Lager- & Kommissioniertechnik

Materialfluss Exklusiv: 10 Branchenexperten zum Thema Neubau und Intralogistik

Zehn exklusive Kurzinterviews mit Branchenexperten, Übersichts- und Anwenderbeiträgen zum Thema Neubau und Intralogistik ­­in neugebauten und bestehenden Logistikzentren.

Apex Supply Chain Technologies

Automation ist zentral für die „smart factory“

Julian Adams
Julian Adams, Managing Director, Apex Supply Chain Technologies Europe

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen?

Julian Adams:

Ein Gebäude ist nicht nur ein grünes Gebäude, weil es ein Umweltzertifikat trägt, sondern „grün“ wird ein Gebäude auch durch die Art, wie es genutzt wird. Das Kerngeschäft von Apex Supply Chain Technologies sind automatisierte Ausgabesysteme und -technologien. Sie machen den Materialfluss von Unternehmen weltweit einfacher und effizienter, da sie eine exakte Kontrolle von Betriebsmitteln ermöglichen. Folgende Maßnahmen schonen die Umwelt:

  • Automatisierte Online-Nachbestellungen von Betriebsmitteln: Es fallen weniger Verbrauchsmaterialien an wie Papier oder Druckertoner.
  • Vermeiden von Fehlbeständen: Der Bestand an Betriebsmitteln muss nicht selbst erfasst werden. Damit entfallen Anfahrtswege. Es kommt zu einem gesunkenen Kraftstoffverbrauch und zu weniger Schadstoff-Emissionen.
  • Weniger Verbrauch von Betriebsmitteln: Das mindert überflüssige Produktion und Abfallmengen.
  • Nachverfolgung und Kontrolle von Beständen: Betriebsmittel werden zeitlich optimal eingesetzt.
  • Weniger Leerlauf von Maschinen: Die schnelle Verfügbarkeit von Betriebsmitteln sichert den optimalen Einsatz von Maschinen.
  • Unnötige Transporte vermeiden. Automatisierte Ausgabesysteme führen zu schlankeren Supply-Chain-Prozessen. Dies macht Unternehmen „grüner“.
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Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Oder gibt es dort den Menschen gar nicht mehr?

Julian Adams:

Menschen am Arbeitsplatz werden immer unverzichtbar sein, wenn es da­rum geht, Dinge zu beurteilen und flexibel anzupassen. Dies lässt sich nicht automatisieren. Jedoch ist Automation zentral für die „smart factory“. Maschinen werden viele unterstützende Tätigkeiten übernehmen, damit die Menschen sich auf eigentlich wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren können. Dafür entwickelt Apex mit den automatisierten Ausgabesystemen zukunftsfähige Lösungen, die ein lückenloses Management von Warenbeständen ermöglichen. Unsere Produkte helfen Unternehmen, sich erfolgreich auf dem Markt zu behaupten, da sie die Produktivität verbessern und Verschwendung von Material minimieren.

Dematic

Sparen beginnt bereits bei der Planung

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen? Barbara Wladarz: Go Green, TCO, Blue Efficiency ist uns ein wesentliches Anliegen. Der Umsetzungsgrad in der Intralogistik generell hingegen ist noch nicht sehr hoch. Kein Wunder, handelt es sich doch um die Industrie, die traditionell stark energielastig arbeitet. Als Generalunternehmer kümmern wir uns um das Thema Energie und Umwelt bereits von Anfang an. Zusammen mit unseren Partnern legen wir bei der Planung Wert darauf, dass nicht nur die EneV eingehalten wird. Unser Ziel ist es, eine Anlage nach Green Building Standard der Europäischen Kommission zu errichten. Und das bedeutet eine Einsparung von Energie um 25 Prozent gegenüber EnEV. Aber auch auf das Innenleben der Anlage legen wir großen Wert. Auch hier beginnt das Sparen bereits bei der Planung. Weil einfach einfach einfach ist, sind unsere Anlagenlayouts auf den ersten Blick sehr übersichtlich. Durch die sinnvolle Kombination von Dematic Multishuttles, Fördertechnik und der Dematic RapidPall wird vor allem eins gespart: Raum. Diese Tatsache schlägt sich direkt im globalen Footprint nieder. Unsere Sortiersysteme sind nicht nur technisch durchdacht, sondern glänzen mit guten Kennwerten, wenn es um Umwelt und Geldbeutel geht. So ist der Linearsorter Dematic FlexSort SL2 mit linearen Induktionsmotoren ausgerüstet. Diese reduzieren den Verschleiß und erhöhen die Lebensdauer. Daneben wurde beim Produktdesign vor allem auch darauf geachtet, dass nur minimal mit Verschleißteilen zu rechnen ist. Ganz bewusst wurde auf Antriebsketten, Wellen und Lager verzichtet. Vorbildlich in Sachen Umwelt.

