Zwischen Aufbruch und Unsicherheit
Ifo-Geschäftsklima steigt – Export bleibt Sorgenkind
Die deutsche Wirtschaft scheint langsam wieder Tritt zu fassen. Im Juni ist der Ifo Geschäftsklimaindex von 87,5 auf 88,4 Punkte gestiegen. Ein kleines, aber wichtiges Signal: Die Unternehmen blicken insgesamt etwas zuversichtlicher in die Zukunft – auch wenn die Ausgangslage vielerorts noch angespannt ist.
Besonders der Dienstleistungssektor zeigt sich als Stimmungsaufheller. Unternehmensnahe Dienstleister etwa korrigierten ihre Erwartungen kräftig nach oben. Auch die Einschätzungen der aktuellen Lage fielen besser aus – ein positiver Trend, der dem gesamten Index Schwung verleiht. Im Bauhauptgewerbe setzt sich die moderate Aufwärtsbewegung fort. Zwar bleibt Skepsis spürbar, doch die Erwartungen stiegen auf den höchsten Stand seit Februar 2022 – ein Lichtblick für eine Branche, die lange unter Materialengpässen, Preissteigerungen und Nachfrageflaute gelitten hat.
Anders das Bild im Verarbeitenden Gewerbe: Hier bleibt die Stimmung zwiegespalten. Während die Erwartungen für die kommenden Monate vorsichtig optimistischer ausfallen, laufen die aktuellen Geschäfte eher durchwachsen. Besonders kritisch bleibt der Blick auf den Auftragsbestand – hier herrscht weiterhin Unzufriedenheit.
Handel differenziert, Export enttäuscht
Im Handel zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Großhandel zieht den Index nach oben – dank besserer Geschäfte und weniger pessimistischer Erwartungen. Im Einzelhandel hingegen herrscht leichte Ernüchterung. Hier ging das Geschäftsklima leicht zurück, was auf eine weiterhin verhaltene Konsumlaune schließen lässt.
Weniger erfreulich ist die Entwicklung beim Export. Die Ifo-Exporterwartungen gaben im Juni leicht nach und liegen nun bei minus 3,9 Punkten (nach minus 3,0 im Mai). Die Unternehmen sind verunsichert – insbesondere durch die weiterhin drohenden US-Strafzölle und das stockende Handelsabkommen mit den USA. „Diese Unsicherheit senkt die Erwartungen der Exporteure“, erklärt Klaus Wohlrabe vom ifo Institut.
Vor allem Branchen wie Getränke- und Nahrungsmittelhersteller mussten Federn lassen. Auch im Automobilbau und Maschinenbau fehlt es an positiven Signalen. Immerhin: In der Möbelindustrie, bei Lederwaren sowie bei elektrischen Ausrüstungen wächst wieder ein zarter Exportoptimismus.
Fazit: Aufwärtstrend mit Fragezeichen
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Die deutsche Wirtschaft zeigt Anzeichen von Erholung – aber sie steht weiterhin auf wackligen Beinen. Während die Stimmung im Inland langsam besser wird, bleibt das Auslandsgeschäft ein Unsicherheitsfaktor. Die kommenden Monate werden zeigen, ob aus vorsichtigem Optimismus ein nachhaltiger Aufschwung wird – oder ob die Exportbremse die Stimmung erneut trübt.









