Arbeitssicherheit

Jan Gundermann,

Ergonomische Arbeits­kleidung senkt Unfallrisiko im Lager

Inwiefern ergonomische Arbeitskleidung die Sicherheit im Lager erhöhen kann, verrät Jan Gundermann, Geschäftsführer Blåkläder Deutschland, in diesem Gastbeitrag.

Kennt die Herausforderungen für Arbeitskleidung in der Intralogistik und Logistik: Jan Gundermann, Geschäftsführer Blåkläder Deutschland. © Blåkläder

In kaum einem anderen Bereich treffen körperliche Belastung, Zeitdruck und Präzision so unmittelbar aufeinander wie in der Logistik. Paletten, Rollcontainer, enge Wege, wechselnde Temperaturen – all das erfordert Konzentration, Kraft und Beweglichkeit. Während Unternehmen in Automatisierung, Schulungen und Sicherheitstechnik investieren, bleibt ein entscheidender Faktor oft unterschätzt: die Kleidung der Menschen, die all diese Systeme bedienen.

Arbeitssicherheit wird meist als organisatorische oder technische Disziplin verstanden – es geht um Abläufe, Fahrzeuge, Warnsysteme. Doch wer mit Mitarbeitenden in Lagern spricht, weiß: Sicherheit hängt auch davon ab, wie sich ein Mensch in seiner Kleidung bewegt, atmet und konzentrieren kann. Untersuchungen aus der Arbeitsphysiologie – unter anderem der University of California und des Finnish Institute of Occupational Health – zeigen, dass schon moderate körperliche Belastung in Kombination mit unzureichender Belüftung oder eingeschränkter Beweglichkeit die Konzentrationsfähigkeit deutlich senken kann. Wer schwitzt, sich beengt fühlt oder das Gefühl hat, die Kleidung „arbeitet gegen ihn“, reagiert langsamer und ungenauer. Erhebungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz belegen, dass rund ein Viertel aller Arbeitsunfälle auf Unachtsamkeit, Ablenkung oder Erschöpfung zurückzuführen sind – Zustände, die eng mit körperlichem Unbehagen verbunden sind.

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Ergonomie als unterschätzter Sicherheitsfaktor

Ergonomie wird oft mit Büroarbeitsplätzen assoziiert, spielt aber in der Lagerlogistik eine ebenso große Rolle. Wer täglich hunderte Male in die Hocke geht, Kisten hebt, über Leitern steigt oder auf engem Raum rangiert, braucht Kleidung, die Bewegungen unterstützt statt behindert. Ergonomisch gestaltete Arbeitskleidung wirkt hier präventiv. Elastische Einsätze und ergonomisch platzierte Stretch-Bereiche reduzieren Muskelspannung und fördern natürliche Körperhaltungen. Solche Kleidung senkt die Ermüdung – bei höherer Bewegungspräzision und geringerer Fehlbelastung. Bei Blåkläder fließt dieser Gedanke direkt in die Produktentwicklung ein. Ziel ist nicht nur, Kleidung komfortabler zu machen, sondern sicherer. Jede Naht, jeder Stretchbereich, jedes Material wird so gewählt, dass es Bewegungsfreiheit erhöht und gleichzeitig Schutz bietet.

Unsichtbare Sicherheit im Detail

Viele Unfälle im Lager entstehen nicht durch Regelverstöße, sondern durch kleine Unachtsamkeiten. Ein Griff in die falsche Richtung, eine Tasche, die hängen bleibt, ein Moment des Ungleichgewichts – das genügt. Eine Auswertung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt, dass Stolpern, Rutschen und falsche Bewegungsabläufe zu den häufigsten Unfallursachen in der Logistik zählen.

Hier zeigt sich, wie Kleidung Teil des Risikomanagements ist. Reflexelemente, abriebfeste Stoffe oder Taschenanordnungen, die Bewegungen nicht behindern, sind keine Designfragen, sondern sicherheitsrelevant. Blåkläder berücksichtigt solche „unsichtbaren Sicherheiten“ im Design: Taschen werden so angeordnet, dass sie Bewegungen möglichst wenig einschränken, Stretch-Materialien beugen Materialermüdung vor, Reflexelemente bleiben auch in Bewegung sichtbar. Sicherheit entsteht im Detail – und genau dort, wo man sie kaum bemerkt.