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Oder gibt es dort den Menschen gar nicht mehr? Barbara Wladarz: Menschen werden durch die Industrie 4.0 nicht verdrängt. Arbeit verschiebt sich im positiven Sinne aus der Sicht der Dematic. Wichtig ist es aber, auf Seiten der Gesetzgebung vor allem den Bereich Datenschutz voran zu treiben. Durch die Vernetzung aller Dinge und Menschen im World Wide Web wird dies die Schwachstelle der Zukunft. Auch der Bereich Arbeitsethik ist ein vorrangiges Thema, das derzeit ja auch ausführlich auf allen Ebenen der Politik und Wirtschaft behandelt wird.

Jungheinrich

Nachfrage nach Ware-zur-Person-Systemen steigt

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen?

Barbara Wladarz
Barbara Wladarz, Geschäftsleitung Dematic GmbH, Dematic Services GmbH und Dematic Logistics GmbH
Dr. Stefan Seemüller:

Als Generalunternehmer für Intralogistikprojekte stellen wir fest, dass die Effizienz und Nachhaltigkeit von Logistikanlagen wichtige Faktoren bei den Investitionsentscheidungen von Unternehmen sind. Unabhängig davon, ob es sich um manuelle oder automatisierte Lösungen handelt. Dabei sollte eine Anlage optimal auf die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse des Kunden ausgelegt werden. Das gilt für die Abläufe und die eingesetzte Technik. Gerade hinsichtlich mit Unsicherheit behafteter Prognosen lässt sich dies durch den Einsatz flexibler Systeme und eine modulare Auslegung der Maschinen und Anlagen erreichen. Um Energie und damit Kosten zu sparen, sollten die eingesetzten Fahrzeuge, Regalbediengeräte, Förderanlagen und Handlingsysteme über eine moderne, energieeffiziente Antriebstechnik verfügen, die sich bedarfsgerecht steuern lässt. Dazu gehörten die automatische Abschaltung, wenn keine Güter transportiert werden müssen, die Vermeidung von Stromspitzen durch eine gleichmäßige Auslastung, die Rückspeisung von Bremsenergie und die wegeoptimierte Anfahrt der nächsten Ein- oder Auslagerposition.

Dr. Stefan Seemüller
Dr. Stefan Seemüller, Bereichsleiter Projektvertrieb, Jungheinrich Logistiksysteme GmbH

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Oder gibt es dort den Menschen gar nicht mehr? Dr. Stefan Seemüller: Bei der Arbeitsplatzgestaltung hat das Thema Ergonomie neben der Funktionalität oberste Priorität. Das heißt, der Arbeitsplatz muss in puncto Körpergröße und Greiflängen optimal und altersgerecht ausgelegt sein. Weiterhin gilt es, Laufwege zu reduzieren sowie Handlingsysteme zur Entlastung von Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. Die Nachfrage nach Ware-zur-Person-Systemen und Roboterisierung steigt daher immer weiter an. Darüber hinaus werden Mitarbeiter immer besser durch visuelle Systeme unterstützt – sei es über Put/Pick-to-Light-Systeme oder optimierte Darstellungen auf Bildschirmen. Langfristig wird es in den Logistikzentren immer mehr Automatisierung geben, um die Kosten für die Warenabwicklung gering zu halten und weil Facharbeiter fehlen. Zukünftig werden deshalb standardisierbare Aufgaben weitgehend automatisch erledigt werden, während der Mensch korrigierende und dispositive Aufgaben erledigt.

