Zwei Fragen an...

Die Realität in Form von Daten erfassen

Branchenexperten sind sich einig, dass Sensoren zunehmend zu den Schlüsselkomponenten der Intralogistik gezählt werden können. Die Fähigkeit, Signale und Daten aufzunehmen und weiterzugeben, ist zentral, was sich auch im Beitrag von Martin Schrüfer herausstellt.

Mario Reif (Strategic Industry Manager Retail, Global Industrie Center Logistics Automation, Intralogistics, Sick AG) und Andreas Schenk (Produktmanager Wireless, steute Technologies GmbH & Co. KG) © links: Sick AG, rechts: steute

Zwei Fragen an Mario Reif, Strategic Industry Manager Retail, Global Industrie Center Logistics Automation, Intralogistics, Sick AG:

materiafluss: Mit welchen Produkten wollen Sie im Herbst punkten und was zeichnet diese aus?
Mario Reif: Um unseren Kunden in der Lager- und Fördertechnik weitere Mehrwerte zu bieten und sie damit gegenüber ihrem Wettbewerb zu stärken, haben wir unser Produktport­folio erweitert. Dabei hatten wir vor allem die Flexibilität und Skalierbarkeit der Fulfillment-Methoden (Omnichannel-Logistik) im Blick. Unsere Identifikationslösungen, bestehend aus kamerabasierten Codelesern, Barcodescannern, Vision-Sensoren, RFID und Handheldscannern werden ständig weiterentwickelt. Sie sind 4Dpro gekennzeichnet und umfassen eine einheitliche Anschlusstechnik, eine einheitliche Bedienoberfläche und ein einheitliches Zubehörkonzept.

Eine vielversprechende Anwendung ist die automatische Erkennung von Gefahrgut-Etiketten. Die Normen und Vorschriften für den Transport und die Kontrolle von Versandstücken mit gefährlichen Gütern (zum Beispiel Lithiumbatterien) werden jedes Jahr verschärft. Gleichzeitig wird der Druck der KEP-Industrie größer, den Entlade- und Sortierprozess zu beschleunigen. Eine Lösung ist die automatische Identifikation bestimmter Pakete, etwa derjenigen, die als gefährliche Güter gekennzeichnet sind. Die Identifikations-Zeilenkamera erkennt Gefahrgut-Etiketten und kann gleichzeitig 1D- und 2D-Codes identifizieren. Damit können unsere Kunden gefährliche Güter separieren, um sie an einer manuellen Station prüfen zu lassen. Eine solche Lösung wird die zeitaufwändige und kostenintensive manuelle Sortierung beim Entladen ersetzen.

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Zur optimalen Ausnutzung vorhandener Lagerkapazitäten ist die Stammdatenerfassung von Objekten im Wareneingang besonders wichtig. Durch die ermittelten Volumen- und Gewichtsdaten können Lagerplätze objektabhängig vergeben werden. Im E-Commerce lässt sich durch das Erfassen der Volumen- und Gewichtsdaten der kleinsten bestellbaren Verpackungseinheit die optimale Ver­packungsgröße des kommissionierten Bestellauftrags erzielen.

3D-Lösungen für die flexible Automatisierung in der Intralogistik ermöglichen ebenfalls einen Effizienzgewinn, da millimetergenaue, farb- und kontrastunabhängige echte Formdaten von Objekten generiert werden. Mit der neuen TriSpectorP1000 werden 3D-, 2D- und Profilinspektionen bewegter Teile – etwa von Paketen auf einem Förderband – möglich. Mit dem SICK AppSpace kann die 3D-Kamera entsprechend der Kunden-anforderung individuell programmiert werden. Der microScan3 Core ist der Sicherheits-Laserscanner aus dem Hause SICK zur Absicherung von Gefahrbereichen, Zugängen und Gefahrstellen. Die Scantechnologie safeHDDM erhöht die Zuverlässigkeit des microScan3 und ist gut bei Staub und Fremdlicht.

