Software-Projekt

Marvin Meyke,

Wanko, Weintrans und ein Big Bang

Der Logistikdienstleister WeinTrans hat mit dem Logistiksteuerungs-System von Wanko seine Prozesse weitgehend digitalisiert und transparent gemacht. Dabei stieg die Produktivität im Lager um zehn Prozent, während die Fehlerrate um mehr als 60 Prozent gesunken ist. Der ambitionierte Umstellungsprozess betraf sämtliche
Prozesse in den Bereichen Lager und Disposition.

Der Logistikdienstleister WeinTrans hat mit dem Logistiksteuerungs-System von Wanko seine Prozesse weitgehend digitalisiert und transparent gemacht. © Wanko

Das sanfte Klirren der Flaschen beim Kommissionieren der Weinkartons klingt für Helge Bogisch wie die schönste Musik: „Dieses Geräusch zeigt mir, dass unser Geschäft läuft“, so der Speditions- und Logis­tikleiter der WeinTrans GmbH & Co KG. Bei der Führung durch das 25.000 Quadratmeter große Lager spürt man die Leidenschaft, die der Prokurist für seinen Beruf empfindet. Der Verkehrsfachwirt (DAV) ist seit 2015 für den badischen Logistikdienstleister tätig und hat seitdem die Lager- und Transport-Prozesse des vielseitigen Unternehmens stark verändert.

Als Bogisch bei WeinTrans anheuerte, basierte die Kommissionierung der rund 150 täglichen Aufträge noch auf Papierlisten. Scanner gab es ebenso wenig wie ein eigenes Lagerverwaltungssystem (LVS) - und das Warenwirtschaftssystem (ERP) musste abgelöst werden. Zudem befand sich sein neuer Arbeitgeber inmitten eines Wandlungsprozesses: Die hundertprozentige Tochter des Badischen Winzerkellers hatte sich durch eine zunehmende Diversifizierung und neue Kunden aus anderen Branchen zu einem unabhängigen Logistikdienstleister entwickelt. Trotz der unmittelbaren Nachbarschaft zur Mutter war WeinTrans ein eigenständiges Unternehmen mit individuellen Prozessen geworden. Beschleunigt wurde dieser Trend durch das im Jahr 1998 gegründete WeinTrans Service-Center, kurz WTSC.

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Ehrgeiziges Projekt
Vor diesem Hintergrund startete WeinTrans 2015 ein groß angelegtes Software-Projekt, bei dem das bisherige ERP-System ausgetauscht und ein neues LVS eingeführt werden sollte. Bei der Suche nach einem neuen ERP-System konnte sich Navision von Microsoft durchsetzen, während beim LVS die Entscheidung für die Lösung PraMag von Wanko fiel. „Nur PraMag war in der Lage, unsere gesamten Prozesse abzubilden, die mit der Übernahme der Weine an der Abfüllanlage des Badischen Winzerkellers beginnen“, bestätigt Bogisch, der bei der Software-Einführung von Projektleiterin Jasmin Escher unterstützt wurde. Aber damit nicht genug: „Wanko war der einzige Anbieter, der uns ein umfassendes Logistiksteuerungs-System für alle Warenbewegungen im Lager mit einer integrierten Tourenplanung anbieten konnte.“

Aus seiner beruflichen Praxis bei verschiedenen Speditionen kannte Bogisch nur getrennt arbeitende Systeme für Lager- und Tourenplanung. Der Vorteil einer integrierten Lösung leuchtete ihm sofort ein: „Bei der Lösung von Wanko befinden sich alle Kunden-, Auftrags- und Artikeldaten in einer einzigen Datenbank, wodurch die Prozesse schneller, einfacher und sicherer werden“ Auf diese Weise wurde das ohnehin schon sehr ehrgeizige ERP- und LVS-Projekt um die fast gleichzeitige Einführung des Tourenplanungssystems PraCar von Wanko erweitert. Hinzu kam, dass sich WeinTrans anstelle der iterativen – sprich schrittweisen – Software-Einführung für die Big Bang-Methode entschieden hatte. Dabei wird die neue Software vollständig implementiert und zu einem einzigen Zeitpunkt eingeführt.