Klinkhammer

Fähigkeit des Menschen unübertroffen

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen? Hagen Schumann: Logistikneubauten bilden für die Klinkhammer Group als Systemintegrator und Generalunternehmer einen maßgeblichen Teil der Tätigkeiten. Ein „grüner“ Neubau ist gut durch den geringstmöglichen Carbon-Footprint beschrieben, das heißt, dem CO2-Äquivalent an benötigter Energie über den Lebenszyklus des Logistiksystems. Photovoltaikanlagen oder die Kraftwärmekopplung werden als regenerative Energien vermehrt diskutiert. Allerdings muss die Energieausbeute am konkreten Standort der nötigen Investition wirtschaftlich sinnvoll gegenüberstehen. Energiesparende Verbraucher und Leichtbaukonstruktionen bei Fördermitteln sind Maßnahmen der Wahl. Bei Regalbediengeräten erlaubt die Zwischenkreiskopplung, Energieanteile aus Brems- und Senkbewegungen an Achsen für andere elektrische Verbraucher nutzbar zu machen, anstatt sie ungenutzt in Wärme zu wandeln. Die aktuelle Antriebstechnik ermöglicht flexible Konfigurationen, die bei Klinkhammer standardmäßig zum Einsatz kommen, so beim KlinCAT, dem neuen Multilevel-Shuttle der Klinkhammer Group. Auch „Powercaps“ als leichte, schnell ladbare Energiespeicher finden vermehrten Einzug in der Intralogistik.

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Oder gibt es dort den Menschen gar nicht mehr? Hagen Schumann: Auch wenn die Automatisierbarkeit insbesondere in der Kommissionierung voranschreitet, ist die Fähigkeit des Menschen zur Wahrnehmung und Handhabung komplexer Bauteile auf lange Sicht unübertroffen. Klinkhammer sieht vor allem assistierende Abläufe wie Zuführung und Abtransport von Waren zu Arbeitsplätzen, die im Fokus der „breiten“ Automatisierung stehen. Autonome Transportfahrzeuge werden die Ergonomie zukünftiger Arbeitsplätze ganz entscheidend beeinflussen. Für bestimmte Kommissionieraufgaben wird man dann keine konventionellen Arbeitsplätze mehr benötigen, weil solche autonomen Fahrzeuge den Kommissionierer begleiten und die körperlich belastenden Anteile übernehmen können. Ein Mitarbeiter kann sich ganz auf den Kernablauf der Kommissionierung konzentrieren. Die erhöhte Ergonomie geht so in idealer Weise mit weiteren operationellen Vorteilen einher.

Beumer

Mensch kann universelle Aufgaben flexibel lösen

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen?

Thomas Wiesmann:
Hagen Schumann
Hagen Schumann, Leiter Vertrieb und Consulting, Klinkhammer Group

Grüne Logistik wird häufig mit Nachhaltigkeit gleichgesetzt – und umgekehrt. Das ist aus unserer Sicht nicht ausreichend. Zum einen sind die ökologischen Aspekte zu beachten, also wie kann ich Abfall vermeiden oder Ressourcen schonen. Zum anderen dürfen Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht als reinen Kostenfaktor betrachten. Nur wenn Sozialfaktoren wie Gesundheit, Arbeits- und Produktsicherheit, Beschäftigungs- und Fertigungsbedingungen stimmen, ist eine langfristige und erfolgreiche Marktpräsenz möglich. Nachhaltigkeit heißt für uns also, ein Gleichgewicht zwischen ökologischem Anspruch, ökonomischem Erfolg und sozialer Verantwortung anzustreben. Die Fragen, die wir uns stellen, lauten: Wie hoch sind die Betriebskosten? Wie hoch der Energieverbrauch? Wie viele und welche Rohstoffe werden verbraucht, wie sind die Arbeitsbedingungen für den Bediener der Anlage? Unser Anspruch ist es, Produktleistung und Verantwortung für Mensch und Umwelt miteinander zu verknüpfen und damit einen neuen Qualitätsstandard zu setzen. Wir müssen Materialverbrauch, Abfälle und Emissionen auf ein Minimum reduzieren, Transportwege und Verpackungen optimieren.

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Thomas Wiesmann: Die Vision eines mannlosen Distributionszentrums besteht schon lange. Denn mit einer passenden IT-gestützten Automatisierung lässt sich eine hohe Prozesssicherheit und -durchgängigkeit erreichen. Damit können Lieferzeiten und Fehlerquellen erheblich reduziert werden. Deshalb sehen wir ja seit Jahrzehnten für automatische oder teilautomatische Lösungen Potenzial. Aufgaben wie palettieren, depalettieren und kommissionieren sind Teil eines automatisierten Prozesses. Oft ist das schneller, günstiger und fehlerärmer als eine manuelle Lösung. Im Gegensatz dazu kann der Mensch auch universelle Aufgaben flexibel lösen. Beispielsweise in der Kommissionierung lassen sich Schritte wie Packen und Handhaben noch nicht optimal automatisieren. Besonders bei einer enormen Artikelvielfalt und einem sich schnell ändernden Sortiment sehe ich Schwierigkeiten für die Technik. Denn hier bedarf es eines hochflexiblen Systems, das sich auf immer neue Produkte einstellen muss. Hier ist der Mensch durch keine Maschine zu übertreffen.