mfl: Täuscht der Eindruck oder sind Sensoren in einer modernen Intralogistik der Schlüssel zu noch mehr Effizienz, Geschwindigkeit oder Präzision?
Reif: Der Eindruck täuscht nicht: der Druck hin zur intelligenten Rationalisierung und Effizienzsteigerung ist weiterhin groß. Gerade die im Zusammenhang mit Industrie 4.0 angestrebte „Intelligente Fabrik“ bietet Entwicklungsmöglichkeiten. Denn die Vernetzung lässt sich nur umsetzen, wenn robuste und mitdenkende Sensorik die Realität in Form von Daten erfasst und diese Daten in der für Industrie 4.0 erforderlichen Qualität bereitstellt. Lange wurde die innerbetriebliche Logistik stiefmütterlich behandelt. Sensortechnologie und Sensorintelligenz werden zum Treiber, da sie Verbesserungspotenziale schneller erkennen und Lösungen umgehend umgesetzt werden können.

Zwei Fragen an Andreas Schenk, Produktmanager Wireless, steute Technologies GmbH & Co. KG:

materiafluss: Mit welchen Produkten wollen Sie im Herbst in besonderem Maße punkten und was zeichnet diese aus?
Andreas Schenk: Die Intralogistik ist der Kernzielmarkt für unser Funknetzwerk sWave.NET, mit dem wir beispielsweise Anwendungen bei FTS-Flotten, mobilen E-Kanban-Regalen und in Kommissionierbahnhöfen realisiert haben. In den kommenden Monaten steht bei uns die Präsentation eines neuen Funksensors im Fokus, den wir sehr gezielt für einen definierten Anwendungsbereich in der Intralogistik entwickelt haben. Dieser Sensor erkennt, ob sich ein Kleinteilebehälter auf der Rollenbahn zum Beispiel eines Kanban-Regals befindet, und gibt über die Access Points des Funknetzwerks ein Signal an die übergeordnete Steuerung. Als Betätigungselement kommt eine groß dimensionierte Wippe zum Einsatz, deren Position von einem integrierten Lagesensor berührungslos erfasst wird.

Der Neigungswinkel und die Schalthysterese, bei denen ein Signal ausgelöst wird, kann eingestellt werden. Mit diesem Sensor, der sich universell und werkzeuglos montieren lässt, sprechen wir sehr gezielt die Hersteller und Anwender von E-Kanban-Systemen an. In der Praxis nutzen die Anwender diese Funk-Lagesensoren zur Nachschubsteuerung in Regalsystemen: Wird der letzte Behälter entnommen, sendet der Sensor ein Signal an den Funk-Empfänger. Alternativ können auch gestufte Signale ausgegeben werden. Mehrere Funksensoren in einer Regalzeile melden dann auch die Entnahme des dritt- oder vorletzten Behälters.

mfl: Täuscht der Eindruck oder sind Sensoren der Schlüssel zu noch mehr Effizienz, Geschwindigkeit oder Präzision?

Schenk: Der Eindruck täuscht nicht. In den automatisierten Anlagen der Intralogistik sind die Sensoren quasi die „Sinnesorgane“ der Regelkreise. Der aktuelle Fortschritt in der Sensorik wird aber eher durch deren Vernetzung und ihre Integration in übergeordnete Kommunikationssysteme erreicht als durch große Entwicklungssprünge der Sensoren selbst. Deshalb setzen wir auch stark auf den Ausbau und die Erweiterung der Funktionalitäten unseres Funknetzwerks für die Intralogistik. Aktuelles Beispiel ist die Sensor Bridge als neue zentrale Software-Schnittstelle. Als klassische Middleware verarbeitet diese Software-Schnittstelle sämtliche Nachrichten, die von den Funkschaltgeräten und -sensoren im Feld empfangen und von den Access Points gebündelt werden, und gibt sie an die dafür registrierten Anwendungen weiter. Damit schließt die Sensor Bridge die Lücke zwischen den hohen Sicherheitsanforderungen im Lager oder in der Kommissionierung und der vernetzten Welt der digitalen Dienste. Hier – in der Infrastruktur der Funknetzwerke für die Intralogistik – liegt noch Verbesserungspotenzial, das wir erschließen und damit auch der Funksensorik neue Anwendungsfelder eröffnen werden.

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