Daimler Truck im zweiten Quartal 2022

Martin Schrüfer,

Wachstum und Unsicherheit

Mehr Fahrzeuge, mehr Umsatz, hoher Auftragsbestand: Daimler Truck hat im zweiten Quartal 2022 das profitable Wachstum fortgesetzt. Die Kostenseite bleibt eine Herausforderung, und die gesamtwirtschaftliche und geopolitische Lage birgt viele Unsicherheiten. Dennoch unterstreicht Daimler Truck einen vorsichtigen Optimismus.

© Daimler Truck

Trotz anhaltender Engpässe in der Lieferkette und Gegenwinds bei den Rohstoffpreisen hat die Daimler Truck Holding (Daimler Truck) im zweiten Quartal ihren profitablen Wachstumskurs fortgesetzt und Absatz, Umsatz und bereinigtes Konzern-EBIT steigern können. Das Unternehmen konnte den Konzernabsatz im zweiten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr auf 120.961 Einheiten steigern, das sind vier Prozent mehr. Getragen von einem positiven Absatz, einer verbesserten Preisdurchsetzung, höheren Beiträgen aus dem Aftersalesgeschäft sowie positiven Wechselkurs-Effekten stieg der Konzernumsatz deutlich um 18  Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Daimler Truck sieht ein weiterhin starkes Nachfrageumfeld. Der Auftragsbestand liegt weiter auf einem hohen Niveau.

Konzern-Ergebnis knackt die Milliarde

Das bereinigte Konzern-Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg im Berichtszeitraum um 15 Prozent auf 1.010 Million Euro gegenüber 878 Millionen Euro im zweiten Quartal 2021. Im Industriegeschäft lag das bereinigte EBIT mit 940 Millionen Euro rund 16 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die bereinigte Umsatzrendite beläuft sich auf acht Prozent.

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Martin Daum, Vorstandsvorsitzender von Daimler Truck: „Wir befinden uns mitten in unserem ersten Jahr als unabhängiges Unternehmen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und dem Daimler Truck Team weltweit für das bisher Geleistete danken. Mit einem EBIT von einer Milliarde Euro im zweiten Quartal sind unsere Ergebnisse und Anstrengungen ein starkes Fundament, auf dem wir weiter aufbauen werden. Dieses positive Momentum wollen wir jetzt für die zweite Jahreshälfte beibehalten.“ Jochen Goetz, Finanzvorstand von Daimler Truck: „Angesichts der anhaltenden Herausforderungen in der Lieferkette sowie bei Rohstoffen und Energiepreisen können wir mit unseren Q2-Ergebnissen zufrieden sein. Unsere finanziellen Ziele für 2022 bleiben bestehen. Dennoch wird das laufende Jahr weiterhin anspruchsvoll bleiben, besonders auf der Kostenseite. Somit konzentrieren wir uns weiter auf die Umsetzung unserer Maßnahmen in allen Segmenten.“

Segment Mercedes-Benz mit positiven Sondereffekten

Das Segment Mercedes-Benz erzielte ein EBIT von 512 Millionen Euro sowie eine bereinigte Umsatzrendite von 10,5 Prozent, darin enthalten sind zwei positive Sondereffekte. Einer dieser Sondereffekte enthält einen positiven einmaligen, nicht zahlungswirksamen EBIT-Effekt von rund 160 Millionen Euro aus einer früher als erwarteten Buchung von Lizenzeinnahmen aus der Lokalisierung von Mercedes-Benz Lkw in China. Daimler Truck hatte mit seinem Joint Venture Beijing Foton Daimler Automotive (BFDA) einen Technologielizenzvertrag im Rahmen der Lokalisierung von Mercedes-Benz Lkw für den chinesischen Markt geschlossen. Die Lizenzvereinbarung beinhaltet die Nutzung von definiertem geistigem Eigentum von Mercedes-Benz Trucks Research & Development durch BFDA. Neben den Lizenzen sorgen die gestiegenen Zinssätze für einen weiteren positiven Bewertungseffekt, die zu einer höheren Abzinsung langfristiger Rückstellungen führt.

Starkes zweites Quartal auch in Nordamerika

Trucks North America erzielte ein EBIT von 523 Millionen Euro sowie eine bereinigte Umsatzrendite von 10,2 Prozent und realisierte damit wie erwartet ein deutlich stärkeres zweites Quartal mit einer nahezu ausgeglichenen Preis-Kosten-Entwicklung. Financial Services verzeichnete aufgrund einer verbesserten Zinsmarge in Nordamerika und einer verbesserten relativen Risikokostensituation ein höheres EBIT von 71 Millionen Euro, was zu einer bereinigten Eigenkapitalrendite von 15,1 führte. Das Segment Trucks Asia war stark von erheblichen Engpässen in der Lieferkette sowie negativen Effekten aus dem durch einen rückläufigen chinesischen Markt belasteten Joint Venture BFDA betroffen. Daimler Buses berichtet aufgrund einer geringeren Nachfrage im Reisebussegment einen leicht negativen Beitrag zum Gesamtergebnis des Konzerns.

Fahrermangel beeinträchtigt Auslieferungen

Daimler Truck weist im zweiten Quartal einen Free Cash Flow von minus 756 Millionen Euro aus, bedingt durch einen temporär höheren Lagerbestand aufgrund anhaltender Engpässe in der Lieferkette sowie durch Fahrermangel beeinträchtigte Auslieferungen fertiger Fahrzeuge an Kunden, weiterhin durch einen Beitrag von 250 Millionen Euro zum Pensionsfonds im Rahmen der Abspaltung sowie erhebliche Steuerzahlungen, die im zweiten Quartal wirksam wurden.

Ausblick 2022 vorsichtig optimistisch

Der Ausblick von Daimler Truck geht davon aus, dass die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die weltweite Nutzfahrzeugnachfrage auch im zweiten Halbjahr 2022 vergleichsweise günstig sein werden. Begrenzender Faktor ist nach wie vor das Angebot und nicht die Nachfrage. Daimler Truck rechnet für 2022 weiterhin mit einem Umsatz auf Konzernebene in der Bandbreite von 48,0 bis 50,0 Milliarden Euro. Bei der bereinigten Umsatzrendite für das Industriegeschäft erwartet Daimler Truck, unverändert zwischen sieben und neun Prozent zu liegen. Der Ausblick für die Segmente Mercedes-Benz, Trucks North America und Daimler Buses bleibt für das Gesamtjahr 2022 unverändert im Vergleich zum ersten Quartal. Für das Segment Trucks Asia wird die Gesamtjahresprognose für die bereinigte Umsatzrendite auf ein bis drei Prozent aktualisiert, bisher waren es prognostizierte drei bis fünf Prozent. Das Segment Daimler Truck Financial Services erwartet nun für das Gesamtjahr 2022 eine höhere Eigenkapitalrendite von neun bis elf Prozent.

Der Ausblick von Daimler Truck ist vor allem von der weiteren Entwicklung des Krieges in der Ukraine und dessen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sowie der Entwicklung des sehr hohen Inflationsdrucks und den damit verbundenen Zinserhöhungen der Zentralbanken abhängig. Auch die weitere gesamtwirtschaftliche und geopolitische Entwicklung sowie die Covid-19-Pandemie bergen ein außergewöhnliches Maß an Unsicherheit. Daimler Truck geht jedoch von im Vergleich zum ersten Halbjahr abnehmenden Versorgungsengpässen und keinen Produktionsausfällen aufgrund der Verfügbarkeit von Gas aus.

Der Beitrag erschien in materialfluss 8-9/22.

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