mit TUP die MDE-Software so entwickeln, dass wir am Ende 2D-Barcodes lesen können, zum anderen wurde die manuelle Eingabe des Uniqe-Identifiers berücksichtigt. Wir haben uns letztendlich für Endgeräte von Motorola entschieden“ „Und Dank unseres Lieferantennetzwerks, konnten wir in kürzester Zeit MDEs mit 2D-Scanner-Technologie zur Verfügung stellen – sozusagen ein all-inclusive-Service von TUP, schließt Oliver Chimbo, Projektleiter bei TUP ab“. Es musste aber auch schnell gehen, so war die Zeit für die Realisierung mit knapp zwei Monaten knapp bemessen.

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