Anlagenerweiterung

Moderne Intralogistik im Universitätsspital Basel

Von Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten, werden Höchstleistungen verlangt. Diese Anstrengungen müssen mit effizienter Intralogistik nachhaltig unterstützt werden.
Anlagenerweiterungen und Umbauten sowie Sanierungen und Modernisierungen sind hierfür ein wesentlicher Faktor.

Die verschiedenen Gebäude des USB und der UKBB sind unterirdisch mit über 4,5 Kilometer langen Gängen verbunden. © Gilgen Logistics

Patienten und Patientinnen des Universitätsspitals (USB) und der Universitätskinderklinik Basel (UKBB) sind sich wohl kaum bewusst, dass für sie wichtige Güter über die unterirdischen Kellerräumlichkeiten in Rollcontainern auf einer Mittel-Transportanlage oder in Behältern auf einer Spontan-Transport­an­lage befördert werden.

Über Horizontalförderer und fahrerlose Transportsysteme (FTS) sowie mehrstöckige Aufzüge und Paternoster (Umlaufförderer) werden die verschiedenen Spitalabteilungen mit den angeforderten Medikamenten, Mahlzeiten, Verbrauchsmaterialien oder frischer Bettwäsche versorgt. Daraus wird klar, dass das Wohlbefinden und der Genesungsprozess von Patientinnen und Patienten nicht nur medizinische Betreuung benötigt, sondern auch eine zeitgemäße Umgebung mit einer entsprechenden Intralogistik und Infrastruktur.

Retrofit der Spontan-Transportanlage für Behälter
Die Warenaufgabedefinition wurde einerseits gewichtsabhängig und andererseits ablaufbedingt konzipiert. Bei der Spontan-Transportanlage (STA) kann jederzeit Ware aufgegeben und verschickt werden. Sie ist für den Transport von Waren bis zu 20 Kilogramm je Plastikbehälter ausgelegt. Dabei kann es sich zum Beispiel um Post, Krankengeschichten, Apothekenbedarf, Wäsche oder Laborutensilien handeln. Die STA wurde 1977 ursprünglich von der Firma Schindler gebaut und instandgehalten. Damals kamen noch Steuerungen in Transistor-Technologie zum Einsatz. Nach dem Ende deren „Life Cycles“ haben sich die Facharbeiter über geraume Zeit mit Improvisationen beholfen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Mit der Zeit hatten nur noch wenige „Insider“ die nötigen Kenntnisse der Funktiona­lität dieser Automatisierungskomponenten. Dieser Zustand konnte nicht mehr weiter hingenommen werden.

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Mehrmillionen-Retrofit und jahrelange Sanierung
Für künftige Anlagenerweiterungen und Umbauten sowie für dringend nötige Sanierungen und Modernisierungen wurde der schweizerische Intralogistik-Gesamtunternehmer Gilgen Logistics beauftragt. Die Behältertransportanlage (STA) ist laufend gewachsen und der Durchsatz hat sich entsprechend erhöht. Pro Tag wurden an etwa 140 Empfangs- und Versandstationen mittlerweile bis zu 3.000 Sendungen getätigt. Die STA umfasst über 50 Kleingüteraufzüge und Stetigumlaufförderer und rund fünf Kilometer Horizontaltrassen. Von 2004 bis Ende 2012 hat Gilgen Logistics ein Mehrmillionen-Retrofit umgesetzt. Hinzu kamen 28 neue Kleingüter-Aufzüge zum Ersatz von bestehenden Aufzügen. Im gleichen Projekt wurden fünf neue Behälterspeicher für das Leerbehälter-Management realisiert, sowie ein Behälterspeicher aus dem Jahre 1998 modernisiert und die Laufrichtung des Speichers umgekehrt.

