200 Millionen Euro-Invest

Martin Schrüfer,

„Ein leuchtendes Vorbild für ganz Bayern"

Damit Systemintegrator Witron dem bisherigen Wachstum gerecht wird, hat sich Firmengründer und Inhaber Walter Winkler (im Bild) Anfang 2019 entschieden, die Fertigungskapazitäten in Parkstein gewaltig zu erhöhen, was einem Invest von knapp 200 Millionen Euro entspricht. Die Einweihung Ende August war entsprechend feierlich.

Firmengründer und Inhaber Walter Winkler. © Witron

Hierbei handelt es sich um eines der derzeit größten privatwirtschaftlichen Bauprojekte in Nordbayern. Nach einer kurzen Planungs- und Bauzeit von gut zweieinhalb Jahren und pünktlich zum 50-jährigen Firmenjubiläum werden im neuen „Werk II Nord“ seit Anfang September 2021 Fördertechnik-Elemente und Schaltschränke gefertigt. Dadurch entstehen in Parkstein bis zu 1.800 neue attraktive Arbeitsplätze – für IT- und SPS-Fachkräfte, Projektmitarbeiter, Konstrukteure, Metallbauer, Mechatroniker und Elektriker. Die Eröffnung wurde mit Gästen unter Einhaltung der aktuellen Rahmenbedingungen gebührend gefeiert. In seiner Festrede bezeichnete Minister Albert Füracker das Unternehmen als „leuchtendes Vorbild für ganz Bayern.“

„Zukunftsweisende Lösungen und erfolgreiche Projekte waren und sind der Treiber für das starke Wachstum der Witron-Gruppe. Um diese hohe Nachfrage auch weiterhin qualitativ und quantitativ zuverlässig abzudecken, haben wir uns zu dieser Investition entschlossen. Darüber hinaus ist es durch diesen Schritt möglich, sowohl die Arbeitsplätze in der Region als auch in den Niederlassungen in Europa, Nordamerika und Australien dauerhaft zu sichern und technologisch auf dem neuesten Stand zu bleiben. Denn Innovation und motivierte, gut ausgebildete Mitarbeiter sind seit Firmengründung eine tragende Säule von Witron“, so Walter Winkler in seiner Rede. „Eine Firma darf nicht austauschbar sein. Nicht in Bezug auf die Lösungen, welche sie anbietet, und erst recht nicht in Bezug auf die Unternehmenskultur und dem Engagement der Mitarbeitenden. Nur dann ist sie dauerhaft erfolgreich. Natürliche Intelligenz ist mindestens genauso wichtig wie künstliche Intelligenz.“

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Albert Füracker, bayerischer Staatsminister der Finanzen und für Heimat lobte Witron als Mehrwert für die Oberpfalz und leuchtendes Vorbild für ganz Bayern. Darüber hinaus unterstrich Füracker die gelebte Witron-Kultur auf Basis von Tradition und Fortschritt. „Witron ist seit 50 Jahren ein bodenständiges Unternehmen, welches sich selbst immer noch bescheiden als ‚Hidden Champion‘ bezeichnet, aber ein wahrlicher ‚Real Champion‘ ist – mit Walter Winkler als Unternehmerpersönlichkeit, die Kreativität und Leidenschaft auszeichnet. Einer Persönlichkeit, die Ideen und Pläne nicht nur im Kopf hat oder vielleicht noch als Skizze auf Papier bringt, sondern konsequent und vor allem erfolgreich umsetzt. Zum Wohle der Kunden, zum Wohle der Mitarbeiter, zum Wohle der Gesellschaft“, so der Minister. Der permanente Erfolg von Witron sei das Ergebnis von Inspiration und Transpiration.

Dank an alle Projektbeteiligten

„Nur wenige Monate nach dem Entschluss, zu planen und zu bauen, begannen bereits die ersten Erdarbeiten. Voraussetzung hierfür war auch die pragmatische Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden, Architekten, sämtlicher Lieferanten sowie dem verantwortlichen GU-Bauträger. Dank vieler fleißiger Hände und dem großen Engagement aller Beteiligten kann nach gerade einmal knapp zweijähriger Bauzeit im Jubiläumsjahr die Einweihung von Werk II Nord gebührend gefeiert werden“, zeigte sich Walter Winkler erfreut.

