Proglove

Patrick Blitz | ik,

Moderne Arbeitsassistenz

Der demografische Wandel stellt Industrie und Logistik vor enorme Herausforderungen, denn während der Fachkräftemangel zunimmt, bleibt der Mensch in vielen Prozessen unersetzlich. Hier kommen tragbare Assistenten in Spiel, die Mitarbeitende gezielt unterstützen, Prozesse effizienter gestalten und gleichzeitig einen Beitrag zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung leisten.

© Proglove

Industrie und Logistik stehen unter massivem Druck, ihre Prozesse nicht nur effizienter, sondern auch zukunftsfähig zu gestalten. Neben globalen Lieferkettenrisiken, hohen Energie- kosten und wachsendem Wettbewerbsdruck geraten auch die demografischen Veränderungen zunehmend in den Fokus: Während qualifizierte Fachkräfte fehlen, steigt das Durchschnittsalter der Beschäftigten in produzierenden Unternehmen und der Logistik kontinuierlich. Laut einem Bericht von Bain & Company wird die globale Belegschaft bis 2030 um 150 Millionen Arbeiter über 55 Jahre anwachsen; in vielen Industrienationen wird diese Altersgruppe sogar mehr als ein Viertel der Belegschaft ausmachen. Parallel dazu steigen die Renteneintrittsalter kontinuierlich.

Demografie als Treiber für Assistenztechnologie

Diese Veränderungen fordern ein radikales Umdenken in der Gestaltung von Arbeitsplätzen. Automatisierung ist dabei nur ein Teil der Lösung. Altersbedingte Einschränkungen wie eine geringere physische Belastbarkeit oder längere Reak-tionszeiten können zwar die Arbeitsfähigkeit negativ beeinflussen, gleichzeitig bringen ältere Mitarbeitende jedoch oft wertvolle Erfahrung und hohe Prozesssicherheit mit ein. Potenziale, die Unternehmen aktiv fördern sollten. Damit dieser menschliche Faktor auch in Zukunft produktiv bleibt, braucht es technologische Unterstützung, die nicht ersetzt, sondern befähigt.

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Genau hier setzt die Firma Proglove an: Das Unternehmen ist vor allem für Wearable Scanner bekannt und bietet mit MAI einen digitalen Arbeitsassistenten, der über einen reinen Handscanner hinausgeht.

Vom Barcode-Scanner zum Arbeitsassistenten

Der tragbare Begleiter MAI von Proglove kombiniert ein robustes Touchdisplay mit haptischen,akustischen und visuellen Feedbackkanälen, © Proglove

Die Entwicklung tragbarer Scanner in der Industrie folgte bisher einem relativ linearen Pfad: Gewicht und Größe reduzieren, die Scan-Leistung verbessern. Während erste Generationen kompakter Wearable-Scanner noch auf die Grundfunktionalität der Barcode-Erfassung (teils mit audiovisuellem Feedback) fokussierten, stellte die Integration von Displays einen echten Meilenstein dar: Erstmals konnten Informationen direkt am Arbeitsplatz angezeigt werden, ohne dass Mitarbeitende ihre Aufmerksamkeit von ihrer unmittelbaren Aufgabe abwenden mussten.

Bei MAI handelt es sich jedoch nicht um eine weitere Evolu-tionsstufe der Handscanner. Die Architektur unterscheidet sich grundlegend von vorherigen Ansätzen, indem das System mehrere technologische Ansätze in einem integriert: Multi-Range-Scanner, Prozessdokumentation, Mitarbeiterführung und Kommunikation. Mitarbeiter können mit MAI beispielsweise Anleitungen einsehen und sich Anweisungen für komplexe Arbeitsschritte direkt auf dem Display anzeigen lassen. Dies reduziert Fehler, insbesondere bei selten durchgeführten oder neuen Tätigkeiten, und ermöglicht eine schrittweise Prozessführung auch bei komplexen Arbeitsvorgängen. Über integrierte Kameras und Mikrofone können währenddessen Prozesszustände und Probleme in Echtzeit festgehalten werden, ohne den Arbeitsablauf zu unterbrechen. Diese Daten werden direkt in die entsprechenden Managementsysteme eingespeist und stehen für weitere Analysen zur Verfügung.

