Behälter

Das Wunschprojekt im hohen Norden

Nach der Lieferung von mehr als 100.000 ­Behältern für die Ausstattung des neuen Werks von Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller Dräger ist Behälterhersteller Utz zu Recht stolz auf das Referenzprojekt. materialfluss besuchte Dräger in Lübeck und traf die Verantwortlichen.

Behälterkonsolidierung
Der Bereich Behälterkonsolidierung/Kommissionierung im Dräger Werk in Lübeck. © Georg Utz GmbH / Stefan Schenk

Der Ende August 2015 von Dräger ausgeschriebene Auftrag, um den sich Utz beworben hatte, umfasste Sichtlagerkästen auf einem Tablar und Sichtlagerkästen im Behälter. Dabei gab es einige Spezifikationen zu erfüllen: Ein geschlossener Doppelboden sollte Belastungen bis 60 kg standhalten. Utz schweißte diesen im Vibrationsschweißverfahren unten an den Behälter. Des weiteren waren In-Mould-Label, die ins Gießwerkzeug eingelegt werden und quasi Teil jedes einzelnen Behälters werden und ein vordefinierter Durchgangswiderstand der Behälter verlangt. Bedenkt man, dass rund 80 Prozent der Fläche der Dräger-Fabrik ESD-Bereiche sind, ahnt man, wie wichtig allein diese Anforderung für das Projekt war.

Auf Lagerbesuch in Lübeck
Auf Lagerbesuch in Lübeck, v.l.n.r.: Andre Sieber, Head of Production Supply Dräger Interservices, Martin Schrüfer, Leitender Chefredakteur Materialfluss, Nils Rickert, Project Manager Production Logistics Dräger Interservices, Wolfgang Faust, Verkaufsleiter Nord Georg Utz GmbH und Claas Fühner, Verkaufsberater Georg Utz GmbH.

Am 12. November 2015 erhielt Utz schließlich den Auftrag, in dessen Folge ab März 2016 rund 106.000 Behälter in den ­drei Maßen 600 x 400  x 320 mm, 600 x 400 x 220 mm und 400 x 300 x 220 mm (mit Entnahmeklappe), 67.000 Sichtlagerkästen sowie rund 20.000 Antirutschmatten und Trennwände an den Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller geliefert wurden. Für die Produktion der Behälter mit Entnahmeklappe hatte Utz sogar ein neues Werkzeug erstellt, da die Spezifikation so noch nie produziert worden war.

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Wareneingang
Behälterbereitstellung: Wareneingang

An der Tour durchs Lager nahmen Andre Sieber, Head of Production Supply bei Dräger Interservices, sein Kollege Nils Rickert, Project Manager Production Logistics sowie von Seiten Utz Wolfgang Faust, Verkaufsleiter Nord und Verkaufsberater Claas Fühner teil. Andre Sieber, der seit 16 Jahren für Dräger arbeitet, betonte eingangs, dass die Behälter von Utz ein wesentlicher Bestandteil der Konzeption der Produktionsversorgung waren. 2011 und 2012 hatte das Unternehmen beschlossen, seine Produktionsstandorte zu konsolidieren und die Logistik direkt an die Produktion anzubinden.

Nach dem „Go live“ konnte die Produktion auf kurzem Weg versorgt werden

Herzstück des Projekts ist ein AKL mit 120.000 Behälterstellplätzen und ein Palettenlager, das 6.500 Paletten Kapazität aufweist. Seit dem „Go Live“ des Werks im April 2016 kann nun die Produktion auf kurzem Wege von der Logistik mit Bauteilen versorgt werden. Die vernetzte Werklogistik kommt so seitdem ohne Straßentransporte aus, sondern verteilt die Behälter an die Zielstellen der Produktion mit Milkrun-Zügen.

