Stapler & Komponenten
Mit der Brennstoffzelle unterwegs
Was bei Autos noch Utopie ist, ist bei Staplern schon Realität: Deutschlandweit erstmalig ist zurzeit bei der BASF Coatings AG in Münster ein Schubmaststapler mit Brennstoffzellenantrieb im Einsatz.
Bei BASF Coatings fahren zwei unterschiedliche Fahrzeuge mit dem zukunftsweisenden Antrieb im industriellen Einsatz: ein Still- Schubmaststapler FM-X 20 und ein Elektrostapler R 60-25. Im Distributionszentrum von BASF Coatings stellt der Schubmaststapler FM-X 20 Fertigwaren für den Versand bereit; der R 60 transportiert Fertigungs-Rohstoffe zwischen Logistiklager und Produktion. Getankt werden die beiden Fahrzeuge durch die extra aufgebaute Wasserstofftankstelle.
Mit diesem Projekt ist Still der erste Intralogistiker mit Einsatzerfahrungen von brennstoffzellenbetriebenen Schleppern, Elektro- und Schubmaststaplern. Bereits seit 2003 beschäftigt sich die Hamburger Still GmbH mit der Brennstoffzelle (BZ) als Alternative zum Batterieantrieb. Seitdem konnte Still Erfahrungen in mehreren Projekten mit der zukunftsweisenden Technologie sammeln. Im Hamburger Hafen ist seit 2008 ein Still- Brennstoffzellenstapler R 60-25 bei HHLA Logistics im Testeinsatz und seit Ende 2006 fahren am Hamburger Flughafen zwei Still-Schlepper des Typs R 07-25 im Gepäcktransport.
An diesen Standorten sind ebenfalls Wasserstofftankstellen errichtet worden. Grundsätzlich möglich sind auch Standorte, an denen Wasserstoff (H2) im Produktionsprozess quasi nebenbei anfällt. Dies würde die Versorgung von Flurförderzeugen mit Wasserstoff in standortnahen Betrieben (H2-Cluster) stark begünstigen. Wirtschaftlich interessant wird die BZ-Technologie, wenn sich die Herstellkosten eines Brennstoffzellenpaketes weiter verringern.

Einsparungen ergeben sich auch im Mehrschichteinsatz, weil keine Wechsel- Traktionsbatterien mehr vorgehalten werden müssen. Die Chancen der BZTechnologie steigen, wenn Wasserstoff umweltfreundlich erzeugt wird; z.B. ist dies mithilfe der Solartechnik ohne CO2-Emissionen möglich. Im Zuge der Klimadiskussion erhält die Brennstoffzelle daher ein größer werdendes Gewicht. Langfristig könnte die BZ-Technologie Diesel- und Treibgasmotoren ersetzen; dies ermöglicht weitere CO2-Einsparungen.
Welche der alternativen Antriebs- Technologien in Zukunft das Rennen machen wird, ist noch völlig offen. Dazu sind noch viele Testerfahrungen nötig. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Entwicklung der Energiepreise. Wir sehen die Entwicklung der Brennstoffzellen- Technologie für Flurförderzeuge als eine wichtige Investition in eine umweltgerechte Zukunft.
Die Brennstoffzelle Der eingesetzte Brennstoffzellen-Batterie- Hybrid von Hoppecke besteht aus einer PEM-Brennstoffzelle mit dem zugehörigen Spannungswandler, einem 350-bar-Wasserstoffspeicher und einer Hochleistungsbatterie in Nickel-Metallhydrid-Technologie aus dem Hause Hoppecke. Die Grundlast wird über die 5-kW-Brennstoffzelle abgedeckt. Die Batterie puffert auftretende Spitzenlasten bis 25 kW.
Emissionsfreie Energieumwandlung Christian Baerwolff, Leiter Still-Marketing
Was verspricht sich Still von den neuen Brennstoffzellenstaplern? Die Weiterentwicklung der Brennstoffzellen- Technologie für Flurförderzeuge bedeutet für uns eine wichtige Investition in die Zukunft. Gerade im Zuge der Klimadiskussion rückt das Thema „Emissionsfreie Energieumwandlung“ immer mehr in den Vordergrund, denn Brennstoffzellen erzeugen elektrische Energie aus Wasserstoff, der umweltfreundlich bereitgestellt werden könnte.
Wie schnell können die Geräte zur Serienreife kommen? Dies hängt von mehreren nicht nur technischen Rahmenbedingungen ab. Zunächst sind noch viele Testerfahrungen im rauen Industrieeinsatz nötig. Dabei gilt es, die Langlebigkeit und Einsatzbereitschaft aller Komponenten sicherzustellen. Die weit wichtigeren Treiber sind aber der Energiepreis, die Kosten für die Brennstoffzellen und die Bereitstellung des Wasserstoffs.
Wirtschaftlich interessant wird die Brennstoffzellen- Technologie, wenn sich die Herstellkosten eines Brennstoffzellenpaketes weiter verringern oder sich indirekte Einsparungen ergeben. Zum Beispiel sind Wechsel-Traktionsbatterien nicht mehr erforderlich bei Elektrostaplern im Mehrschichteinsatz.

Welche Geräte sollen mit den Brennstoffzellenstaplern abgelöst werden? Elektrisch betriebene Geräte bieten sich zuerst als Technologieträger an, da sie genug Einbauraum für ein Brennstoffzellensystem bieten. Die bisherige Batterie wird einfach ersetzt. Die Verkleinerung des Bauvolumens ermöglicht weitere Optionen, langfristig Diesel- und Treibgasmotoren zu ersetzen.
Wie sind die Geräte hinsichtlich Anschaffungs- und Betriebskosten anzusiedeln? Ein höherer Preis ist dann akzeptabel, wenn der Nutzen vom Interessenten wahrgenommen wird. Eine gewichtige Rolle spielen hierbei auch die Lebensdauerkosten, auch Total Cost of Ownership (TCO) genannt. Aus jetziger Sicht sind die absehbaren Herstellkosten für Brennstoffzellen-Systeme noch sehr hoch im Vergleich zur Bleibatterie. Wir erwarten daher erst in einigen Jahren entsprechende Preise, die sich für die Mehrzahl der Interessenten rechnen.
BASF Coatings AG, www.basf-coatings.de Accumulatorenwerke Hoppecke Carl Zoellner & Sohn GmbH, www.hoppecke.de Still GmbH, E-Mail: [email protected], www.still.de









