Krane & Komponenten

Übersichtsbeitrag Anschlagmittel: Hochleistungsfasern mit tragender Rolle

Anschlagmittel in der Hebetechnik stehen unter Zugzwang, auch tonnenschwere Lasten zuverlässig und sicher zu bewegen. Die Anforderungen an Rundschlingen, Zurrgurte oder Hebebänder steigen unterdessen weiter an. Wie eine Umfrage von materialfluss unter führenden Herstellern ergab, spielen Hochleistungsfasern dabei eine tragende Rolle und setzen sich immer mehr durch.

SpanSet Schwerlastschlingen
SpanSet entwickelt und produziert Schwerlastschlingen aus Hochleistungsfasern für Standard-Tragfähigkeiten bis 450 Tonnen. Foto: SpanSet

Der Trend zur Verarbeitung von Hochleistungsfasern in textilen Anschlagmitteln hält unvermindert an. Höhere Tragfähigkeiten und geringe Dehnung der Fasern, bessere Schnitt- und Abriebfestigkeit und viele weitere Fasereigenschaften ermöglichen die Entwicklung von innovativen Anschlagmitteln“, skizziert Werner Glasen, Prokurist und Hauptabteilungsleiter Produktmanagement und Marketing bei der SpanSet GmbH & Co. KG im nordrhein-westfälischen Übach-Palenberg. Das Eigengewicht der Anschlagmittel nehme ab, die Geometrien würden kleiner und die Robustheit nehme zu. „Dies sind Eigenschaften, die unsere Kunden erfolgreicher machen – und das wissen diese zu schätzen.“

Werner Glasen
„Der Trend zur Verarbeitung von Hochleistungsfasern in textilen Anschlagmitteln hält unvermindert an.“

Werner Glasen Prokurist bei der SpanSet GmbH & Co. KG.

Die Entwicklung von Anschlag- und Zurrmitteln aus Hochleistungsfasern steht weit oben auf der Agenda des Unternehmens. In 2018 führt SpanSet neue Rundschlingen, Hebebänder und Zurrgurte aus solchen Fasern am Markt ein. Darüber hinaus forciert der Hebetechnik-Spezialist das Thema Digitalisierung und stellt zur IAA mit CargoWatcher ein System vor, das die Transparenz der Ladungssicherung über den gesamten Transportverlauf sicherstellt. „Mit dieser Version 4.0 knüpfen wir an die fortschreitende Digitalisierung in der Industrie an“, sagt Werner Glasen.

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PE-Fasern mit hoher Tragfähigkeit

Gasflaschenheber von Heidkamp
Gasflaschenheber von Heidkamp haben sich erfolgreich am Markt etabliert. Foto: Heidkamp

Auch bei der Hans Heidkamp GmbH & Co. KG in Heiligenhaus sind Hochleistungsfasern (High Performance Polyethylene) das große Thema. „Diese modernen Fasern punkten mit hoher Tragfähigkeit und besten Handling-Eigenschaften. So sind im Schwerlastbereich derzeit Rundschlingen aus der synthetischen Chemiefaser Dyneema besonders beliebt“, beschreibt Heidkamp-Geschäftsführer Kai Schmalenberg. Die Verwendung der PE-Fasern ermöglicht eine Verringerung des Rundschlingen-Eigengewichts im Vergleich zu Polyester um bis zu 60 Prozent – bei gleicher Nutzlänge und Tragfähigkeit. Darüber hinaus bieten solche Schlingen eine hohe Schnittfestigkeit. Nach Angaben von Heidkamp ist auch die neue Anschlagkettengeneration Güteklasse (GK) 12 gefragt. „Sie weist bei gleicher Nenndicke gegenüber einer GK-8-Kette eine um bis zu 60 Prozent höhere Tragfähigkeit auf“, so Kai Schmalenberg.

Kai Schmalenberg
„Im Schwerlastbereich sind derzeit Rundschlingen aus der synthetischen Chemiefaser Dyneema besonders beliebt.“

Kai Schmalenberg ist Geschäftsführer der Hans Heidkamp GmbH & Co. KG.

Als Großhändler versucht Heidkamp, in diesem Jahr mit einem umfangreichen Sortiment, kompetenter Beratung und erstklassigem Support weiter zu punkten. „Viele unserer Kunden schätzen die eigene Reparatur- und Servicewerkstatt, aber auch unseren deutschlandweiten, externen Dienst für Anschlagmittel und Hebezeuge. Dieser beinhaltet auch eine Prüfung der Ketten nach Vorschrift“, schildert Schmalenberg. Ein Markterfolg sind Gasflaschenheber aus dem eigenen Haus. „Wir fertigen diese auch als Doppelheber für zwei Flaschen oder mit Rollen für das einfache Bewegen am Boden“, so der Geschäftsführer.

PE-Hochleistungsfasern
Durch die Verwendung von PE-Hochleistungsfasern erreicht Dolezych hohe Traglasten. Foto: Dolezych

Eine Lanze für das Synthetik-Material Dyneema bricht auch die Dolezych GmbH & Co. KG mit Sitz in Dortmund. Nach Einschätzung von Marketingleiter Alexander Krosta kommen bei Schwerlast-Rundschlingen und Spezialhebebändern anstelle von Polyester verstärkt PE-Hochleistungsfasern zum Einsatz. „Dadurch werden höhere Tragfähigkeiten bis zu 150 Tonnen und mehr bei einer schlanken Bauart erreicht“, sagt er. „Solche Fasern vereinfachen das Handling der schweren Produkte erheblich.“ Dolezych führt in diesem Jahr mit den Ketten DoNova PowerLift eine Produktneuheit ein. Diese leichtere Variante aus textilem Gurtband kann herkömmliche Anschlagketten in den Güteklassen acht, zehn und zwölf ersetzen.