Utz Gruppe

Die Georg Utz GmbH ist Hersteller von Lager- und Transportbehältern, Paletten, Werkstückträgern und technischen Teilen aus wiederverwertbarem Kunststoff. Der Betrieb in Schüttorf ist die deutsche Niederlassung der Schweizer Georg Utz Holding AG in Bremgarten. Die Georg Utz Gruppe mit Niederlassungen in Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich, England, Polen, USA und in China beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter, davon rund 550 in Schüttorf. Der Jahresumsatz liegt bei rund 240 Millionen Euro, jährlich ­werden bis zu 30.000 Tonnen Plastik verarbeitet. Das Lieferprogramm lässt sich gliedern in: Stapelbehälter, Raumsparbehälter, Paletten, Palettenbehälter, Transportroller, technische Kundenteile und Food Processing. Alle diese Produkte werden im Spritzgießverfahren hergestellt. Weiterhin produziert Utz individuell angefertigte Werkstückträger, im Thermoformverfahren (Tiefziehen) hergestellt.

Im Rahmen der Konzeption der zukünftigen Logistik arbeitete das Projektteam auch intensiv an einer Vereinheitlichung des Behälterkonzepts: Waren es zuvor noch 75 Behälter unterschiedlicher Hersteller, schrumpfte das neue Konzept die logistisch schwierig zu handelnde Vielfalt auf sechs Behältertypen und legte anschließend die Mengengerüste fest.

Dräger

Dräger ist ein international führendes Unternehmen der Medizin- und Sicherheitstechnik. Seine Produkte schützen, unterstützen und retten Leben. 1889 gegründet, erzielte Dräger 2016 weltweit einen Umsatz von über 2,5 Mrd. Euro. Das Lübecker Unternehmen ist in mehr als 190 Ländern vertreten und beschäftigt weltweit mehr als 13.000 Mitarbeiter.

„Utz hat uns ein überzeugendes Konzept angeboten, die gute Zusammenarbeit nicht nur in dieser Phase hat uns überzeugt“, lobt Nils Rickert die Schüttorfer Behälterspezialisten, die das ähnlich sehen. „Man hat gemerkt, beide Seiten wollen miteinander arbeiten, das Vorgehen war sehr zielstrebig und lösungsorientiert“, erinnert sich Wolfgang Faust, Verkaufsleiter Nord bei Utz. Der Zeitrahmen des Projekts war „herausfordernd“ ­‑ über 100.000 Behälter produziert auch Utz nicht einfach so nebenbei innerhalb von ein paar Wochen – aber es klappte, wie man spätens beim Rundgang sah: Allüberall Utz-Behälter.

In Zukunft leistet der Lieferant Vorabeit

Bereitstellung Milkrun.
Bereitstellung Milkrun.

Vom Standort Lübeck aus, an dem gesamt rund 5.000 Mitarbeiter arbeiten, verlassen täglich bis zu 1.000 Sendungen den Standort. Nach dem erfolgreichen „Go Live“ ist es nun das Ziel des Produktionslogistik-Verantwortlichen Sieber, Effizienzen zu heben und das System zu optimieren. Während beispielsweise im Moment noch im Wareneingang die Teile auf die Produktionsanforderung umgerüstet werden, was rund 4.000 bis 5.000 Picks pro Tag bedeutet, soll in Zukunft bereits der Lieferant die Teile in den Behälter hinein produzieren, der später an die Produktion gereicht wird. Bereits jetzt profitiert Dräger seit dem „Go Live“ von einer wesentlich schnelleren Bereitstellung der Teile an die Produktionslinie innerhalb von zwei bis vier Stunden.

Für die Utz Gruppe war der Auftrag, wie damals 1995 die Ausstattung des Lager von Tchibo in Gallin (Mecklenburg-Vorpommern), ein „sehr wichtiges Projekt“, wie Wolfgang Faust berichtet: „Diese Größenordnung ist prinzipiell für jeden Behälterlieferant spannend“. So geht man also bei Utz dieser Tage nicht nur dank dieses Referenzprojekts mit Zuversicht in das Herbstgeschäft. Martin Schrüfer

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