Weniger Fehler
„Das war eine sehr mutige Entscheidung, bei der die professionelle Unterstützung seitens Wanko den Ausschlag gab“, so Bogisch, der den 1. August 2017 als Einführungstermin für das Warenwirtschaftssystem und das Warehousemanagement festgelegt hatte. Die Touren­planung wurde bereits kurz vorher in Betrieb genommen. Das Besondere an diesem Vorhaben war nicht nur das fast gleichzeitige Umstellen sämtlicher Logistik-Prozesse, sondern auch der Wochentag: Der 1. August war kein Sonntag, sondern ein Werktag, was bei unvorhergesehenen Schwierigkeiten schnell zu einem Stillstand geführt hätte. Am Stichtag begann der Kommissionierprozess um 10 Uhr mit PraMag bei aktiver Schnittstelle zum Warenwirtschaftssystem.

Bis auf ein paar mini­male Startschwierigkeiten wurden alle Abläufe voll in Betrieb genommen. „Der dreifache Big Bang war eine Herausforderung und es war uns von Anfang an klar, dass die ersten Monate sehr anstrengend werden“, bekennt Bogisch. Aber mit Wanko habe man „einen zuverlässigen und erfahrenen Partner zur Seite“ gehabt, mit dem man alle Probleme gelöst habe. WeinTrans profitiert seither von zahlreichen Vorteilen. Allen voran nennt Bogisch die im Zuge des Projekts eingeführte Online-Scannung. Vor jedem der rund 1,2 Mio. Picks pro Jahr wird jetzt der Barcode des betreffenden Artikels gescannt und vom System verifiziert. Fehler werden damit sofort erkannt und vermieden, was sich in einer deutlich gestiegenen Lieferqualität ausdrückt.

„Unsere Fehlerquote ist von zwei auf nahe Null gesunken und die Kundenzufriedenheit entsprechend gestiegen“, bestätigt Bogisch. Dabei sind die Erwartungen der Kunden aus dem Groß- und Einzelhandel und den direkt belieferten Endverbrauchern nicht gering: Jede bis 12 Uhr eingehende Bestellung muss noch am selben Tag verarbeitet und möglichst am folgenden Tag ausgeliefert werden. Darin enthalten sind auch sehr umfangreiche Aufträge mit mehr als 50 Positionen und eigens dafür aufgebauten Verkaufs-Displays.
Gestartet wird der Prozess durch die Tourenplanung mit PraCar. Die in der Software integrierten Algorithmen sorgen für eine optimale Auslastung und möglichst kurze Weg­strecken der Lkw. Bei der Auslastung profitiert WeinTrans von seinen Kunden aus dem Einzelhandel und der Industrie, für die unter anderem Stahl, Granulate und Papiertaschen­tücher gelagert werden. „In Kombination mit leichteren Gütern können wir das Volumen unserer Fahrzeuge bis zum letzten Kubikzentimeter nutzen, was allein mit schweren Weinflaschen nicht möglich wäre“, erklärt Bogisch.

Mehr Produktivität
Sobald die Touren gebildet und abgeschlossen wurden, errechnet PraMag anhand der Tourdaten die effizienteste Kommissionier-Reihenfolge in den unterschiedlichen Lagerbereichen. Die daraus resultierenden Aufträge werden samt Barcode ausgedruckt und nach Priori­täten abgearbeitet. „Wir wollten an dieser Stelle noch nicht ganz auf Papier verzichten, zumal die Umstellung für viele unserer langjährigen Mitarbeiter, die zuvor noch nie mit Scannern gearbeitet hatten, einen regelrechten Kulturschock bedeutete“, so Bogisch.
Die jetzt mit Touch-Computern vom Typ TC75 ausgestatteten Kommissionierer scannen den Barcode „ihres“ Auftrags und arbeiten die auf dem Display erscheinende Pickliste Schritt für Schritt ab. Nach Abschluss der Kommissionierung werden die Sendungen in der Verladezone bereitgestellt. „Den aktuellen Bearbeitungsstand aller Aufträge kann ich jederzeit am Wanko-Leitstand abrufen, was für maximale Transparenz sorgt“, bestätigt Bogisch, der mit Hilfe des Leitstands auch die zurückliegenden Zeiträume analysieren kann. Diese Auswertungen zeigen, dass die Produk­tivität um rund 10 Prozent gestiegen ist.

Fazit: Ein Jahr nach dem Go-Live des neuen Logistiksteuerungs-Systems laufen die Prozesse bei WeinTrans besser denn je. Dennoch hat Bogisch die nächste Ausbaustufe schon fest im Blick. Bis 2019 sollen mit Hilfe von Wanko die zwölf eigenen Fahrer mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden, um auch noch das letzte Glied der Lieferkette zu digitalisieren.

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