Kolumne: Was Würmser wurmt
Idiotysicher gendern für Anfängy
Mal was anderes: Gendern Sie schon? Nein! Probieren Sie es doch mal mit „Gendern nach Phettberg“. Das geht so: Bei Personenbezeichnungen ein „y“ an den Wortstamm anhängen, ein neutrales „das“ davorsetzen, und schon fühlen sich nicht nur männlich, weiblich, divers mitgemeint. Beim Plural packen Sie einfach ein „s“ hinten dran. Ist idiotysicher und auch für Anfängys bestens geeignet. Außerdem klingt es nicht so robotyhaft wie der Gendersternchen-Sprachaussetzer. Wobei genaugenommen noch völlig ungeklärt ist, ob es bei Robotys überhaupt ein m/w/d gibt.
Die Methode des österreichischen Aktionskünstlers Hermes Phettberg begeistert mittlerweile selbst Germanistys und funktioniert auch in der Logistik ganz prima: Aus Logistiker*innen wird Logistikys, aus Berufskraftfahrer*in das Berufskraftfahry. Dann wären da noch das Verkehrsministy, das Supply Chain Managy, das Chefy, das Disponenty, das Leity oder die Vorständys, und auch die Frage, ob mit „der Drucker“ nun das Gerät oder das Drucky gemeint ist, ist damit beantwortet. Selbst Personenbezeichnungen, die auf »-ling« enden lassen sich damit gendern: das Lehrly, das Auszubildy, das Widerly. Das geht mit Gendersternchen nicht.
Zu viele Ypsilons, meinen Sie? Stimmt, genau wie im Englischen, und es wäre mir neu, dass sich darüber schon mal jemand beschwert hat. Außerdem ist das Ypsilon sowieso unterrepräsentiert und würde so einer sinnvollen Verwendung zugeführt.
Die Frage ist längst nicht mehr, ob wir gendern, sondern nur noch wie wir das tun. Die einen sind für den Doppelpunkt, die anderen fürs Gendersternchen oder das Binnen-I. Alles gut gemeint, aber richtig schlecht gemacht. Als die Nachrichtensprechys damit angefangen haben, dachte ich zuerst, mein Fernseher gibt den Geist auf. Echt wahr. Überwindet man aber den natürlichen Reflex, Gendern als Spinnerei anzutun, ist es das normalste der Welt. Sprache entwickelt sich, genau wie der Rest des Lebens. Oder tippen Sie noch „SZ“ statt „ß“ auf Ihrer Schreibmaschine und stellen sich zum Telefonieren in ein kleine, gelbes Häuschen.
Gendern nach Phettberg hat große Vorteile. Zugegeben, es ist gewöhnungsbedürftig, aber nur so lange, bis man sich daran gewöhnt hat. Ganz ähnlich müssen sich die Menschen im 18. Jahrhundert gefühlt haben, als es plötzlich modern wurde, Mama und Papa zu duzen.
Solange es keine besseren Alternativen gibt, bin ich fürs „y“. Man kann damit „Gendern, bis das Arzty kommt“, wie Der Spiegel kürzlich getitelt hat - diese Headline ist einfach viel zu gut, um sie nicht zu zitieren. Wenn Sie das so machen, liebe Lesys, dann haben Sie jedenfalls die Lachys auf Ihrer Seite.










