Logistik-Dienstleister
Technik-Trend Logistik Dienstleister - JiT senkt Kosten
Der Kostendruck in der Automobilzulieferindustrie verlangt nach intelligenten, ressourcenoptimierten Lösungen zu günstigen Preisen. Deshalb ist Just-in-Time heute vor allem in der Automobilindustrie fester Bestandstandteil der Lean Production, wenn auch andere Branchen folgen.
Die bedarfsgerechte Lieferung von Bauteilen und Komponenten genau zu dem Zeitpunkt, zu dem Sie gebraucht werden - Just-in-Time (JiT) - ist inzwischen weit verbreitet. Kunde und Dienstleister loten dabei in der Regel Möglichkeiten aus, die Bestände und Prozesskosten weiter zu reduzieren, ohne die Prozess-Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Da vor dem Hintergrund möglichst geringer Produktionskosten die Materialbestände und Puffer möglichst klein gehalten werden müssen, setzt der JiT-Ansatz jedoch verlässliche Partner im Wertschöpfungsprozess voraus. Nur so können neben der Lieferung qualitativ hochwertiger Komponenten an den Original-Ausrüster (OEM) auch Qualitätsmessgrößen und Problemlösungsmöglichkeiten an vereinbarten Schnittstellen vorgehalten und vor allem die Produktionsversorgung sichergestellt werden.
Von JiT-Konzepten erwarten die Kunden in erster Linie Zuverlässigkeit. Dazu zählen Flexibilität ebenso wie Lieferfähigkeit. Kostensenkungspotenziale für die Kunden ergeben sich außer durch den Wettbewerb der Logistiker besonderes auch durch die Spezialisierung der Logistiker und dadurch, dass die Logistikunternehmen größtenteils in niedrigeren Tarifverträgen arbeiten als die Kunden. Zudem werden Kontroll- und Steuerungsaktivitäten den Zulieferern übertragen, so dass Bauteile ohne weitere Qualitätsprüfungen direkt an den Montageort geliefert werden können.
Die Nachfrage nach JiT-Konzepten nimmt kontinuierlich zu. Ihre Verbreitung ist jedoch branchenspezifisch sehr unterschiedlich. Außer in der Automobi l industrie , werden JiT-Konzepte immer häufiger in der Handelslogistik realisiert. Steigende Nachfrage ist zudem bei den Value added Services zu verzeichnen. Beispielsweise das Montieren von Baukomponenten und das Konservieren von Rohbauteilen für die Montage in Übersee oder das Aushärten von geklebten Karosserieteilen sowie die Werkslogistik in überseeischen Montagelinien. Der Anteil solcher Value Added Services ist bei BLG Logistics besonders für Kunden aus der Automobilindustrie sehr ausgeprägt. Hier setzt das Unternehmen als Logistik- Provider im Rahm en der Fertigfahrzeuglogistik eigene Lkw und künftig auch eigene Bahnwaggons ein.
Die Zustellstrecken sind bei BLG extrem unterschiedlich. Sie reichen von wenigen Metern in der Werkslogistik über wenige Kilometer in der Regionalversorgung des Handels bis zu interkontinentalen Verbindungen. Bei BLG gibt es jedoch keine standardisierten Zustelllager. Das Unternehmen entwickelt Logistikkonzepte und die dafür erforderlichen Anlagen zumeist gemeinsam mit Kunden und potenziellen Kunden, so beispielsweise für den Kunden Tchibo („Jede Woche eine neuen Welt") in Bremen das größte vollautoma tische Hochregallager des Kontinents. Für andere Waren und Güter reichen einfache Flachlager.
Es gibt aber auch Kombinationen der unterschiedlichsten Art. Auch der Logistikdienstleiser Stute betreibt seit rund zwei Jahren in unmittelbarer Nähe zum Hamburger Werk der Daimler AG ein Lieferanten-Logistik- Zentrum (LLZ) für die Just-in- Time-Belieferung der Produktion. Zu den Aufgaben des Bremer Logistikdienstleisters gehören die Abwicklung des Wareneingangs inklusive kaufmännischer Kontrolle, die optimale und beleglose Ein- und Auslagerung der Ladungsträger nach dem Fifo-Prinzip, die beleglose Kommissionierung von vereinzelten KLT, die zeitgenaue Versandbereitstellung und der Transport in das Mercedes-Benz Werk innerhalb von zwei Stunden.
Da das LLZ als Konsignationslager in Verantwortung des Zulieferers konzipiert ist, kann dieser seine Produktion optimal steuern. Denn das LLZ dient ferner als Puffer mit vereinbarten Mindestbeständen zwischen den „atmenden" Materialabrufen der Daimler- Produktion. Die Waren bleiben jedoch bis zur Auslieferung an das Werk Eigentum des Zulieferers. Hinsichtlich schwankender Mengen und neuer Anforderungen wurde der Automatisierungsgrad des Lagers bewusst niedrig gestaltet. Das heißt, Ladungsträger mit Gewichten zwischen 500 und 1 200 kg werden von Fördertechnik sowie Staplern und Lkw gehandhabt.
EDI-Konverter als Schnittstelle Im Mittelpunkt der IT-Lösung stehen ein EDI-Konverter sowie das von PSI entwickelte Stute-Warehouse-Management- System, das die Warenvereinnahmung und -einlagerung steuert, die Bestände verwaltet und Materialabrufe in interne Kommissionieraufträge und Auslagerungen umsetzt. Der EDI-Konverter ist die Kommunikationsschnittstelle zwischen dem LLZ und den Lieferanten sowie Daimler.
