Software

SAP oder nicht SAP - das ist hier die Frage

Nicht erst seit die CeMAT die „Smart Supply Chain Solutions“ zum Motto deklariert hat, ist die IT so gefragt wie nie. Immer mehr Anlagenbauer und Staplerhersteller wollen auch als Softwareplayer wahrgenommen werden. Warum ist die IT gerade jetzt in „aller Munde“? Dass ohne IT nix geht“ ist als Gedanke so neu nicht, aber neu ist, dass Firmen, die eigentlich Fördertechnik, Behälter oder Stapler herstellen, immer mehr den Fokus auf die Software legen und ihr noch mehr Gewicht verleihen, indem sie auch ein Softwarehaus gründen. So geschehen Mitte letztes Jahr, als viastore, das seit 27 Jahren Anlagen- und Fördertechnik herstellt und vertreibt, die viastore Software GmbH aus der Taufe hob. Auch Klinkhammer hat mit AK warehouse solution ihre Softwareentwicklung ausgegliedert und will mit Klinkware, einem WMS das mit Touchbedienung punktet, den Markt erobern. Eisenmann, ein Unternehmen aus Böblingen, das Anlagen baut, unter anderem Elektrohängebahnen, hat rückwirkend zum 1. Januar 2015 eine eigene Software Company gegründet. Begründet wurde diese strategische Entscheidung mit dem Ziel, die eigene „Rolle in der vernetzten Fertigung weiter auszubauen und die intelligente Fabrik im Zeitalter von Industrie 4.0 Wirklichkeit werden zu lassen.“

SAP
SAP oder nicht SAP - das ist hier die Frage

„Wir machen auch in Software“

Statt „Wir können alles außer Hochdeutsch“ heißt es nun eher „Wir können auch Software“ - und das gilt nicht nur für schwäbische Unternehmen. Nicht wenige betonen in letzter Zeit, dass sie über Softwarekompetenz verfügen. Jungheinrich stellt sein WMS in den Mittelpunkt seiner Erfolgsgeschichten, viastore-Kunden begründen ihre Entscheidung pro viastore damit, dass die Firma eben auch Software im Portfolio bietet (Titelstory in Materialfluss 04/2016). Ein IT-Manager von SSI Schäfer spricht in der vorliegenden Ausgabe darüber, worauf man bei einer WMS-Einführung achten sollte. Vanderlande stellte in Materialfluss 11/2015 seine Load Forming Logic in den Vordergrund, zeigt also auf, wie hinter der Optimierung der Supply Chain zwischen Warehouse und Filiale ein intelligentes System steht. Dematic verkündete unlängst, dass sie auch die Richtigen sind, wenn es darum geht, SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM) einzuführen. Die Reihe mit Beispielen ließe sich beliebig fortsetzen.

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Schon klar: Ohne Software funktioniert auch die ausgefeilteste Technik nicht, aber warum ist der Hype um die Software gerade jetzt so auffallend? Ein Grund liegt sicher im „Industrie 4.0Wahn“. Wer in seinem Produktportfolio nichts findet, das sich vernetzen, integrieren und „versmarten“ lässt, hat im schon länger andauernden Medienhype schlechte Karten. Wir nehmen uns da nicht aus - auch wir wollten wissen, wie sich das CeMAT-Motto auf die eigene Geschäftstätigkeit auswirkt.

Vom Softwarekuchen ein Stück abhaben

Im Interview mit dem Schwestermagazin von Materialfluss, LT-manager 05/2015, im Herbst 2015 äußerte sich Geschäftsführer von viastore, Philipp Hahn-Wörnle zu den Beweggründen, die hinter der Software-Ausgründung standen. Analysten würden ein Wachstum von sieben Prozent pro Jahr für den softwarebasierten Intralogistikmarkt prognostizieren und die SAP würde ein deutlich größeres Wachstum mit Supply-Chain-Execution-Systemen erzielen. Sehen die Unternehmen also einfach noch mehr Spielraum nach oben, wenn es um Software geht? Definitiv ja. Die Einführung von SAP EWM war eine Erfolgsstory, die vielen Unternehmen zum Ansporn dient. Und das, obwohl gerade die Anlagenhersteller keinen Grund zur Klage haben (Beweis sind die optimistischen Aussagen der Teilnehmer unserer Round Table der Generalunternehmer und zum Thema RBG und Shuttle letztes Jahr).