Thomas Wiesmann
Thomas Wiesmann, Vertriebsleiter Sortier- und Verteiltechnik, Beumer Group
Franz X. Rauscher

Mensch, Natur und Wirtschaft im Einklang

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen? Uwe Berg: Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Eigennutzer und Immobilienentwickler setzen nicht nur bei Neubauten und Revitalisierung von Bestandsimmobilien, sondern auch beim Innenleben der Logistikzentren immer mehr auf ressourceneffiziente Konzepte. Bei guter Konjunktur und vor allem bei starken Zuwächsen im E-Commerce zwingen knappe Flächen Unternehmen immer mehr dazu, jeden Zentimeter auszunutzen. Unsere Lagertechnik, die sich – angefangen vom Profil bis zur kleinsten Schublade – in Höhe, Tiefe und Breite komplett anpasst, nutzt Räume vollständig aus. Das jüngste Beispiel dafür ist reBuy in Berlin. Dort haben wir vor kurzem den dritten Bauabschnitt einer fünfstöckigen Fachbodenregalanlage übergeben. Im Vergleich zum ursprünglich angeschafften System in starren Standardlängen von 1.000 und 1.300 Millimeter bietet unser System auf gleicher Fläche rund 5 Prozent mehr Platz. Die Fachböden passen sich mit Längen von 1.225 und 1.075 Millimeter exakt den Kunststoffbehältern und auch der Geometrie der Halle bis in den letzten Winkel an.

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Oder gibt es dort den Menschen gar nicht mehr? Uwe Berg: Die Herausforderung ist, Waren auf minimalem Raum möglichst schnell ein- und auszulagern. Dazu braucht es intelligent konzipierte Lagertechnik, die häufig auch automatisierte Prozesse integriert. Der Grad der Automatisierung hängt von branchenspezifischen Logistikabläufen und vor allem von der Vielfalt der Teile ab. Der Mensch spielt in Branchen mit kleinteiligen und vielen unterschiedlichen Produkten wie im E-Commerce eine große Rolle. Deshalb achten wir bei unseren Fachbodenregalanlagen nicht nur auf effiziente Abläufe, sondern auch auf ergonomische Arbeitsplätze mit einem angenehmen Klima. Bei der Beratung unserer Kunden gehören Themen von der Luftzirkulation über Lichtverhältnisse bis zu speziell konstruierten Regalen zum Beispiel für Pick-by-Light-Prozesse wie bei unserem Kunden ebay enterprise in Halle von Anfang an dazu. Kurz: Wir sind uns bewusst, dass Logistik nur dann dauerhaft funktionieren kann, wenn Mensch, Natur und Wirtschaft im Einklang sind. Uns ist die für Menschen konzipierte Lagertechnik sehr wichtig.

Knapp

Interaktion zwischen Mensch und Maschine

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen?

Gerald Hofer:

Unsere Prämisse ist, dass wir das, was wir machen, möglichst ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich gestalten. Dazu gehört die Energieeffizienz, die bewusste Auswahl an Materialien sowie eine ressourcenschonende Fertigung. Bei einem „grünen“ Neubau geht es natürlich auch um die Reduktion des Footprints einer Anlage: Also die gleichen Prozesse auf weniger Fläche abwickeln. Beispiele dafür sind das Ware-zur-Person-Prinzip und die maximale Ausnutzung der Grundfläche, also Ware in die Höhe zu lagern. Beim Thema Energieverbrauch und Energieeffizienz sind wir bei einem Energieverbrauch von 5 bis 10 Prozent gegenüber herkömmlichen AKL-Systemen mit unseren Shuttle-Systemen einen großen Schritt voraus. Wichtig ist natürlich auch der Qualitätsaspekt: Jeder Qualitätsausreißer bedingt unnötigen Verbrauch, also müssen Fehler vermieden werden.