Alexander Krosta
„Synthetik-Fasern vereinfachen das Handling der Produkte erheblich.“

Alexander Krosta ist Marketingleiter bei der Dolezych GmbH & Co. KG.

Raubkopien schaffen Probleme

Systemlösungen für den Schwerlastbereich
RUD bietet als Partner entlang der Wertschöpfungskette Systemlösungen für den Schwerlastbereich. Foto: RUD Ketten

Probleme mit Nachahmungsprodukten sieht unterdessen die RUD Ketten GmbH & Co. KG in Aalen. „Seit das Potenzial der Branche bekannt ist und hochwertige technische Produkte am Markt sind, kopieren Billiganbieter solche Innovationen mit wenig Anspruch an die Ausführung. Schlechte Qualität birgt jedoch hohe Sicherheitsrisiken“, skizziert Geschäftsführer Hermann Kolb. Der Markt stelle jedoch große Anforderungen an die Betriebssicherheit und Produktprüfung. „Billige Imitate können weder einem Hersteller noch einer Fertigungscharge zugeordnet werden. Darüber hinaus fehlen technische Dokumentationen oder gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierungen“, beklagt er. Traditionshersteller wie RUD stellten hingegen einen hohen Anspruch an Innovation und Qualität und bringen einen mehr als hundertjährigen Erfahrungsschatz in ihre Produkte ein. „Wir schaffen Märkte als Innovatoren und Erfinder“, betont Hermann Kolb.

Hermann Kolb
„Schlechte Qualität birgt hohe Sicherheitsrisiken.“

Hermann Kolb Geschäftsführer von RUD Ketten

Für eine möglichst hohe Betriebssicherheit ist aus Sicht von RUD eine eindeutige Produktidentifikation und -verfolgung notwendig. Hermann Kolb: „Wir bieten hier beispielsweise eine Lösung mit Unterstützung durch RFID-Technologie. Sie übernimmt die rechtliche Prüfdokumentation und Verwaltung.“ Als Marktführer sei RUD Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette und biete nicht nur Produkte, sondern Systemlösungen. Das Portfolio ist im High-End-Bereich angesiedelt und erfüllt jeden Anspruch. Für 2018 kündigt er eine „marktrevolutionierende Neuentwicklung“ an. Dabei sei es erstmals gelungen, hohe Tragfähigkeit mit einfachem Handling zu verbinden. „Fehlanwendungen, wie sie bei Marktbegleitern auftreten, sind nunmehr konstruktionsbedingt ausgeschlossen.“

Schwerlast-Transport
HTS stellt hohe Anforderungen an die Sicherheit und Leistungsfähigkeit im Schwerlast-Transport. Foto: HTSHTS stellt hohe Anforderungen an die Sicherheit und Leistungsfähigkeit im Schwerlast-Transport. Foto: HTS

Hohe Anforderungen an die Sicherheit und Leistungsfähigkeit im innerbetrieblichen Schwerlastverkehr stellt auch die HTS Hydraulische Transportsysteme GmbH. Am Firmensitz in Fellbach entstehen ECO-Jack Maschinenheber für Lasten bis 50 Tonnen, ECO-Skate Transportfahrwerke bis 220 Tonnen sowie das Windkraftanlagen (WKA)-System für die Turmmontage von Anlagen. Ergänzt wird das Lieferprogramm durch eine Vielzahl verschiedener Produkte aus den USA. Sie handhaben Lasten mit einem Gewicht von bis zu 44,6 Tonnen zuverlässig und sicher. Großen Wert legt HTS auch auf das Thema Flexibilität. „Die Anschläge sind mit hohem Sicherheitsfaktor kugelgelagert, anschraub- oder anschweißbar. Die meisten lassen sich unter Last um 360 Grad frei drehen und um 180 Grad schwenken. Damit richten sie sich immer optimal in Richtung der anliegenden Kraft aus“, schildert Geschäftsführer Stefan Koch. Jeder Anschlagpunkt wird vergütet, zu 100 Prozent magnetisch rissgeprüft und einem 200-Prozent-Belastungstest

unterzogen. Der Sicherheitsstandard umfasst darüber hinaus regelmäßige Kontrollen durch ein unabhängiges Labor sowie eine Seriennummer für die Unfallverhütungsvorschriften (UVV). Damit ist eine lückenlose Nachverfolgung möglich.

Stefan Koch
„Ganze Turmfamilien und -typen verschiedener Hersteller können mit nur sechs Anschlagpunkten flexibel montiert werden.“

Michael Koch ist Geschäftsführer der HTS Hydraulische Transportsysteme GmbH in Fellbach.

Die Anwendungsbereiche erstrecken sich auf alle Industriezweige, in denen Werkzeuge, Behälter oder Maschinen in Produktion, Wartung und Instandhaltung bewegt werden müssen. Eine Besonderheit stellt das WKA-System von HTS dar. „Dieses erleichtert die Montage der Turmsegmente von Anlagen spürbar. Ganze Turmfamilien und -typen verschiedener Hersteller können mit nur sechs Anschlagpunkten flexibel montiert werden“, beschreibt Stefan Koch.

intra_logistic_kastenbild

Intra meint: Gurte, die ich meine

Ist es gerade erlaubt, über das Wort Anschlagmittel wenigstens einen kleinen Witz zu machen? Nein, tönt es aus dem benachbarten Büro, hier bei materialfluss geht es allein um Intralogistik und nichts anderes. Pah! Kollege Hiemers Ausführungen in Ehren, das Anschlagmittel meiner Wahl ist ein Zurrgurt. Für meinen Koffer, der auf dem Rückweg von der CeMAT hoffentlich voller spannender Pressemappen ist!

Klaus Hiemer

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