Energiezuführung/Motoren/Antriebe

Immer leichter und schneller

Der Bereich Intralogistik ist für igus ein wichtiger Baustein. Materialfluss sprach mit Christian Strauch, Branchenmanager Materialfluss, exklusiv über Entwicklungspotenziale der Branche.

Interview mit Christian Strauch, Branchenmanager Materialfluss, igus GmbH

Strauch, Christian

Sie sind Branchenmanager Material Handling. Welche Bereiche und Unternehmen fallen alle in dieses Ressort? Material Handling ist eine sehr große Branche. Diese bezieht sich nicht nur auf die Intralogistik, sondern auch auf das Material Handling im Außenbereich. Für den weltweiten Kran-Bereich, Container- sowie Schüttguthandling, haben wir seit Jahren schon einen Branchenmanager.

Ich kümmere mich in meiner Funktion um Intralogistik. Dort sind unsere wichtigsten Zielkunden alle Hersteller von Regalbediengeräten. Daneben Hersteller von Handlinggeräten, etwa für Paletten, von Hebern, Hebezeugen, Verfahrwagen und Drehtischen.

Welche Vorteile kann igus gegenüber anderen Unternehmen bieten, die auch Energiezuführungssysteme herstellen? Zunächst einmal: igus bedient die Material-Handling-Branche seit mehr als 30 Jahren mit Energieketten. In dieser Zeit haben sich Kunststoff-Ketten als Wachstumsprodukt erwiesen, es gibt einen riesigen Baukasten für fast jede Energiezuführungs-Aufgabe. In der Intralogistik sind zwei Hauptserien, die E2/000-Serie und die E4.1-Serie, wichtig.

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Das sind Ketten, die in punkto Langlebigkeit, Geräuschreduzierung und Montagefreundlichkeit viele Vorteile bieten. Ferner haben wir seit einem Jahr ein neues Führungssystem mit Namen Guidelok Slimline entwickelt, das sich gegenüber dem klassischen System unterscheidet: Anstatt einer durchgehenden Rinne haben wir Rinnen-Segmente, durch die die Kette durchgeführt und fixiert wird. So sind teure, aufwändige Einhausungen nicht mehr nötig. Das spart bis zu 80 Prozent Gewicht und Rinnenkosten.

Mit dem neuen Mechanismus können wir das Schwingen und Schlagen der Kette unterbinden, das bei Beschleunigung oder beim Abbremsen der RBGs in der x-Achse immer wieder auftrat. Dieses Schwingen kann dazu führen, dass die Kette an der Stahlstruktur des Regals hängen bleibt und es dann zur Havarie kommt. All das haben wir durch dieses neue System komplett gelöst.

Aber um nochmals auf die Ketten genauer einzugehen: Welchen Hauptvorteil sehen Sie hier bei den igus-Produkten? Der Hauptvorteil ist auf jeden Fall unser Riesenprogramm mit über 80 000 Artikeln. Egal welche Art der Energie- und Datenführung ansteht - wir können aus unserem Modulbaukasten nahezu alles anbieten. Das kann sonst wirklich keiner.

Hinzu kommt unsere Leidenschaft fürs Entwickeln von neuen, tribologisch optimierten Kunststoffen. In punkto Verschleiß können wir damit höhere Standzeiten erreichen als herkömmliche Energieketten auf dem Markt. Ein anderes Thema ist das Verkürzen von Montagezeit, zum Beispiel mit neuen Öffnungsmechanismen wie unserem „Quick-Öffnungssteg“.

Schließlich ist unser jüngst erneut erweitertes Testlabor zu nennen mit 1 030 Quadratmetern. An über 70 Prüfständen werden permanent Energieketten getestet. Und mit unseren rund 15 Internet-Werkzeugen im Bereich Ketten und Leitungen, so etwa die weltweit einzige Online-Lebensdauerberechnung für Energieketten, sparen Kunden Prozesskosten.

Igus liefert ja in sehr viele Branchen. Sie sind dabei fürs Material Handling zuständig. Gibt es hier Synergien zu anderen Branchenmanagern im Hause? Viele Anwendungen sind ähnlich. Auch innerhalb der Intralogistik gibt es Anwendungen, die sich auf der X-Achse über bis zu 150 m erstrecken. Bei diesen langen Verfahrwegen gibt es natürlich Synergieeffekte zu meinem Kollegen aus der Kran-Branche.

Dort sind Lösungen über mehrere hundert Meter zum Teil schon seit mehr als 15 Jahren im Einsatz. Und 98 Prozent der von igus im Kranbereich gelieferten Systeme werden dabei als „Ready Chain“-Lösung geliefert, also komplett konfektioniert mit Leitungen, Steckern, Rinnen und allem weiterem Zubehör.

Nochmal zum Thema Regalbediengeräte. Welche Geschwindigkeiten und Beschleunigungen können Sie hier realisieren? Gerade bei hoch dynamischen Anlagen sprechen wir von 10 m/s in der Gassenfahrt und von Beschleunigungen bis zu 4 m/s². Bei diesen Geschwindigkeiten und Beschleunigungen gilt sowohl bei uns als auch bei den RBG-Herstellern: es muss so leicht wie möglich sein, und das Ganze natürlich günstig.

Welche Lösungen haben Sie konkret für die Gassenflucht? Neben der klassischen Kette mit Rinne bietet sich die Profilrollen-Energiekette „P4.32“ an. Im Gegensatz zur Stromschiene führt sie problemlos und wartungsfrei nicht nur Energie, sondern auch Daten. Durch den Einsatz von „P4“ reduzieren wir das Geräusch, die Zug- und Schubkräfte und erhöhen die Lebensdauer. Je nach Verfahrweglänge und Geschwindigkeit kann auf Rinnen in vielen Fällen verzichtet werden. igus arbeitet aktuell an neuen Lösungen, um noch mehr Rinnenkosten einzusparen.

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: was wird als nächstes interessant werden? Was wird kommen? Bei den Regalbediengeräte-Herstellern geht es vor allem weiter um die Geschwindigkeit. Man wird versuchen, die Regalbediengeräte viel schlanker und dadurch schneller zu machen. Aber auch die Montagekosten stehen im Fokus. Viele Kosten werden verschlungen, indem Monteure manchmal tagelang Rinnen montieren. igus arbeitet aktuell an neuen Lösungen, um diese Zeiten weiter zu reduzieren. Überdies bieten wir seit neuestem einen deutschlandweiten Montageservice an.

Neuheit Guidelok Slimline

Für vertikale Energiekettenanwendungen zeigt igus auf der CeMAT sein neues System Guidelok Slimline. Damit bleibt die Kette in Mast- und Turmhöhen von 50 m und mehr immer sicher in der Spur. Statt einer durchgehenden Rinne werden nur alle zwei Meter Stahlrinnensegmente montiert.

igus

Herzstück des Systems sind zwei automatisch betätigte Kunststoff-Wippen in den Rinnensegmenten. Mal befinden sie sich in Ruhestellung, mal fixieren bzw. halten sie die Energiekette. Das sorgt laut igus nicht nur für Betriebssicherheit, sondern wirkt sich durch den ruhigen Kettenlauf auch stark geräuschdämpfend aus.

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