Die bidirektionale Kommunikation zwischen MAI und übergeordneten Systemen ermöglicht zugleich den Austausch von Statusinformationen und Anweisungen in Echtzeit. Dies schafft die Grundlage für dynamische Prozessanpassungen und ermöglicht es, auf ungeplante Ereignisse zeitnah zu reagieren. Das Ergebnis ist mehr Produktivität und weniger Fehler.

Daten nutzbar machen

Die Proglove Insight Plattform visualisiert Laufwege und Prozesskennzahlen in Echtzeit zur Analyse und Optimierung von Lagerprozessen. © Proglove

Die wahre Stärke des Assistenzsystems liegt also nicht in der reinen Hardware, sondern im Zusammenspiel mit Warehouse Management Software (WMS)-Systemen sowie der cloudbasierten Plattform ‚Insight‘ von Proglove. Hier laufen die von den Wearables erfassten Daten zusammen, werden analysiert und in konkrete Optimierungsvorschläge überführt. Die Plattform kann – richtig eingesetzt – ergonomische Schwachstellen ebenso identifizieren wie ineffiziente Prozessmuster, sich häufende Fehlerquellen und Engpässe. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich Arbeitsplätze gezielt verbessern, ergonomische Risiken minimieren und die Produktivität nachhaltig steigern.

Auch Mitarbeitende profitieren unmittelbar von diesen Analysen: Insight kann beispielsweise erkennen, wenn Arbeits-stationen wiederholt zu langen Greifwegen führen oder bestimmte Arbeitsschritte mit einer überdurchschnittlich hohen Fehlerquote verbunden sind. Auf dieser Basis lassen sich Anpassungen direkt im Arbeitsumfeld umsetzen. In hochfrequenten Logistikzentren, wo Kommissionierzeiten einen entscheidenden Kostenfaktor darstellen, kann MAI mithilfe der Insight-Plattform beispielsweise beispielsweise erhöhte Wartezeiten in bestimmen Gängen im Lager erkennen und die Nutzer in anderen Gänge umleiten. Fehleranfällige Kommissionierprozesse werden so effizienter und gleichzeitig körperlich weniger belastend gestaltet.

Dabei bleibt das Assistenzsystem flexibel und schnell. Durch regelmäßige Software-Updates können kontinuierlich neue Funktionalitäten eingespeist werden, ohne Hardware-Komponenten ersetzen zu müssen.

Den Menschen entlasten und stärken

Patrick Blitz ist Product Manager Shopfloor Analytics bei Proglove in München. © Proglove

Doch die datenbasierten Erkenntnisse allein reichen nicht aus, um den komplexen Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden. Ebenso entscheidend ist, wie diese Informationen den Mitarbeitenden zur richtigen Zeit am richtigen Ort ohne zusätzliche Hürden zur Verfügung stehen. MAI wiegt nur 65 g und ist 21 mm hoch. Die Interaktion erfolgt über einen hochauflösenden Touchscreen, der auch mit Handschuhen präzise bedient werden kann. Zusätzlich gibt es vier physische Tasten für eine schnelle, haptisch eindeutige Bedienung – ein wichtiges Merkmal, insbesondere bei nachlassender Fein-motorik oder in Umgebungen mit hohem Geräuschpegel. Auch die Feedbackkanäle – haptisch, akustisch und visuell – lassen sich an individuelle Bedürfnisse anpassen. So können Mitarbeitende die Signale nach ihren persönlichen Vorlieben konfigurieren, etwa die Vibrationsstärke erhöhen oder akustische Signale verstärken, wenn das Hörvermögen eingeschränkt ist.

Zugleich hält das Gerät Industrie- und Logistik-Belastungen stand: Das robuste Gehäuse ist nach IP65 zertifiziert. Die Akkulaufzeit ist auf den durchgehenden Betrieb während einer kompletten Schicht ausgelegt, sodass kein vorzeitiges Nachladen notwendig ist. Ein effizientes Energiemanagement garantiert selbst bei intensiver Nutzung eine verlässliche Leistung – etwa bei häufigem Scannen oder der kontinuierlichen Anzeige von Informationen. 

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