Weitere 1.800 Arbeitsplätze geplant

Zurzeit beschäftigt Witron 4.800 Mitarbeiter, davon gut 2.000 Mitarbeiter am Standort Parkstein. In den nächsten beiden Jahren werden es weltweit schon 7.000 Mitarbeiter sein, die Kundenaufträge dafür sind erteilt. Für das Geschäftsjahr 2021 wird ein Umsatz von fast 1 Milliarde Euro erwartet. „Aufgrund dieses positiven Ausblicks ist es zwingend notwendig, die Fertigungsressourcen signifikant auszubauen und zusätzliche Mitarbeitende einzustellen“, erklärt Walter Winkler. „Bis zu 1.800 attraktive Arbeitsplätze können wir dann zusätzlich in Parkstein anbieten – für IT-Fachkräfte, Steuerungs- und Projektmitarbeiter, Konstrukteure, Mechatroniker, Elektriker und Metallbauer.“

Hochoptimierter Materialfluss – zukunftsweisende Arbeitsprozesse

Bereits seit dem Jahr 2005 fertigt der Parksteiner Logistik-Generalunternehmer seine hochdynamischen und energieeffizienten Paletten-, Behälter- und Tray-Fördertechnik-Elemente selbst. Produziert für sämtliche Projekte weltweit wird zentral in Parkstein. Bereits in den Jahren 2010, 2013 und 2018 wurden die Fertigungs-Ressourcen massiv nach oben gefahren. Im neuen Werk II Nord umfasst allein die Fläche für die Fertigung von Fördertechnik-Elementen inklusive der Galvanik 87.000 Quadratmeter. Für die Produktion von Schaltschränken sind weitere 12.000 Quadratmeter vorgesehen. Die Lagerkapazitäten in den automatischen Lagern sind auf 10.500 Paletten- und 23.750 Behälterstellplätze ausgelegt. Die maximale Höhe der Bebauung beträgt elf Meter. Aus Gründen der Flächenoptimierung erfolgt die Lagerung weitgehend unter Bodenniveau.

Im Maschinenpark wird mit neuester Fertigungs-Technologie gearbeitet wie zum Beispiel mit Laser-Stanz-Biege-Kombi-Maschinen oder einem großen Bereich zur galvanischen Oberflächenveredelung. Dies ermöglicht die notwendige Fertigungsbreite und damit dauerhaft höchste Qualität bis ins Detail. Dabei erinnert die Fertigung eher an eine Manufaktur als an einen Produktionsbetrieb. Denn die Endmontage der Förder-elemente erfolgt an sogenannten Fertigungsinseln anhand von exakt abgestimmten Arbeitsprozessen. Alle Fertigungsinseln sind als Arbeitsplatz hell und ergonomisch gestaltet und bevorraten sämtliche benötigten Teile, um ein Element mit seinen Varianten komplett fertigzustellen. Die Produktionssteuerung und Teileversorgung wird von einem Kanban-System in Verbindung mit automatischen Paletten-, Tray- und Behälterlagern unterstützt. Die einzelnen Produktions- und Lagerbereiche inklusive Wareneingang und Warenausgang sind in einem transparenten, hochoptimierten Materialfluss fördertechnisch exakt miteinander vernetzt.

Anstatt vor Ort auf der Baustelle des jeweiligen Kunden werden in optimaler Arbeitsumgebung die Verkabelungsarbeiten an Motoren, Steuer- und Reglereinheiten schon während des Fertigungsprozesses vorgenommen. Hohe Produktqualität, die Verkürzung der Inbetriebnahmezeiten sowie das ohne Schnittstellenproblematik funktionierende, effiziente Zusammenspiel zwischen Reglern, Sensoren und den ebenso im Hause Witron selbst entwickelten SPS- und IT-Komponenten sind die Konsequenz.

Witron-Lösungen versorgen tagtäglich über 100 Millionen Menschen

„Wir realisieren Projekte in einer systemrelevanten Branche. Unsere Lösungen versorgen täglich mehr als 100 Millionen Menschen über Filialen oder dem Online-Handel mit Lebensmitteln und vielen wichtigen Dingen des täglichen Bedarfs – ökonomisch, ökologisch und sozial. Zahlreiche Kunden weltweit, vor allem aus dem Lebensmittelbereich, vertrauen auf unsere Projekterfahrung und unser Technologie-Know-how, wie beispielsweise auf die von Witron patentierte OPM/COM-Technologie“, betonte Walter Winkler. OPM/COM gilt weltweit als eines der erfolgreichsten vollautomatisierten Kommissionier-Systeme für Handelseinheiten. „Darüber hinaus setzen unsere Kunden – und darauf sind wir besonders stolz – auf die Werte und Kultur, die das Familien-Unternehmen Witron so einzigartig machen: Ärmel hochkrempeln, Versprechen einhalten, glaubwürdig, zuverlässig und berechenbar sein, bodenständig bleiben“, hob Winkler die Stärken des Unternehmens hervor. „Die gesamte Witron-Gruppe ist sich dieser Verantwortung tagtäglich bewusst. Und mit den zusätzlichen Möglichkeiten, die uns Werk II Nord bietet, stellen wir uns dieser Herausforderung – heute und in Zukunft, zum Wohle unserer Kunden und Mitarbeiter“.

Der Beitrag erschien in materialfluss 10/21.

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