Uwe Berg
Uwe Berg, Vertriebsleiter, Franz X. Rauscher

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Gerald Hofer: Knapp-Arbeitsplätze sind bereits attraktiv gestaltet. Dazu gehört auch eine anwendungsfreundliche Software. Wir müssen Lärm reduzieren und Arbeitsabläufe, die Bücken, Heben und Ziehen beinhalten, vermeiden. Zukunftsweisend ist hier die Arbeitsplatz-Serie Pick-it-Easy, die den Menschen nicht ersetzt, sondern ihm unergonomische Arbeitsprozesse abnimmt und ihn durch Automatisierung unterstützt. Im neuen Distributionszentrum von SPAR in Österreich wurden die Pick-it-Easy-Arbeitsplätze nach neusten ergonomischen Standards gestaltet und bieten dadurch eine enorme körperliche Entlastung für die Mitarbeiter bei der Kommissionierung von Lebensmittel. Durch benutzerfreundliche Oberflächen wird auch die Anlernzeit von neuen Mitarbeitern drastisch gesenkt. Zudem müssen die Mitarbeiter durch die automatisierte Abwicklung vieler Prozesse weniger schwere Tätigkeiten ausführen. Die Automatisierung von Abläufen vermeidet Fehler und garantiert eine fehlerfreie Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

SSI Schäfer

Ziehen und Schieben statt Heben und Tragen

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen? Harrie Swinkels: Bei einem Neubau beeinflussen viele Bausteine wie Photovoltaik, Beleuchtung, Isolierung, Heizung oder Geothermie die Energiebilanz unserer Kunden positiv. Darauf legen wir bereits bei der Planung und Konzeption großen Wert. Wir haben in der Praxis bereits absolut energieneutrale Anlagen realisiert. Da das Thema Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensstrategie ist, schlägt sich das auch in unserem Produktportfolio nieder: von flüsterleiser Fördertechnik über energieeffiziente Lagersysteme und innovative Steuerungstechnik bis hin zur Gestaltung ergonomisch optimierter Arbeitsplätze. Ein Schwerpunkte in puncto Green Logistics liegt im Bereich der technischen Ausführung der Lösungen. Durch konsequente Leichtbauweise, Totlastkompensation durch Gegengewichte, energieeffiziente Antriebssysteme und Konzepte zur Energierückgewinnung haben wir unsere Produkte nachhaltig optimiert. Die Speicherung regenerativ gewonnener Energie ist ein weiterer Aspekt, der konsequent verfolgt wird.

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Oder gibt es dort den Menschen gar nicht mehr? Harrie Swinkels: Trotz zunehmendem Automatisierungsgrad sehen wir den Mitarbeiter als wichtigen Bestandteil im Lager der Zukunft. Es ist nicht eine Frage des Vorhandenseins, sondern vielmehr der Aufgaben und wie diese ausgeführt werden. Die Auswirkungen des Arbeitskräftemangels und demografischen Wandels zeigen, dass flexible, gesundheitserhaltende und individualisierbare Arbeitsplatzlösungen gefordert sind. Die größten ergonomischen Risiken entlang der Wertschöpfungskette in den Warenverteilzentren liegen besonders in den Bereichen Transportieren, Kommissionieren und Bereitstellen. Daher haben wir spezielle Kommissionier-Stationen und Arbeitsplätze nach dem Prinzip ergonomics@work! entwickelt, um die Mensch-Maschine-Schnittstelle zu optimieren. Alle Bewegungsabläufe, insbesondere das Heben und Tragen, werden bei unseren Lösungen durch ergonomisches Ziehen und Schieben ersetzt. Insgesamt entstehen für die Lagermitarbeiter anspruchsvollere Aufgaben als bisher.

viastore

Gerald Hofer
Gerald Hofer, CEO, Knapp AG

Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen?

Thomas Preller:

In der Intralogistik spielt Energieeffizienz eine wesentliche Rolle – nicht nur beim Neubau. Generell ist automatische Lagertechnik allein schon durch den geringeren Flächenverbrauch im Vorteil, denn dies bedeutet auch einen geringeren Verbrauch von Heiz- oder Kühlenergie. Zudem ist der Einsatz von energiesparenden Antrieben und Systemen zur Energie-Rückspeisung oder -Rückgewinnung selbstverständlich. Wir beschäftigen uns deshalb mit Energie-Management-Systemen und Lagerstrategien. Wie kann man Energie besser speichern? Wie kann man die Anlage bei Energieausfall in einen Zustand bringen, um sofort wieder geregelt starten zu können? Wie kann ich unnötigen Energieverbrauch vermeiden? Wie kann ich die Auslastung und die Ressourcen der Anlage so steuern, dass keine energieintensiven Spitzen entstehen? Diese Themen haben wir in vielen Projekten bereits konkret umgesetzt, bei Neubauten wie auch bei der Modernisierung.