Lieferanten avisieren ihre Lieferungen und erhalten im Gegenzug Bestands- und Bewegungsdaten, auf deren Basis sie die an Daimler gelieferten Teile abrechnen. Daimler lastet die Materialabrufe ein, erhält entsprechende Lieferavise, und ebenfalls eine Bestandsübersicht für die Lieferantendisposition. Eine maßgeschneiderte Lösung für einen Hersteller von Mechatronik hat auch der Logistikdienstleister Rhenus entwickelt. Dabei werden als Drehscheiben für Beschaffung, Produktionsversorgung und Distribution Anlagen in Dortmund und Nürnberg genutzt.
Komplexe Materialströme Der Mechatronik-Hersteller beschäftigt weltweit rund 11 000 Mitarbeiter an 28 Standorten. Entsprechend hoch ist die Komplexität der Materialströme. Mal werden Teile aus dem irischen Werk für die Fertigung in Tschechien gebraucht, um später als Teil eines Endprodukts verwendet zu werden, mal verkauft das Stammwerk Lenksäulen aus osteuropäischer Fertigung, die in Nürnberg lagern, ins Rheinland. Deshalb hat das Unternehmen einen hohen Bedarf an zeitnahen, kostenoptimalen Transporten und den dazugehörigen Lagerdienstleistungen.
Vorteilhaft war bei der Auswahl des Dienstleiters, dass der Geschäftsbereich Contract Logistics von Rhenus über ein Netzwerk von 28 Logistikzentren verfügt. Das Logistikzentrum in Dortmund-Wambel dient als zentrale Anlaufstelle für rund 250 der Zulieferer. Es wird zum Teil als Konsignationslager geführt, sodass auch bei diesem Projekt die Lieferanten die Kosten der Lagerhaltung übernehmen und der Mechatronik-Hersteller die Ware erst bei der Entnahme bezahlt. Die vereinbarten Sicherheitsbestände reichen von vier bis fünf Tagen für ATeile bis zu für vier bis fünf Wochen für C-Teile. Anlieferungen werden elektronisch avisiert. Rhenus wickelt den Wareneingang ab, nimmt angeliefertes Material zunächst als „Skip-Lot" auf Lager und schickt eine Probe zur Qualitätskontrolle zum Kunden.
Die Charge bleibt solange gesperrt, bis sie vom Empfänger beziehungsweise dem Mechatronik- Hersteller freigegeben wird. Bei Eilaufträgen stellt Rhenus das benötigte Material innerhalb einer Stunde bereit. Die Just-in-Time-Versorgung der Produktion erfordert aber auch im Normalbetrieb schnelle Reaktionen: Was bis 9 Uhr morgens bestellt wird, muss um 13 Uhr im Werk eintreffen. Obwohl Kunde und Dienstleister an zwei Standorten zusammenarbeiten, genügt nur eine Schnittstelle für die IT-Integration. So wird in den Logistikzentren sowohl in Dortmund als auch in Nürnberg dasselbe Warehouse- Management-System eingesetzt.
Die Schnittstelle zum SAP-System des Kunden oder anderen gängigen Systemen ist standardmäßig vorhanden. Der Datenaustausch zwischen Lüdenscheid und Dortmund beginnt, wenn ein Lieferant sein Avis an den OEM schickt - der Kunde leitet die Daten sofort ans Rhenus- Logistikzentrum weiter. Übermittelt der OEM später die Materialanforderung, wird die Order in der Rhenus-IT so übersetzt, dass dem Kommissionierer ein bestimmtes Packstück („Handling Unit") zugewiesen wird. Dadurch können bei der Entnahme Vorgaben wie „First in, First out" umgesetzt werden - ein wichtiger Beitrag zur Prozess- Sicherheit.
Stichwort VAS Neben den klassischen Lagerdienstleistungen wie Wareneingang, Einlagerung, Lagerung, Kommissionierung, Konfektionierung, Verpackung, Warenausgang bieten Logistikdienstleister zunehmend Value-Added-Services (VAS) an, das heißt, Leistungen, die den Wert des Produktes durch zusätzliche Behandlung erhöhen. Zu den VAS zählen inzwischen auch Leistungen wie das Retourenmanagement, ein oftmals in der Logistik unterschätzter Arbeitsbereich. So kann aufgrund des inhomogenen Aufkommens von Retouren der Endverbraucher ein hohes Arbeitsvolumen entstehen. Zudem sind die nachgeschalteten Prozesse der Artikelvereinzelung und -prüfung sowie der Aufbereitung schadhafter Ware und der Wiedereinlagerung sehr vielschichtig. Die dafür erforderlichen Ressourcen müssen genau geplant werden. Unter Value- Added-Services kann aber auch die Abwicklung so genannter Aktionswaren fallen. Hier werden im Lager in sehr kurzen Zeitintervallen bestimmte Produkte outlet-spezifisch verpackt, mit Beipacks oder in vom Kunden vorgegebener Weise mit Werbeetiketten versehen.
BLG Logistics Group AK & Co. KG, E-Mail: [email protected], www.blg.de Rhenus AG & Co. KG, E-Mail: [email protected], www.rhenus.com Stute Verkehrs-GmbH, E-Mail: [email protected], www.stute.de