Mit der alten Steuerung konnte keine Behälter-Verfolgung durchführt werden, was im Falle eines „Verlustes“ sehr problematisch war, da das STA-Netz über viele Gebäude und Stockwerke läuft. Deshalb hatte die Steuerungsmodernisierung auch zum Ziel, eine anlagenweite Behälterverfolgung mittels RFID-Technologie zu ermöglichen. Das im Rahmen dieses umfassenden Retrofits durch Gilgen neu implementierte Leit- und Visualisierungssystem auf Basis von Simatic WinCC ist über Ethernet verlinkt. Es wurde ein separates Netzwerk aufgebaut, über das die dezentral angeordneten Anlagensteuerungen miteinander kommunizieren. Dies im Verbund, insbesondere mit der zentralen Visualisierung im Leitstand und der Behälterverfolgung mittels RFID-Techno­logie ergab eine sehr gute Anlagenübersicht. Ein besonderer Vorteil der gewählten neuen Netzarchitektur ist, dass das Spital-Kommunikationsnetzwerk vom An­lagen-Netzwerk getrennt worden ist. Die STA, MTA, Rohrpost und Gebäudeautomation sind über „Hubs“ in den Schaltschränken mit dem Netz separat verbunden.

Umbau und Erweiterung der Mittel-Transportanlage
Die Mittel-Transportanlage (MTA) hat gewisse Zeitfenster, in denen Güter beziehungsweise Waren versendet werden können. Die MTA transportiert Rollcontainer mit einem maximalen Gewicht von 500 Kilogramm für Mahlzeiten, Getränke­flaschen, Pharmazieprodukte, Operationsbesteck, Wäsche, Magazinprodukte oder Müll zwischen den verschiedenen Gebäuden und Stockwerken im Universitätsspital und der Kinderklinik beider Basel hin und her. Bestellte Güter werden in die MTA-Container geladen und auf den Staustrecken der Versorgungsbahnhöfe bereitgestellt. Die 25 FTS fahren die Versorgungsbahnhöfe an und die Rollcontainer werden von den Staustrecken übernommen. Die FTS transportieren die Rollcontainer an den nächstgelegenen MTA-Aufzug und laden sie auf die Belade- und Entladestationen ­– mit Staustrecken vor dem Aufzug – zum Weitertransport auf die entsprechenden Stockwerke ab. Auf den über 60 Stationen werden die Container durch Mitarbeitende des Spitales übernommen und entladen. Im Jahre 2008 wurde sowohl die Mittel- als auch die Spontantransportanlage für den Neubau der Kinderklinik beider Basel (UKBB) erweitert; die beiden automatischen Transportsysteme der STA und der MTA wurden in Tunnels unter der Straße durch zwischen USB und UKBB verbunden.
Aufgrund der kompletten Umgestaltung des Küchenkonzepts beauftragte das Universitätsspital Basel Gilgen Logistics im Jahr 2017 mit der Erneuerung und dem Umbau der Container-Transportanlage „MTA Küche“. Ab Herbst 2018 werden die Speisen neu vorgekocht und pasteurisiert, um sie über mehrere Tage haltbar zu machen. Die Kommissionierung der in Boxen verpackten Speisen auf die Rollcontainer geschieht in der künftigen „Kühlzelle“ mit zwei bis vier Grad Celsius. Anschließend werden die fertig kommissionierten Container direkt über die FTS und die MTA in die entsprechenden Spitalgebäude be-ziehungsweise -abteilungen versandt, wo sie dezentral für die Patienten zum Verzehr aufgewärmt werden. Eine Umgestaltung der MTA-Bahnen wurde hierfür nötig, neu mit mehrbahnigem Puffer und Kühlzelle. An den Übergabestellen zu den FTS-Fahrzeugen wurden jeweils ein RFID-Lesegerät und eine Datenlichtschranke installiert. Der etappierte Umbau der „MTA Küche“ dauert noch bis Mitte 2019. Mit der laufenden Sanierung und Erneuerung sowie Anpassung durch Umbauten und Erweiterungen der gesamten Intralogistik kann der
zukünftige Leistungsauftrag des Universitätsspitals und der Kinderklinik in Basel erfüllt werden.

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