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Thomas Preller: Moderne Produktions- und Logistikanlagen verfügen meist über einen hohen Vernetzungs- und Automatisierungsgrad. Dies kann jedoch menschliche Arbeit nicht ersetzen, sondern soll sie erleichtern. Etwa durch intuitiv bedienbare Software, die dem Mitarbeiter auf einen Blick zeigt, was zu tun ist. Automatische Lagertechnik übernimmt zudem schwere, anstrengende oder monotone Tätigkeiten und trägt dazu bei, die Abläufe effizienter zu gestalten. Am Arbeitsplatz der Zukunft arbeiten Mensch und Maschine Hand in Hand, in Logistikzentren zum Beispiel mit passenden Kommissioniermethoden wie Pick-by-Light, Pick-by-Voice und Pick-by-Vision oder über intuitive Dialoge am Mobil-Terminal. In der Fertigung bringen autonome und miteinander vernetzte Fahrzeuge die benötigten Teile zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge direkt an die Maschine. Und in Versandzentren sorgen Sortieranlagen und Hebehilfen für ein ergonomisches und rückenschonendes Arbeiten – auch das wird in Zeiten des demographischen Wandels immer wichtiger.

Harrie Swinkels
Harrie Swinkels, Geschäftsführer, SSI Schäfer, Giebelstadt
Wagner

„Grün bauen“ ohne Brandschutz funktioniert nicht

Materialfluss: Welche Faktoren machen einen Neubau zu einem „grünen“ Neubau? Welche Maßnahmen würden Sie auf jeden Fall umsetzen? Dipl.-Ing. Torsten Wagner: Industriegebäude und Logistikunternehmen erleben immer wieder Brände, die nicht nur mit Betriebsunterbrechungen einhergehen, sondern Schaden an Mensch, Gebäude, Waren und auch der Umwelt anrichten. Bei einem Brand entstehen Aerosole, Rauch- und Rußpartikel sowie Schadstoffe, die Luft, Boden und Wasser verunreinigen. Als langjährig erfahrener Brandschutzexperte betreiben wir eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, um innovative und vorbeugende Brandschutzlösungen bieten zu können. Daher würden wir in jedem Falle eine Brandfrüherkennung mittels Ansaugrauchmeldern – als Raum- und Einrichtungsschutz – planen. Wir haben zur frühestmöglichen Detektion Ansaugrauchmelder konzipiert, die zuverlässig und hoch sensibel geringste Rauchpartikel in der Phase von Entstehungsbränden erkennen können. Nur zwei Gramm stoffliche Zersetzung, für das menschliche Auge kaum noch wahrnehmbar, reichen unseren Meldern aus. Im Falle eines Brandes gilt es, diesen rückstandsfrei zu bekämpfen und zu löschen. Das natürliche und größtenteils in unserer Umgebungsluft vorkommende Inertgas Stickstoff findet bei uns Einsatz in Gaslöschanlagen und in Sauerstoffreduzierungsanlagen zur aktiven Brandvermeidung. Im Neubausegment setzen zunehmend mehr Bauherrn und Betreiber auf Schutzkonzepte, die einem Schadensrisiko aktiv vorbeugen, anstatt im Nachhinein einen Schaden regulieren zu müssen. Und „grün bauen“ ohne verantwortungsvollen Brandschutz funktioniert nicht.

Materialfluss: Welche Voraussetzungen muss der Arbeitsplatz im Neubau der Zukunft mitbringen? Oder gibt es dort den Menschen gar nicht mehr? Dipl.-Ing. Torsten Wagner: Trotz fortschreitender Digitalisierung und Automatisierung wird es immer Bereiche geben, in denen der Mensch arbeitet oder zu Kontroll- und Wartungszwecken hinein gelangt. Auch bei unserer aktiven Brandvermeidung berücksichtigen wir die Begehbarkeit durch das Personal. Der gesunde Mensch kann mit weniger Sauerstoff ohne Einschränkung leben und arbeiten. In den Schutzkonzepten sind entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen berücksichtigt, damit eine Sauerstoffreduzierungsanlage zu keinerlei Gefährdung für den Menschen führt.

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