Aus materialfluss 4/2020

Paletten kommen über die Brücke

HaRo hat mit schwebender Fördertechnik bei KEB Automation eine smarte Logistiklösung geschaffen.

© HaRo

Wie bindet man eine Bestandshalle an eine neue Lagerhalle an, die beide durch eine ­Feuerwehrzufahrt getrennt sind und deren Geschossebenen – bedingt durch ein geländebedingtes Gefälle – erheblich unterschiedlich sind? Wie kann der Produkttransport gemeinsam mit der Pufferung zwischen den Hallen ohne zusätzliche Investitionen in weitere Baumaßnahmen realisiert werden? Diese Fragen stellte KEB Automation, Entwickler, Hersteller und Systemlieferant von Steuerungs- und Antriebstechnik. HaRo lieferte mit ­Fördertechnik eine Antwort.

Von Beginn an hatte KEB Automation die Anforderungen klar definiert: Es war eine Lösung zu finden, um eine neue ­Halle mit dem bestehenden Produktionsgebäude mittels auto­matisierter Logistik zu verbinden. Knifflig war nicht nur die Tatsache, dass zwischen den Gebäuden ein erheblicher Gefälleunterschied bestand. Auch die angrenzende Feuerwehrumfahrt durfte durch die Verknüpfung der beiden Hallen nicht ­be­einträchtigt werden. Die Lösung: eine Brücke, die fertige und halbfertige Erzeugnisse zwischen den beiden Hallen ohne ­manuelle Eingriffe transportiert und die zugleich auch von ­Mitarbeitern und Besuchern genutzt werden kann.

Freitragende Verbindung der beiden Hallen
In Zusammenarbeit mit den künftigen Anwendern entwickelte HaRo ein Projekt, das alle Randbedingungen erfüllen sollte: Im Erdgeschoss des bereits bestehenden Gebäudes werden die Fördergüter – im konkreten Fall Europaletten – per Gabel­stapler an die Rollenbahn übergeben. Eine Konturenkontrolle prüft eventuelle Überstände an den Fördergütern, um zu ­verhindern, dass Paletten, die nicht der konzipierten Größe ­entsprechen, später zu Kollisionen auf den Rollenbahnen oder im Vertikalförderer führen.
Zusätzlich sind die Aufgabebereiche an den Rollenbahnen mit einer Waage ausgestattet, die das Gewicht der Paletten aufnimmt, prüft und abgleicht. Das ist deshalb besonders wichtig, um die maximale Gesamtbelastung der Brücke nicht zu überschreiten. Schließlich handelt es sich bei der Brücke um eine freitragende Verbindung der beiden Hallen, deren maximale Traglast nicht überschritten werden darf. Nachdem eine Palette die Brücke passiert hat, wird ihr Gewicht schließlich wieder abgezogen, sodass stets die aktuelle Belastung auf den Förderanlagen in der Brücke abrufbar ist. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, weil die Rollenbahnen auch als Pufferplatz für nicht benötige Erzeugnisse fungieren.
Somit ist mit der Brücke ein Intralogistikkonzept gefunden worden, das die Feuerwehrzufahrt an den Hallen nicht ­beeinträchtigt. Um die Höhendifferenz zwischen den beiden Hallen zu überwinden und mehrere unterschiedliche Etagen zu verbinden, empfiehlt sich ein Vertikalförderer. Vollständig automatisiert transportiert der HaRo-Senkrechtförderer Güter sämtlicher Art, Gewicht und Größe über mehrere Ebenen ­hinweg. Da er sich in den meisten Fällen problemlos an bereits bestehende Anlagen anbinden lässt, bot er für das Projekt bei KEB Automation eine effektive Möglichkeit dafür, die Höhendifferenz zwischen neuer und alter Halle auszugleichen.

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Die Fördergüter können auch in der neuen Lagerhalle an den Vertikalförderer übergeben und hinauf zur Rollenbahn ­be­fördert werden. In diesem Fall werden die Paletten auf der parallelen Strecke zurück in die Produktionshalle befördert. Durch zwei Rollenbahnlinien ist ein paralleler Transport der Förder­güter möglich. Somit werden Warteschleifen an den ­Anlagen vermieden.

Anwender lieferte die Antriebstechnik
Für KEB Automation war klar, dass sämtliche Antriebs- und Steuerungskomponenten für die Förderanlagen aus dem ­eigenen Haus kommen. Auch für die Zukunft hat KEB ­Automation mit der HaRo-Förderanlage vorgesorgt: Für die ­kommenden Jahre ist eine Erweiterung der Produktions- und Lagerflächen geplant, die sich flexibel an bereits bestehende Hallen und Förder­anlagen ­anschließen lassen. Der ­Vertikalförderer wurde ­bereits so ausgeführt, dass eine Anbindung an eine dritte Halle erfolgen kann. ­Hierfür wurde der Vertikal­förderer mit einer Dreheinrichtung ausgestattet, mit der die Teile-Übergabe vom Vertikalförderer an Förderanlagen möglich ist.

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