Was aber bedeutet das für die Unternehmen, die reine Softwareunternehmen sind? Nehmen ihnen die Generalunternehmer und Anlagenbauer die Butter vom Brot? Oder sind die Spezialisten weiterhin gefragt? Einen Vorteil haben die GU und Anlagenhersteller allemal. Sie sind einfach als erste zur Stelle, wenn eine Anlage modernisiert, erweitert oder neu gebaut werden soll. Sie haben sozusagen zuerst ihren Fuß in der Tür. Wenn mir das Unternehmen, von dem ich Fördertechnik, Regale und Stapler beziehe, auch gleich die passende Warehouse-Software anbietet - welchen Grund sollte ich haben, nach Alternativen Ausschau zu halten?

„Für Mittelständler ist eine SAP-Lösung oft zu mächtig“

Alle gucken zum „Platzhirsch“ SAP.
Alle gucken zum „Platzhirsch“ SAP. Mit eigenen WMS wollen viele im Softwaremarkt mitmischen.

Kosten und Schnittstellen - darauf richten Logistikleiter den Blick Materialfluss hat bei Logistik- und IT-Leitern nachgefragt. Für viele Logistiker steht meistens zuallererst die Entscheidung für oder gegen SAP an. „Fährt das Unternehmen bereits eine SAP-Strategie, wird man sich vermutlich mit hoher Wahrscheinlichkeit nach für eine SAP-Lösung entscheiden,“ weiß Hondo Santos, Director Logistics bei der Balluff GmbH. Und ergänzt: „Hat die SAP ein Modul, das die Ansprüche, die man hat, in vollem Umfang abdeckt, ist SAP die erste Wahl. Doch für manchen kleineren Mittelständler könnte eine SAP-Lösung in vielen Fällen einfach zu mächtig oder am Ende auch zu teuer werden.“ Laut Santos haben dann WMS-Module von anderen Anbietern eine sehr gute Chance, die oft einfach flexibler und eventuell auch günstiger sind.

Achim Nolden von Stabilus stimmt im Großen und Ganzen zu. Auch er sieht die große Entscheidung zu Beginn eines IT-Projekts pro oder contra SAP: „Wenn mir die Möglichkeiten, die SAP für die Lagerverwaltung bietet, genügen, dann brauche ich kein spezielles WMS. Habe ich spezielle Anforderungen an die Automatisierung des Lagers oder die Einbindung von Flurförderfahrzeugen, mache ich mich auf die Suche nach einem WMS von einem Spezialanbieter, der mir unter Umständen ein breiteres Portfolio bietet und mehrere Bereiche der Supply Chain abdecken kann.“ Der Senior System Analyst beim Hersteller von Gasfedern aus Koblenz betont auch: „Man sollte zuallererst einen Plan haben, für welche Prozesse man überhaupt Unterstützung braucht.“

So lautet das Fazit: Die Anlagenhersteller, die auch ein WMS anbieten, haben das Potenzial von Software erkannt. Unternehmen, die vorhaben, ihre Fördertechnik oder Staplerflotte zu modernisieren, werden auch die Software von diesen Anbietern ins Auge fassen. Und nach dem Motto „je weniger Schnittstellen desto besser“, haben sie gute Chancen, in die engere Wahl zu kommen. Richtet man den Blick über den Lagerrand hinaus und will die gesamte Supply Chain automatisieren, braucht man ein Transport Management System, ein System für die Zollabwicklung, möglichst ein System, mit dem sich Lieferketten überwachen lassen, und so weiter. Und hier kommen dann die reinen Software-Anbieter ins Spiel, die Lösungen für die gesamte Supply Chain Execution anbieten.

Was keiner im Normalfall will, ist ein Softwarezoo, so Nolden. Aber wer sich für eine Software entscheidet, sollte den Blick auf die Prozesse richten. Ob die Software von jemandem stammt, der auch Regale und Behälter baut oder Stapler, ist dann erstmal nebensächlich.

Susanne Frank

Kontakt:

Balluff GmbH 73765 Neuhausen Tel.: 0 71 58 / 1 73-0 E-Mail:

Stabilus GmbH 56070 Koblenz Tel.: 02 61 / 89 00-0 E-Mail: info@de.stabilus.com www.stabilus.de

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