Aus materialfluss 1-2/2020

Martin Schrüfer,

Autonom und überkopf mit Servus Intralogistics

Servus Intralogistics startet 2020 mit zwei Neuentwicklungen für die Intralogistik: Mit dem Servus-Lifter hat das Unternehmen einen zweiteiligen Transportroboter ­entwickelt, der horizontal fährt und vertikal bis zu einer Länge von sechs Metern ausfahrbar ist. Eine weitere Neuheit ist der Servus-Cube. Das Lager ermöglicht vollautomatisierte, autonome Ein- und ­Auslagerungen mit hoher Lagerdichte bei direktem Zugriff.

Der Servus-Lifter hebt 35 Kilogramm bis zu einer Höhe von sechs Meter. © Servus Intralogistics

Der Servus-Lifter ist eine Lösung zur Material­bereitstellung in der Produktion. Die zweiteilige Aus­führung erweitert den Einsatzradius der Transportroboter direkt vom Lager bis unmittelbar in die Produktion. Denn während ein Teil als Fahrwerk für das horizontale Fahren auf Schienen dient, ist der zweite Teil – die Servus Hub-Plattform mit integriertem Lastaufnahmemittel – vertikal bis zu einer Länge von sechs Meter ausfahrbar. ­Dadurch kann der Servus-Lifter sämtliche Materialien wie Behälter, Kartons, Trays oder Styropor-Teile bis zu einem Gewicht von 35 Kilogramm auf unterschiedlichen Höhen an sämtlichen Stationen im Lager oder in der Produktion – sowohl vertikal als auch horizontal – aufnehmen und abgeben, stets auf der ergo­nomisch optimalen Entnahmehöhe für die Mitarbeiter.

Darüber hinaus verfügt der Servus-Lifter mit dem „Smartloader“ über ein materialschonendes Lastenaufnahmemittel: Zwei aus­fahrbare Zinken unterfahren das Behältnis, das mittels Zahn­riemen präzise auf den Transportroboter geladen wird. So entstehen keinerlei Reibungsverluste, was den Servus-Lifter wartungsarm und energieeffizient macht. „Mit dem Servus-­Lifter setzen wir einen weiteren Schritt zur komplett vernetzten Fabrik“ ­be­kräftigt Christian Beer, Gründer und Inhaber von Servus ­Intra­logistics. „Damit ermöglichen wir erstmalig einen ­un­unter­brochenen, ­effizienten Materialfluss vom Lager in die Produktion und ­bieten maximale Flexibilität.“

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Vollautomatische Versorgung an ­ unterschiedlichen Abgabestationen
Im Gegensatz zu Flurfahrzeugen benötigt der Servus-­Lifter keine Bodenfläche, denn der Transportroboter fährt „über Kopf“ unter der Hallendecke. Die direkte Belieferung von Kommissionier- und Arbeitsstationen erfolgt von oben. Ebenso können Kanban-Regale, automatische Supermärkte oder Montageautomaten mit dem richtigen Material versorgt werden. So bleiben selbst bei höherer Frequenz die erforder­lichen Geh- und Fahrwege immer frei, der Materialfluss bleibt ungestört und effizient. Im Pull-Prinzip kann Material just-in-time geliefert werden. Fertige Produkte oder Baugruppen ­werden sofort wieder eingelagert und für Folgeprozesse zur Verfügung gestellt. So werden Bestände reduziert und Produktionsfläche nicht unnötig als Lagerfläche genutzt.

Der Servus-Cube: Volle Automatisierung
Der Trend geht zum schnellen, dezentralen Zugriffslager. Der Servus-Cube soll neue Anwendungen in der Intra­logistik ­ermöglichen. Fertige Produkte und Baugruppen, Ersatzteile oder auch Werkzeuge können vollautomatisch eingelagert, ­zwischengepuffert und bei Bedarf sofort zur Verfügung gestellt werden. Durch die kompakte Bauweise kann der Servus-Cube nahe der Produktion platziert und für unterschiedliche ­Anwendungsbereiche genutzt werden: zum Beispiel als produk­tionsnahe Zwischenlagerung von Produktions­materialien, ­Ersatzteilen und Werkzeugen oder auch als ­dezentrales Wareneingangslager.

Den Fußabdruck auf der Fläche von weniger als drei Quadratmeter ermöglicht ein ­Regal als Basis, das in der Länge Reihe für Reihe erweiterbar ist und eine Ausdehnung der Lagerhöhe auf sechs Meter erlaubt. Pro Gasse führt ein Servus-Lifter bis zu 100 Ein- und Auslagerungen in der Stunde aus. Darüber hinaus erzielt der Servus-Cube dank der neuartigen, vertikalen Bewegungs­möglichkeiten durch den integrierten Servus-Lifter hohe ­Lagerdichte bei direktem Zugriff. Die Behälter können so dicht aneinander gereiht werden, dass weder oben noch unten oder seitlich Raum verschwendet wird.

Die automatisierte Logistikeinheit funktioniert autark, kann als Plug and Play Lösung aber auch in ein übergeordnetes, ­bereits bestehendes Intralogistik-System integriert werden. Die Verwaltung des Lagers erfolgt dabei automatisiert durch den Servus-Lifter im Inneren des Servus-Cube. Lager und ­Pro­duktion werden so eng verknüpft, Verschwendung wird minimiert. Die Anbindungsvarianten beim Servus-Cube sind viel­seitig. Sowohl manuelle Ein- und Auslagerstationen, die Abholung der Ware über eine Vorzone wie auch automatisierte Varianten mit dem Servus-Transportroboter, dem Servus-Lifter oder einem FTS – beispielsweise einem Agilox – sind möglich.

Vollautomatisierte Warenannahme und -abgabe
Mit einer optional integrierten Vorzone im Servus-Cube, die in eine Außenwand des Gebäudes implementiert wird, können Lieferanten ihre Ware App-gesteuert rund um die Uhr flexibel und voll automatisiert zustellen – ohne das Haus zu betreten und ohne die Anwesenheit von Mitarbeitern vor Ort. Gleich­zeitig können Kunden, Partner oder Mitarbeiter 24/7 Waren autark abholen. Dies schafft eine logistische Entlastung und Flexibilität im Wareneingangs- und Ausgangsbereich und reduziert somit die derDurchlaufzeiten in der Produktion, da das Material nach seiner Anlieferung in Echtzeit im Bestand erfasst wird und sofort für die Weiterverarbeitung zur Verfügung steht.

„Der Servus-Cube schafft mit seiner Vorzone und der ent­sprechenden Software die Voraussetzung, dass unsere Kunden gemeinsam mit ihren Lieferanten die Wertschöpfungskette nach außen verlängern und optimieren. Durch schnelleren Datentransfer, schnelleren Zugriff auf die gelieferte Ware und die Automatisierung der Prozesse entsteht mehr Effizienz auf ­beiden Seiten. Die Wertschöpfungskette wird optimiert – und das über die Produktion hinaus“, erklärt Christian Beer. Zwei Features machen die vollautomatisierte Waren­annahme und -abgabe möglich. Die neuartige „Picking Zone 100“ erfasst mit einem Kamerasystem alle Ein- sowie Auslagerungen und garantiert damit laut Unternehmensangaben 100 Prozent ­Prozesskontrolle. Bei entsprechendem Triggern betragen die Anlieferung und der Boxenwechsel weniger als drei Sekunden. Optional kann die Anwendung um eine präzise ­Gewichts­messung ergänzt werden, wodurch ein weiterer Aspekt der ­sicheren ­Ein- und Auslagerung abgedeckt wird.

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