Sicherheitsmanagement wird vielerorts über Vorschriften und Kennzahlen definiert. Doch die besten Richtlinien nützen wenig, wenn sich Mitarbeitende in ihrer Kleidung unwohl fühlen. Studien aus der Arbeitswissenschaft – unter anderem des Finnish Institute of Occupational Health – zeigen, dass Faktoren wie Temperatur, Bewegungsfreiheit oder Hautkomfort direkt mit der Fehlerhäufigkeit zusammenhängen. Gerade Hitzestress wird zunehmend zum Sicherheitsrisiko: Bei hohen Umgebungstemperaturen sinken Reaktionsfähigkeit und Konzentra­tion messbar, selbst bei kurzen Belastungsphasen. Hier spielt atmungsaktive, feuchtigkeitsregulierende Kleidung eine zentrale Rolle – sie hilft, den Körper zu kühlen und Leistungseinbußen vorzubeugen.
Deshalb gehört Komfort längst nicht mehr ins Marketing, sondern in die Sicherheitsstrategie. Unternehmen, die Kleidung mit Bewegungsfreiheit, Atmungsaktivität und Schutz bereitstellen, investieren in Konzentration und Verlässlichkeit. Betriebe, die Arbeitskleidung bewusst als Teil ihres Sicherheitskonzepts verstehen, berichten seltener über Unfälle oder Ausfallzeiten.

Ergonomische Arbeitskleidung als Investition in Effizienz

Untersuchungen aus der Arbeitswissenschaft, etwa des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV, zeigen, dass ergonomische Verbesserungen im Arbeitsumfeld die Zahl der Ausfalltage deutlich senken können, bei höherer Produktivität. Übertragen auf die Logistik bedeutet das: Kleidung, die langlebig, widerstandsfähig und ergonomisch optimiert ist, reduziert Unfallrisiken und indirekte Kosten. Muskelverspannungen oder ergonomiebedingte Beschwerden führen häufig zu vermeidbaren Ausfallzeiten – mit Kosten, die sich in ihrer Wirkung kaum von technischen Störungen unterscheiden.

Investitionen in ergonomische Arbeitskleidung zahlen auf Gesundheit, Effizienz und Arbeitgeberattraktivität gleichermaßen ein. Wer sichere, funktionale und komfortable Kleidung bereitstellt, zeigt Verantwortung – und schafft die Grundlage für motivierte, konzentrierte Teams.

Sicherheitskultur als Gemeinschaftsaufgabe

Sicherheit ist kein Produkt, das man einkauft, sondern eine Haltung, die man entwickelt. Diese Haltung zeigt sich darin, wie über Risiken gesprochen, Feedback aufgenommen und Schutzmaßnahmen in den Alltag integriert werden. Gute Arbeitskleidung kann hier ein sichtbares Symbol sein – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen die Bedürfnisse seiner Mitarbeitenden ernst nimmt.

Wir betrachten jede Kollektion als Ergebnis eines kontinuierlichen Dialogs. Wir stehen im engen Austausch mit Anwenderinnen und Anwendern, hören zu, testen, verändern und verbessern. Denn ergonomische Sicherheit entsteht nur dort, wo die Praxis den Takt vorgibt – nicht der Schreibtisch. Diese Zusammenarbeit mit den Menschen, die unsere Kleidung täglich tragen, ist Teil unserer DNA. Nur so lassen sich reale Anforderungen in funktionales Design übersetzen.
Arbeitssicherheit in der Logistik lässt sich nicht allein durch Technik oder Vorschriften gewährleisten. Sie beginnt bei den Menschen – und bei dem, was sie täglich tragen. Kleidung ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Umgebung. Richtig gestaltet, trägt sie dazu bei, dass Mitarbeitende konzentrierter, sicherer und effizienter arbeiten. Ergonomische Arbeitskleidung ist kein Detailthema, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Sicherheitskultur.

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